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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gefährliche Raupen: Mehr als 100 Fälle
 
Nun krabbelt es auch in Osnabrück
 
Kita am Schölerberg muss wegen Raupenplage schließen
Zwischenüberschrift:
Eichenprozessionsspinner explosionsartig vermehrt / Lange Wartezeit für Entfernung
 
Auch Innenräume betroffen / Stadt richtet Notgruppe ein
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Zahl der Fälle von Eichenprozessionsspinner-Populationen in der Stadt Osnabrück hat sich im Vergleich zum Vorjahr schon jetzt mehr als verzehnfacht. Das teilte der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) auf Anfrage unserer Redaktion mit. So wurden seit Ende Mai dieses Jahres rund 100 Gespinste des Eichenprozessionsspinners gefunden und im städtischen Meldesystem Emsos eingetragen. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurde erstmals ein geringfügiger Befall durch die Raupe an städtischen Bäumen festgestellt ganze acht Fälle sind aus 2018 dokumentiert, in denen Nester abgesaugt wurden. Unterdessen hat die erste Kita in Osnabrück wegen der Gefahr durch die Raupen geschlossen. Bürger im Stadtteil Widukindland wollen auf eigene Faust Nester entfernen lassen sie dürfen aber nicht.

Osnabrück Der Eichenprozessionsspinner ist in Osnabrück angekommen. Nachdem im Vorjahr nur einige Fälle zutage traten, ist jetzt eine Vielzahl von Bäumen im ganzen Stadtgebiet betroffen. Das führt zu absurden Situationen: Im Widukindland wollen Anwohner die Raupen entfernen lassen sie dürfen aber nicht.

Ich bin vollkommen in Sorge″, berichtet eine Anwohnerin des Nordalbingerwegs unserer Redaktion. Der Grund: In der kleinen Straße im Stadtteil Widukindland steht ein gutes Dutzend Eichen. In einem der Bäume haben sich Eichenprozessionsspinner eingenistet. Ausgerechnet diese Eiche steht direkt vor dem Wohnhaus der Familie und ragt weit in das Grundstück hinein.

Weil mehrere Anwohner bereits über die typischen Symptome einer Raupendermatitis klagen darunter rote Pusteln auf der Haut haben sie sich unlängst an die Stadtverwaltung beziehungsweise den Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) gewandt. Dort laufen momentan die Fäden zusammen, wenn Bürger die Nester der gefährlichen Raupe melden.

Bei Bäumen, die im öffentlichen Raum stehen, ist der OSB für die Entfernung der Spinner zuständig, während auf Privatgrundstücken der Eigentümer gefordert ist. Für die Anwohner des Nordalbingerwegs wäre momentan letztere Möglichkeit die deutlich bessere Alternative. Denn wegen der großen Belastung durch die explosionsartige Vermehrung der Tiere sind die Kapazitäten der OSB beauftragt Spezialunternehmen derartig ausgelastet, dass momentan zunächst sensible Orte angefahren werden, darunter Schulen, Kindergärten, Freizeitanlagen oder Krankenhäusern. Da ab August mit dem Schlüpfen der Falter die Problematik beendet ist, erfolgen an abgelegenen Bereichen nur bei stärkerem Befall Bekämpfungsmaßnahmen″, sagt OSB-Sprecherin Katrin Hofmann.

Mindestens zwei bis drei Wochen werde es daher im Schnitt dauern, bis ein Raupenproblem vor Ort angegangen werden könne, so die Aussage des OSB.

Die Nachbarschaft des Nordalbingerwegs entschied sich daher, auf eigene Kosten zu handeln, und fand einen Fachbetrieb, der die Raupen in den kommenden Tagen entfernen könnte. Doch die Rechnung hatten die Anwohner ohne den OSB gemacht. Denn weil der Baum eben nicht auf Privatgelände steht, sondern im öffentlichen Raum, sind ihnen die Hände gebunden.

Hintergrund: Die vom OSB beauftragten Firmen zum Absaugen des Eichenprozessionsspinners arbeiten sachgemäß entsprechend den Sicherheitsbestimmungen und stehen mit dem OSB in einem Vertragsverhältnis, sodass im Schadensfall Ansprüche erhoben werden können, heißt es in einer Stellungnahme des Servicebetriebs. Bei einer Beauftragung durch beispielsweise die Bürger ist die Stadt nicht Vertragspartner und hat keinerlei Handhabe bei Sicherheitsmängeln oder beim Nacharbeiten″, sagt Hofmann auf Anfrage unserer Redaktion.

Für die Anwohner des Nordalbingerwegs ist das unbefriedigend. Ich weiß nicht, wie wir hier in Zukunft weiter leben sollen″, sagt eine Frau. Das Problem bleibe weiterhin aktuell, denn auch nachdem die Falter schlüpfen üblicherweise im August bleiben die Nester mit den Tausenden Brennhaaren gefährlich. Sie werden vor allem dann zur Gefahr, wenn sie vom Wind aus den Bäumen geweht werden und sich ihre unheilvolle Wirkung vom Boden aus manifestiert.

Für Volker Bajus, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Osnabrücker Stadtrat, ist die Häufung der Raupenpopulationen ein Vorbote der sich dynamisch entwickelnden Klimakrise. Hier kann man beispielhaft beobachten, wie sehr der Klimawandel unseren Alltag verändert und die Lebensqualität negativ beeinflusst″, schreibt Bajus in einer Mitteilung an unsere Redaktion. Noch einen weiteren Effekt habe die Zunahme der Tiere: Die Bekämpfung ist kostenintensiv und aufwendig. Schutzanzüge können nur einmal verwendet werden. Die Stundensätze der Fachfirmen liegen bei über 300 Euro″, so Bajus weiter.

Ansprechpartner: Vom Eichenprozessionsspinner befallene Bäume auf öffentlichen Straßen meldenBetroffene beim Ordnungsamt oder dem Rathaus der jeweiligen Gemeinde. Im Landkreis steht der Gesundheitsdienst für Fragen unter 0541 5018113 bereit. Für Befall an öffentlichen Plätzen in der Stadt Osnabrück ist der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) zuständig und unter der Telefonnummer 0541 323 3300 oder das Osnabrücker Meldesystem Emos erreichbar.

Bildtext:
Raupen-Alarm am Nordalbingerweg: Anwohner wollen die Tiere entfernen lassen, dürfen es aber nicht.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Er ist gekommen, um zu bleiben

Egal in welche deutsche Stadt man momentan schaut überall läuft der Kampf der Kommunen gegen die haarigen Raupen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn den Tieren ist so ehrlich muss man sein mit den momentan zur Verfügung stehenden Methoden kaum beizukommen. Von Hand alle betroffenen Eichen abzusaugen ist ein absurd hoher Aufwand.

Verfolgt man die Ausbreitung des Spinners in den vergangenen Jahren, muss man konstatieren, dass sich Osnabrück jetzt in der gleichen Situation befindet, die süd- und mitteldeutschen Städten schon seit Jahren immanent ist. Auch dort hat man bisher quasi keine anderen Lösungen gefunden, als den Raupen mit dem Sauger zu Leibe zu rücken oder die Nester zu verkleben. Ein Gifteinsatz in städtischen Gebieten? Undenkbar.

Müssen sich die Osnabrücker deshalb an die gefährlichen Tiere gewöhnen? Vielleicht schon, denn nur ein kalter Winter und spürbare Eisheilige könnten die Populationen schwächen. Ob natürliche Feinde wie Meisen oder der Kuckuck die massenhafte Ausbreitung aufhalten können, ist zweifelhaft. So hart es klingt: Der Eichenprozessionsspinner ist da und er wird nicht wieder gehen. Man wird lernen müssen, mit ihm umzugehen. Nicht hysterisch, sondern besonnen.

s.philipp@ noz.de

Osnabrück Die städtische Kita am Schölerberg ist seit einigen Tagen vom Eichenprozessionsspinner befallen und muss daher bis zum Start der Kita-Sommerferien geschlossen werden. Die Kinder werden an anderer Stelle betreut.

Seit einigen Tagen ist der Garten der Kita vom Eichenprozessionsspinner befallen und beeinträchtigt. Da mittlerweile auch auch der Innenraum der Kita betroffen ist, hat das Gesundheitsamt empfohlen, die Einrichtung zu schließen.Eltern informiert

Daher wird die Kita Schölerberg mit einer Notgruppe am Donnerstag und Freitag in die benachbarten Räume der BBS Schölerberg ausweichen und nächste Woche ins Gemeinschaftszentrum Ziegenbrink ziehen. Ab dem 8. Juli sind Sommerferien in der Kita. Die Eltern der Kinder wurden darüber am Mittwochnachmittag und Donnerstagmorgen informiert.

Eine Firma wird das Nest entfernen. Der Kammerjäger wird bis zum Wochenende sowohl das Nest im Garten absaugen als auch die notwendigen Maßnahmen im Gruppenraum ergreifen. Anschließend wird eine Grundreinigung durchgeführt.

Von den Brennhärchen des Eichenprozessionsspinners kann eine Gesundheitsgefahr für Menschen ausgehen. Symptome können Juckreiz, Schüttelfrost, aber auch heftige allergische Reaktionen sein. Jeder Kontakt ist zu vermeiden.

Bildtext:
Klein, aber gefährlich: Die Haare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen.
Foto:
David Ebener

Verhalten im Ernstfall

- Augen mit Wasser spülen

- Augen nicht reiben, da die Gefahr besteht, dass sich Brennhärchen in der Hornhaut festsetzen

- Zeitnah duschen und die Kleidung wechseln

- Kontaminierte Schuhe und Kleidung nicht in den Wohnbereich bringen

- Juckreiz mit kaltem Wasser mildern

- Kleidung anschließend bei 60 Grad waschen

- Bei stärkeren Problemen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei schweren allergischen Reaktionen mit Atemnot sollte der Rettungsdienst gerufen werden.

- Da auch Haustiere betroffen sein können, sollten Besitzer darauf achten, dass ihre Tiere nicht mit den giftigen Raupen in Kontakt treten.
Autor:
Sebastian Philipp, Corinna Berghahn


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