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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schulreform kostet Stadt Millionen
 
68 Millionen Euro für die Schulen
Zwischenüberschrift:
Reform der Mittelstufe ist auf dem Weg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Fast zehn Jahre haben Osnabrücks Schulpolitiker um die Reform der Schullandschaft gerungen. Am Mittwochabend zeichnete sich im Schulausschuss endlich eine Kompromisslösung ab. Einer Reform der Haupt- und Realschulen scheint nun nichts mehr im Wege zu stehen.

Das millionenschwere Reformpaket muss Ende Juni noch durch die letzte Ratsversammlung vor der Sommeropause abgesegnet werden. Dann kann die Verwaltung ihre Arbeit aufnehmen und die Pläne in die Tat umsetzen.

Dabei werden nicht nur die Schulen ihr Gesicht ändern. Auch die Innenstadt bekommt im Bereich Hakenstraße im Zuge des Neubaus für die Neue Schule Innenstadt ein neues Antlitz. Insgesamt sind für die Umsetzung der Reform sieben Jahre veranschlagt.

Osnabrück Zwar ist noch nichts beschlossen, doch in einer Sondersitzung des Schulausschusses am Mittwoch wurde deutlich, dass Osnabrück vor einer tief greifenden Reform seiner Schullandschaft steht. Die Politik signalisierte ein klares Votum für eine Vorlage der Verwaltung, die nicht nur die Schulen sondern auch das Gesicht der Innenstadt verändern wird.

Den Startschuss für das Mammutprojekt wird der Rat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 25. Juni geben. Damit geht ein jahrelanges Tauziehen um die Reform der Osnabrücker Schullandschaft zu Ende. Bildungsideologische Grabenkämpfe und die jahrelange Ebbe im städtischen Geldbeutel haben die dringend notwendigen Eingriffe bislang verhindert. Und jetzt also der große Wurf, der bis 2027 etwa 68 Millionen Euro kosten wird. Große Verdienste um die Einigung auf eine Neugestaltung der Sekundarstufe I haben die Schulpolitikerinnen von CDU (Brigitte Neumann und Petra Knabenschuh), der SPD (Heidrun Achler) und den Grünen (Birgit Strangmann). Ihnen war die Erleichterung nach der Ausschusssitzung im Ratssitzungssaal deutlich anzumerken.

Auch wenn die Ausschussvorsitzende Achler für die Sozialdemokraten noch einmal Beratungsbedarf anmeldete, weil sie die Ergebnisse aus einem erst Anfang der Woche veranstalteten Treffen mit den Schulleitern der Haupt- und Realschulen noch in ihre Fraktion tragen möchte, dürfte einem positiven Votum der SPD in der Ratssitzung Ende des Monats nichts im Wege stehen.

Politik und Verwaltung drücken nun nach Jahren des Stillstands vehement auf das Gaspedal. Oberste Priorität hat die Gründung der Neuen Schule Innenstadt (NSI) als Oberschule mit dem Schwerpunkt berufliche Bildung durch den Zusammenschluss der Möser-Realschule, der Hauptschule Innenstadt und der Förderschule an der Rolandsmauer. Parallel sollen alle städtischen Realschulen in Oberschulen umgewandelt werden. Abschluss der Reform wird die Neugründung einer weiteren Oberschule oder Integrierten Gesamtschule (hier soll eine Elternbefragung Klarheit bringen) sein, die zum Schuljahr 2026/ 27 an den Start gehen soll.

Seit nunmehr ungefähr zehn Jahren wird um die Sek.-I-Reform gerungen. Der jetzt von der Verwaltung aufgezeigte Weg ist ein Kompromisspapier. Grünen-Stadtrat Thomas Klein brachte es auf den Punkt: Wir brauchen einen breiten Konsens. Hier haben wir jetzt für jeden einen Vorteil, es muss aber auch jeder eine Kröte schlucken.″ Es gebe sehr unterschiedliche Auffassungen zum Thema Bildungspolitik. Auch wenn er persönlich die Einrichtung von Integrierten Gesamtschulen bevorzugen würde, habe er lernen müssen, dass keine Chance besteht, dafür eine politische Mehrheit zu bekommen″. Klein reagierte damit auch auf einen Antrag der hinzugewählten Ausschussmitglieder, die zwei weitere Integrierte Gesamtschulen gefordert hatten. Das ist ein Beschluss, den wir den Osnabrücker Eltern und Schülern ruhigen Gewissens anbieten können″, so Petra Knabenschuh. Und Strangmann ergänzte, dass es letztendlich an den Schulen liege, welches System sie sich gäben.

Wie sieht nun der zeitliche Ablauf aus? Los geht es mit der NIS. Noch in diesem Jahr soll mit den Planungen für eine Übergangslösung am Standort des Gesundheitsdienstes begonnen werden. Im Sommer 2021 soll dann der Schulbetrieb in Provisorien beginnen. Gleichzeitig beginnt die eigentliche Bauphase der Schule, die Mitte 2024 abgeschlossen sein soll. Die Herausforderung ist die innerstädtische Lage an der Hakenstraße. Ein städtebaulicher Wettbewerb soll für das gesamte Areal noch in diesem Sommer gestartet werden, wie Ludger Rasche vom Eigenbetrieb Immobilien erläuterte. Kostenkalkulation für das gesamte Projekt NIS: 20 Millionen Euro.

Gleichzeitig läuft die Umwandlung der Realschulen, die zeitgleich mit der NIS den Betrieb als Oberschulen aufnehmen, beginnend mit der Wittekind-Realschule im Schulzentrum Sonnenhügel, für die die Planungsarbeiten noch in diesem Sommer starten sollen. Baubeginn ist im kommenden Sommer, die Fertigstellung im Sommer 2022. Der Schulbetrieb wird ab Anfang 2021 übergangsweise zum Teil in Mobilklassen stattfinden. Das gilt gleichermaßen für den Standort der Bertha-von Suttner-Realschule (20 Monate Bauzeit ab Sommer 2022) und der Erich-Maria-Remarque-Realschule (ebenfalls 20 Monate Bauzeit, aber ab Sommer 2023). Die Kosten für die Umwandlung der Realschulen: 25 Millionen Euro.

Letzter Punkt ist die Gründung eines neuen Schulstandortes, um den in den kommenden Jahren wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Als möglicher Standort ist das ehemalige Käthe-Kollwitz-Gymnasium am Schölerberg auserkoren. Hier werden dann zwischen dem Sommer 2023 und dem Sommer 2026 etwa 23 Millionen Euro in Beton gegossen.

Die Zeit ist reif, den Knoten zu durchschlagen″, hatte sich Schuldezernent Wolfgang Beckermann noch zu Beginn der Sitzung einen weitgehenden politischen Konsens″ als Zeichen für Schüler und Eltern gewünscht. Sein Wunsch dürfte in der Ratssitzung am 25. Juni endgültig in Erfüllung gehen.

Bildtexte:
Hinter der Katharinenkirche liegt das Areal, das im Zuge der Gründung der Neuen Schule Innenstadt neu gestaltet werden muss.
Osnabrück: Hauptschule Innenstadt, Schule an der Rolandsmauer und Möser-Realschule sollen zusammengefasst werden.
Fotos:
David Ebener, Jörn Martens

Kommentar
Ein dreifach Hoch dem Kompromiss

Ohne der Ratssitzung vorgreifen zu wollen, darf man wohl sagen, dass die Kuh endlich vom Eis ist. Die Reform der Sekundarstufe I ist auf den Weg gebracht.

Daran konnte auch das Störfeuer der Hinzugewählten nichts ändern. Ihre Forderung, nun doch bitte gleich zwei weitere Integrierte Gesamtschulen zu gründen, kam zur Unzeit und hätte das in nahezu zehn Jahren mühsam herangewachsene Kompromiss-Pflänzchen gleich wieder eingehen lassen können. Da fehlte es ein wenig am politischen Gespür. Zumal klar war, dass ein solches Ansinnen mit der Ratsmehrheit derzeit nicht umzusetzen ist. Das wissen auch die IGS-Befürworter unter den Kommunalpolitikern und werden deshalb der Verwaltungsvorlage zustimmen. Und das tun sie in dem sicheren Wissen, dass ihre Entscheidung bei Weitem nicht das Ende jeder schulischen Entwicklung in der Stadt bedeutet, sondern vielmehr ein Anfang ist, der durchaus auch die Installation integrierender Systeme beinhalten kann.

Und so gilt es jetzt, erst einmal den Kompromiss hochleben zu lassen, der durch das beeindruckende Beharrungsvermögen der vier engagierten Osnabrücker Kommunalpolitikerinnen Knabenschuh und Neumann (beide CDU), Achler (SPD) sowie Strangmann (Grüne) zustande gekommen ist.

Ihnen gebührt tiefster Respekt. Denn sie mussten gleich zwei dicke Bretter bohren: Es galt, eine über die Parteigrenzen hinweg tragfähige Lösung zu finden, und sie mussten diese dann auch noch in ihren jeweiligen Fraktionen durchsetzen. Nur die vier werden sagen können, welches der beiden Bretter das dickere war. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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