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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Realschulen werden zu Oberschulen
 
Proteste bleiben ohne Wirkung
Zwischenüberschrift:
Rat beschließt Mittelstufenreform / Realschulen werden zu Oberschulen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nach einem zehn Jahre währenden Ringen hat der Osnabrücker Stadtrat am Dienstag den Knoten durchschlagen und die Reform der Schullandschaft auf den Weg gebracht.

Letztendlich war es eine breite politische Mehrheit, die den Weg für die Reform der Sekundarstufe I frei machte, den Heidrun Achler (SPD), Petra Knabenschuh und Brigitte Neumann (CDU) sowie Birgit Strangmann (Grüne) gemeinsam in Zusammenarbeit mit der kommunalen Schulverwaltung in den letzten Wochen geebnet hatten.

Dass die gefundene Lösung nicht alle Beteiligten glücklich macht, belegten Proteste von Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern von drei Realschulen vor der Ratssitzung. Ihnen stößt die beschlossene Umwandlung ihrer Schulen in Oberschulen sauer auf.

Osnabrück Das war ein Novum: Vor der Abstimmung über die Reform der Mittelstufe traten Heidrun Achler (SPD), Petra Knabenschuh und Brigitte Neumann (CDU) sowie Birgit Strangmann (Grüne) vor den Rat, um gemeinsam ihre Zustimmung zur Vorlage der Verwaltung zu artikulieren ein Symbol der Einigkeit nach einer zehn Jahre währenden Diskussion über die Osnabrücker Schullandschaft.

Während also in der Politik große Harmonie das Thema beherrschte, stießen die Planungen bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe. Lehrer, Eltern und Schüler der Bertha-von-Suttner-, der Erich-Maria-Remarque- und der Wittekind-Realschule hatten sich auf den Weg zum Rathaus gemacht, um mit Plakaten und letzten Gesprächen vor der Sitzung noch eine Umwandlung ihrer Schulen in Oberschulen abzuwenden. Sie mussten fast bis zum Ende der Ratssitzung ausharren um dann doch enttäuscht zu werden. Mit einer Mehrheit aus SPD, CDU, Grünen, BOB und einer FDP-Stimme votierten die Kommunalpolitiker für den Umbau der Sek.-I-Landschaft.Angemessene Alternative

Ein leises Raunen ging durch den Sitzungssaal, als das Politikerinnen-Quartett sich von den angestammten Plätzen erhob, nach vorne ging und dann das Mikrofon weiterreichend wie einen Staffelstab die Gründe für die mit der Verwaltung gemeinsam erarbeiteten Vorlage vortrug. Achler, Vorsitzende des Schulausschusses, machte den Anfang: Uns erscheint die Lösung, alle verbleibenden Real- und Hauptschulen umzuwandeln, die für alle Beteiligten sach- und fachlich angemessene Alternative, sozial gerecht und vor allem zukunftsfähig im Hinblick auf eine sich beständig verändernde Schülerschaft sowie Gesellschaft.″ Achler verwies zudem auf die spätestens zum Schuljahr 2025/ 26 einzurichtende zusätzliche Schule im Süden der Stadt, die abhängig vom Ergebnis einer Elternbefragung als integrierte Gesamtschule gegründet werden könnte.

Knabenschuh rief in Erinnerung, dass die als Oberschule geplante Neue Schule″ in der Innenstadt politisch ebenso wenig umstritten gewesen sei wie die Tatsache, dass mit dieser Neugründung die Felix-Nussbaum-Schule als dann letzte verbleibende Hauptschule auslaufen muss. Die Neuordnung der Schullandschaft berücksichtige vor allem, dass das Anwahlverhalten der Eltern sich derart entwickelt hat, dass an unseren Realschulen immer mehr Kinder angemeldet werden, die eher zum Leistungsbereich Hauptschule gehören″. Knabenschuh sprach von 40 Prozent der Anmeldungen.

Kinder sollen in ihren individuellen Stärken gefördert und nicht von vornherein ausgegrenzt werden″, plädierte Strangmann für integrierende Oberschulen, die im Vergleich zu Realschulen besser ausgestattet seien. Rat und Verwaltung würden in den kommenden Jahren etwa 68 Millionen Euro für Fach- und Differenzierungsräume sowie Mensen bereitstellen. Dies als Schule nicht zu wollen wäre ziemlich ungewöhnlich und einmalig, auch wenn dies Bautätigkeiten nach sich zieht.″ Dass während dieser Zeit jeder Unterricht in Containern stattfinde, gehöre in die Gerüchteküche″, widersprach die Grünen-Politikerin den Umwandlungsgegnern.

Mit dem Beschluss werde die Zukunftsfähigkeit der Sek.-I-Schulen gesichert, so Neumann. Er sei der erste Schritt, dem eine Reihe weiterer Schritte folgen müsse, die in Abstimmung mit Schulen, Eltern und Schülern gegangen werden sollen. Meine Bitte geht an alle Schulen, sich engagiert in den Schulentwicklungsprozess einzubringen″, warb Neumann für eine gute Zusammenarbeit.

Das im wahrsten Sinne des Wortes im Schulterschluss vorgetragene gemeinsame Plädoyer der vier Fachpolitikerinnen konnte allerdings nicht alle Ratsmitglieder überzeugen. Heidi Reichinek (Linke) sieht in der Entscheidung eine furchtbare Unterteilung der Gesellschaft″. Für die CDU sei der Beschluss ein Sieg auf ganzer Linie, für die SPD eine Katastrophe. Für die Linke ist das Modell der integrierten Gesamtschule das einzig zukunftsfähige. Thomas Thiele (FDP) brachte seine Freude über die Neue Schule zum Ausdruck, nannte aber die Umwandlung der Realschulen einen Schlag ins Gesicht der Eltern und Lehrer″. Funktionierende Schulen würden ohne Not kaputt gemacht. Hier wurde ein fauler Kompromiss beschlossen.″Quantensprung

Daran, dass der nun gefasste Beschluss nicht vom Himmel gefallen ist, sondern schon seit Jahren die bildungspolitische Pipeline verstopft, erinnerte Thomas Klein (Grüne), indem er in seinen Dank für den nun vorgelegten Kompromiss explizit die ehemaligen Ratsmitglieder Irene Thiel (CDU), Paul Meimberg und Jens Martin (beide SPD) einbezog, die schon vor Jahren um die Zukunft der Sek.-I-Landschaft gerungen hatten.

Einen Quantensprung″ in der Schulentwicklung in Osnabrück nannte Schuldezernent Wolfgang Beckermann die Ratsentscheidung, die allerdings voraussetze, dass wir das Thema auch weiter priorisieren. Das heißt aber auch, dass wir andere Dinge nicht tun können.″

Bildtext:
Eltern, Lehrer und Schüler machten vor der Ratssitzung deutlich, dass sie eine Umwandlung der Realschulen in Oberschulen ablehnen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Ohne das Land wird es nicht gelingen

Es ist vollbracht. Die Reform der Osnabrücker Mittelstufenlandschaft ist auf den Weg gebracht. Der Kompromiss gefällt nicht allen. Ohne ihn aber wäre weiterhin Stillstand. Den kann niemand wollen. Die verschiedenen Schulen und Schulformen einer Kommune können nicht einzeln betrachtet werden. Dafür sind sie zu sehr miteinander verwoben. Die Entscheidung, die Realschulen in Oberschulen umzuwandeln, ist vor diesem Hintergrund und anhand der vorliegenden Zahlen sowie in Anbetracht des Anwahlverhaltens der Eltern nachvollziehbar.

Klar sein muss allen Beteiligten aber auch, dass für eine gelingende Oberschule inhaltliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Und dafür ist am Ende des Tages nicht mehr die Kommune zuständig. Das Land ist gefragt, die von ihm gewollten und geförderten Oberschulen vor allem personell so auszustatten, dass die so lautstark gepriesenen integrierenden Konzepte funktionieren können. Was nutzen die schönsten Differenzierungsräume, wenn die Differenzierung unterschiedlich leistungsstarker Schüler lediglich mittels Arbeitsblatt stattfinden kann, weil die Lehrer fehlen?

Das Land hat bildungspolitisch in den vergangenen Jahren in nahezu allen Anforderungsbereichen gepatzt. Das ist es, was den Lokalpolitikern und Schulen Sorgen bereiten sollte. Denn erst wenn die Landespolitik ihren Beitrag vollumfänglich leistet, kann der jetzt in Osnabrück gefasste Beschluss sinnvoll mit Inhalt gefüllt werden.

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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