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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Mir tut die Johannisstraße leid″
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Wirtschaftsgeograf Franz über die Situation nach dem Center-Aus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Professor Martin Franz schaut mit wissenschaftlichem Blick auf den Neumarkt. Er sagt: Der Platz hat auch ohne Center großes Potenzial, aber die Johannisstraße wird unter dem Stillstand schwer leiden. Und Decathlon sollte zum Neumarkt ziehen, auf keinen Fall an den Stadtrand.

Herr Franz, ist es gut oder schlecht für die Stadt, dass am Neumarkt kein Einkaufszentrum entstehen wird?
Dass es kein zusätzliches Center geben wird, ist kein Problem für Osnabrück. Ein Problem ist allerdings, dass es am Neumarkt jetzt erst mal nicht weitergeht. Ich bin kein Freund von geschlossenen Einkaufszentren, aber eine Shopping-Mall wäre mir lieber gewesen als der Stillstand und die Nicht-Entwicklung an dieser Stelle. Für die Johannisstraße ist die aktuelle Entwicklung nämlich sehr bedauerlich. Die Unternehmen dort tun mir echt leid. Es gibt im Übrigen auch bessere Lösungen als ein Einkaufszentrum.

Welche sind das?
Eine Mischnutzung aus Büros, Wohnungen, Dienstleistungen, Gewerbe, Einzelhandel. Wir dürfen den Blick nicht auf den Neumarkt verengen, sondern müssen auch die zweite Reihe sehen. Auch der Nahverkehr sollte noch einmal überdacht werden. Ich bin kein Verkehrsexperte, aber vielleicht lässt sich ein Busbahnhof im hinteren Bereich einrichten, dann wäre der Neumarkt verkehrsfrei.

Auch kein Autoverkehr auf dem Neumarkt?
Ja, am besten ohne Autos und Busse. Der Autoverkehr hat eine starke Riegelwirkung. Wenn der Verkehr weiter über den Neumarkt rollt, werden die Johannisstraße und der hintere Bereich abgetrennt.

Das Modehaus Sinn und der Sportartikelhändler Decathlon wollten als Ankermieter ins Einkaufszentrum einziehen. Wo wäre aus ihrer Sicht Platz für die beiden Unternehmen, die unbedingt in Osnabrück vertreten sein wollen?
Beide wären am Neumarkt gut aufgehoben, wenn dort jetzt im ehemaligen Centerbereich etwas Neues entsteht. Dass es Decathlon, dem größten Sportartikelhändler der Welt, bisher nicht gelungen ist, sich in Osnabrück niederzulassen, ist aus Sicht des Unternehmens sicher bedauerlich. Ich sehe das allerdings als einen Erfolg des Märkte- und Zentrenkonzepts der Stadt Osnabrück. Eine Ansiedlung außerhalb der Innenstadt würde die Innenstadt schwächen, und dies kann nicht im Interesse der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger sein. Der Onlinehandel stellt eine Bedrohung der Innenstädte dar. Eine weiter wachsende Konkurrenz durch Fachmarktzentren an den Ein- und Ausfallstraßen ist in dieser Situation nicht hilfreich.

Im Zuge der Aktualisierung des Märkte- und Zentrenkonzepts sollte es daher keinesfalls zu einer Aufweichung der Regeln für innenstadtrelevante Sortimente kommen. Dies bedeutet nicht, dass ich etwas gegen eine Ansiedlung von Decathlon in Osnabrück habe: Der Neumarkt bietet, wie gesagt, aktuell genügend Platz für Ansiedlungen dieser Art.

Sie haben in einem NOZ-Interview vor einem Jahr den Passantenrückgang in der City auch mit einem Mangel an spannenden gastronomischen Angeboten erklärt und vorgeschlagen, mehr Gastro-Magnete anzusiedeln. Wäre das auch etwas für den neuen Neumarkt?
Das wäre gewiss auch am Neumarkt sinnvoll. Ob dadurch mehr Leute in die Stadt kommen würden, kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, ob es ein Platz zum Flanieren und Genießen wird. Die Gastronomie wäre nach meiner Einschätzung ein wichtiger Baustein der Neumarkt-Entwicklung. Das setzt aber auch voraus, dass der Platz autofrei ist.

Hat Sie der Rückzug des Centerinvestors überrascht?
Nein. Ich hatte die Entscheidung nur früher erwartet.

Ist die Zeit der Einkaufszentren vorüber?
Das würde ich generell nicht so sagen. Es gibt eine Reihe von gut geführten, erfolgreichen Shopping-Malls. Der Vorteil der Center ist ja, dass sie anders als eine Innenstadt zentral gesteuert sind und schnell auf Entwicklungen und veränderte Nachfragen reagieren können. Ich glaube aber nicht, dass in nächster Zeit noch viele neue Center entstehen werden. Der Onlinehandel lässt die Nachfrage nach Verkaufsflächen weiter sinken.

Bildtext:
Professor Martin Franz ist Wirtschaftsgeograf an der Uni Osnabrück. Er betrachtet die Entwicklung des Einzelhandels mit wissenschaftlichem Blick.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Wilfried Hinrichs


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