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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Darumer wehren sich gegen 380-kV-Trasse
Zwischenüberschrift:
Plötzlich tangiert die geplante Hochspannungsleitung auch das Naherholungsgebiet Lechtenbrink
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nach den Bissendorfern wehren sich jetzt auch die Bürger in den Osnabrücker Stadtteilen Darum und Lüstringen gegen die Pläne für den Bau einer 380-Kilovolt( kV)- Leitung.

Mehr als 1500 Unterschriften hat die neue Bürgerinitiative innerhalb von zwei Wochen schon gesammelt. Ihre Mitglieder sprechen sich für eine komplette Erdverkabelung aus, haben sich mit den anderen Initiativen entlang der Trasse zusammengeschlossen und bemängeln ein Informationsdefizit in ihrem Stadtteil. Bislang schienen die Darumer und Lüstringer vom nördlichen Trassenabschnitt zwischen Bad Essen-Wehrendorf und dem Umspannwerk Lüstringen kaum betroffen zu sein jetzt sind sie es doch.

Die Vorgeschichte: Die geplante 380-kV-Leitung soll Teil eines Netzes werden, das Windenergie aus dem Norden der Republik in den Süden transportiert. Seit im Jahr 2012 für das Leitungsprojekt Nummer 16 die ersten Pläne öffentlich wurden, haben sich entlang der Trasse von Wehrendorf nach Lüstringen und von dort aus weiter gen Süden durch Voxtrup, Borgloh und Wellingholzhausen nach Gütersloh einzelne Bürgerinitiativen gebildet, die eine Erdverkabelung fordern statt wuchtiger Strommasten mit Höchstspannungsleitungen.

Und tatsächlich: Ende 2015 wurde die Trasse 16 vom Bund als Pilotvorhaben für eine Teilerdverkabelung ins Energieleitungsausbaugesetz aufgenommen. Bislang plant Amprion eine Erdverkabelung aber nur im Osnabrücker Stadtgebiet dort, wo besonders viele Häuser stehen und die Mindestabstände zur 380-kV-Leitung in vielen Fällen nicht eingehalten werden können.

Der Trassenverlauf: Weil so ein Leitungsbau reichlich kompliziert ist, wurde die Trasse in mehrere Abschnitte unterteilt. Für den nördlichen Abschnitt zwischen Wehrendorf und dem Umspannwerk Lüstringen soll jetzt grob geklärt werden, wo die Leitung verlaufen soll und zwar ähnlich wie bei Autobahnprojekten in einem Raumordnungsverfahren. Die dafür zuständige Behörde, das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, hat dieses Verfahren am 3. Mai eröffnet und am 19. Mai hat sich die neue Bürgerinitiative in Darum und Lüstringen gegründet.

Denn Amprion hat für das Raumordnungsverfahren drei konkrete Varianten vorgeschlagen und präferiert die nördlichste davon, nämlich Variante A. Und die Darumer stellten plötzlich fest: Diese Trassenvariante betrifft sie direkt, genau genommen ihr Naherholungsgebiet rings um den Wanderparkplatz Lechtenbrink, aber auch ein paar frei stehende Häuser in diesem Bereich.

Die Forderungen: Uns geht es nicht darum, den Prozess aufzuhalten″, betont Johannes Läubin von der Bürgerinitiative. Sie wollen auch keine Panik vor elektromagnetischer Strahlung durch die Freileitungen schüren, betont Incarnata Humpert-Glosemeyer. Nein, die Darumer und Lüstringer fordern wie alle anderen Initiativen entlang der Trasse, dass Amprion die gesamte Leitung unter die Erde legt. Durch eine Erdverkabelung kann man diesen Prozess sogar beschleunigen″, meint Humpert-Glosemeyer.

Bislang plant Amprion bei der Variante A, nur 3, 7 Kilometer der 18, 9 Kilometer langen Trasse unter die Erde zu legen, nämlich den letzten Abschnitt von Darum bis ins Umspannwerk Lüstringen. Das hätte zur Folge, dass eine Übergabestation gebaut werden müsste. Die Dimensionen hat die Bürgerinitiative mit Flatterband im Bereich Im Tiefen Siek/ Hömmelkenbrinkweg abgesteckt.

Dort ist ein Wasserschutzgebiet, außerdem ist das hier ein Landschaftsschutzgebiet″, sagt Johannes Läubin. In der Ferne ist die 110-kV-Leitung der RWE-Tochter Westnetz zu sehen. Die Bürgerinitiative ist skeptisch, ob diese Leitung verschwindet und mit der 380-kV-Leitung gebündelt wird. Schon in Voxtrup wird nichts aus diesen ursprünglich vorgestellten Plänen, weil Westnetz wohl nicht mitzieht.

Die Öffentlichkeitsbeteiligung: Im Raumordnungsverfahren ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. Die Stadt hat eine Stellungnahme verfasst, die der Stadtentwicklungsausschuss ohne Diskussionen am 13. Juni einstimmig durchwinkte.

Die Stadt lehnt darin unter anderem Amprions Vorzugskorridor A ab und fordert eine Erdverkabelung für den gesamten Trassenverlauf. Auch Kabelübergabestationen in wichtigen Freiräumen der Stadt Osnabrück werden ausdrücklich abgelehnt″, schreibt die Stadt. Das gilt nicht nur für die Variante A, sondern auch für die Varianten B/ C, die eine Übergabestation im Bereich der Bauerschaft Düstrup vorsehen würde.

Diese Stellungnahme der Stadt finden die Darumer und Lüstringer super, doch sie hätten sich gewünscht, dass Osnabrück ähnlich wie Bissendorf eine Informationsveranstaltung organisiert und sich klar positioniert. Zum Vergleich: Die Gemeinde Bissendorf will am 3. Juli in einer öffentlichen Versammlung im Bürgersaal ihre Stellungnahme vorstellen, bevor sie sie abgibt.

Am 28. Juni wollen die Darumer und Lüstringer daher um 20 Uhr in der Gaststätte Zum Findling (Stadtweg 76) eine eigene Infoveranstaltung ambiete. Internet: www.keine380kv-darum-luestringen.de

Bildtexte:
Die Sprecher der Bürgerinitiative Darum/ Lüstringen (von links): Incarnata Humpert-Glosemeyer, Johannes Läubin, Nadine und Jonathan Handt.
Dass die Vorzugstrasse von Netzbetreiber Amprion (Variante A) auf Stadtgebiet so weit nördlich verlaufen soll, hat die Bürger in Darum und Lüstringen überrascht.
Hier, im Bereich Hömmelkenbrinkweg und Im Tiefen Siek, soll womöglich eine Kabelübergabestation entstehen - als Übergang zwischen Freileitung und Erdkabel.
Fotos:
Thomas Osterfeld
Quelle:
Amprion, Bearbeitung NOZ:
Sascha Nabrotzky
Grafik:
Archiv/ Kommunikationsbüro Hitschfeld/ Bearbeitung NOZ:
Tamara Landwehr

Kommentar
An einem Strang

Eine Hochspannungsleitung hat niemand gern vor seiner Haustür. Wer der Realität ins Auge blickt, weiß aber auch, dass der Blick über den eigenen Gartenzaun nicht als Maßstab taugt, um ein Großprojekt zu beurteilen. Die Bürgerinitiative aus Lüstringen und Darum, die sich gegen die 380-kV-Freileitung wendet, ist deshalb gut beraten, den großen Zusammenhang ins Auge zu fassen und gemeinsam mit den anderen Initiativen entlang der Trasse nach einer Lösung zu suchen.

Die Amprion wird kein Interesse daran haben, weitere Trassenabschnitte unter die Erde zu legen. Wer daran etwas ändern will, muss sich Verbündete in Hannover und Berlin suchen. Da ist es hilfreich, wenn in der Region Einigkeit besteht über die Grundzüge der Planung.

Dazu gehört auch die Frage, ob die Kabelübergabestation auf Osnabrücker oder Bissendorfer Gebiet gebaut werden soll. Landschaftlich sensibel ist es diesseits und jenseits der Stadtgrenze. Wenn sich im Großen etwas bewegen soll, müssen Bissendorf und Osnabrück an einem Strang ziehen.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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