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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Kraft der Natur
Zwischenüberschrift:
Warum Heilpflanzen nicht aus der Mode kommen / Ein Spaziergang im Botanischen Garten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Jahrhundertealt, aber angesagter denn je: Das Wissen über Heilpflanzen ist im Trend. Doch was können sie tatsächlich bewirken? Und welche Heilpflanzen eignen sich auch für die heimische Küche? Bei einem Gang durch den Botanischen Garten der Universität Osnabrück geben zwei Expertinnen Einblick in die Welt der Heilpflanzen und erklären, warum besonders bei der Eigenernte Vorsicht geboten ist.

Die Anwendung von Pflanzen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon Hippokrates, Paracelsus und Hildegard von Bingen erforschten ihre heilsame Wirkung. Während unzählbare Pflanzenwirkstoffe Einsatz in der modernen Medizin finden, vertrauen viele Menschen bis heute bei der Selbstbehandlung leichter Beschwerden auf die Verwendung heimischer Arten. Das jahrhundertealte Wissen über Heilpflanzen hat seine Faszination offenbar nicht verloren ganz im Gegenteil.

Den Heilpflanzen-Trend spüren Claudia Grabowski-Hüsing und Gudrun Eschmann schon seit einigen Jahren. Grabowski-Hüsing ist Leiterin der Grünen Schule im Botanischen Garten der Universität Osnabrück. Eschmann ist Pharmazeutin. Gemeinsam bieten die beiden Frauen Sonntagsspaziergänge und Workshops zum Thema Heilpflanzen an und beobachten einen starken Andrang auf die Teilnehmerplätze. Hinter dem gestiegenen Interesse an pflanzlichen Heilmitteln vermuten sie eine Rückbesinnung auf natürliche statt chemische Wirkstoffe.

Die Grüne Schule versteht sich als Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit″, sagt Grabowski-Hüsing. Wir möchten Wissen verständlich vermitteln.″ Dabei dient der universitäre Heilpflanzen-Garten als direktes Anschauungsobjekt. Zahlreiche heimische wie auch einige exotische Arten von A wie Andorn bis Z wie Zahnwurz können zwischen Mai und Oktober in diesem Bereich des Botanischen Gartens erkundet werden.

Unter den zahlreichen Heilpflanzenarten befindet sich auch ein Klassiker, der in diesem Jahr zu neuem Ruhm gekommen ist: Das Echte Johanniskraut darf aktuell den Titel Heilpflanze des Jahres 2019″ tragen. Doch welche Wirkstoffe stecken im Johanniskraut, und wie lässt es sich nutzen? Diese Fragen klären Grabowski-Hüsing und Eschmann im Rahmen ihrer Kurse. Es gehe sowohl darum, an welchen biologischen Merkmalen die jeweilige Pflanze zu erkennen sei, als auch um ihre Wirkstoffe und eine mögliche Verwendung. Dabei müsse unter anderem die wichtige Frage geklärt werden, welcher Teil der Pflanze genutzt werde könne, erläutern die Expertinnen.

Johanniskraut wirkt entzündungshemmend, aber auch nervenberuhigend und stimmungsaufhellend″, so Eschmann. Die Blüten können auf der Fensterbank getrocknet und als Tee aufgegossen oder aber zur Herstellung eines Johanniskraut-Öls genutzt werden, das eine typische rote Färbung entwickelt″, erklärt die Pharmazeutin.

Doch die Frauen warnen vor der unbedarften Eigenernte von Heilpflanzen: Manche der Gewächse würden bedenkliche Stoffe enthalten, die vor allem in hoher Dosierung und bei Langzeitanwendung giftig wirken könnten. Diese Wirkstoffe seien daher ausschließlich in Medikamenten verfügbar. Eschmann deutet auf eine Pflanze neben sich: Der Rote Fingerhut zum Beispiel liefert den Wirkstoff für wichtige Herzmedikamente aber eben nur in standardisierten Tabletten.″

Das sind Naturprodukte. Da gibt es keine Garantie″, betonen die Fachfrauen. Man könne sicher sagen, in welcher Dosis der Wirkstoff in der jeweiligen Pflanze vorkomme, und nicht selten würden Begleitstoffe Allergien auslösen. Mit unseren Workshops können und wollen wir auf keinen Fall einen Arzt oder Apotheker ersetzen″, macht Grabowski-Hüsing deutlich. Stattdessen geben wir gerne Tipps, welche unbedenklichen Pflanzen sich auch im heimischen Heilpflanzen- und Kräutergarten ziehen lassen.″

Salbei, Thymian, Rosmarin, Fenchel, aber auch Rhabarber, Knoblauch und Zwiebel besitzen heilsame Inhaltsstoffe, könnten wunderbar beim Kochen eingesetzt und so ganz einfach in eine ausgewogene Ernährung integriert werden. Als Erfrischungsgetränk an warmen Tagen empfehle ich frische Blätter der Zitronenmelisse mit heißem Wasser aufzugießen und dann abkühlen zu lassen″, so Eschmann. Der Eistee schmecke nicht nur gut, sondern wirke zudem antibakteriell, krampflösend, beruhigend und schlaffördernd.

Auch in der freien Natur begegnet Spaziergängern die ein oder andere ungeahnte Heilpflanze. Wer mutig genug ist, steift die Blätter der Brennnessel ab und veredelt sie zu Pesto oder einem Brennnesselbrot, zählen Grabowski-Hüsing und Eschmann nur einige Möglichkeiten auf. Ebenso wirkt der zurzeit blühende Holunder bei Erkältungen schweiß- sowie harntreibend und fungiert nebenbei in Form von Blütensirup als beliebte Zutat in einem sommerlichen Aperitif. So kann dann sogar ein , Hugo′ eine heilsame Wirkung haben″, scherzt Eschmann.

Der nächste Sonntagsspaziergang im Botanischen Garten zum Thema Heilpflanzen findet am 21. Juli statt. Weitere Informationen und Workshop-Termine finden Sie auf der Seite des Botanischen Gartens.

Bildtext:
Claudia Grabowski-Hüsing und Gudrun Eschmann geben Tipps für den heimischen Heilpflanzengarten.
Foto:
Antonia Wahmhoff
Autor:
Antonia Wahmhoff


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