User Online: 1 | Timeout: 07:47Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Paketbote kommt mit dem Rad
 
Das Paket kommt mit dem Lastenrad
Zwischenüberschrift:
Stadt und UPS starten Modellversuch in der Innenstadt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der US-Paketzusteller UPS liefert Pakete in der Osnabrücker City mit einem Lastenfahrrad aus. Am Mittwoch startete das Unternehmen in Kooperation mit der Stadt Osnabrück und dem Bremer Lastenradhersteller Rytle einen sechswöchigen Versuch. UPS schickt von der Verteilstelle Wallenhorst einen Kleinlaster zum Übergabepunkt am Parkhaus Ledenhof. Dort übernimmt ein Radfahrer die Pakete, die für Adressaten innerhalb des Wallrings bestimmt sind. UPS will mit der Rad-Zustellung Zeit und Kosten sparen. Die Stadt erhofft sich vom Testlauf Erkenntnisse, wie Citylogistik umweltfreundlich und platzsparend organisiert werden kann. Wir kennen ja alle das Problem, dass Paketzusteller Wege blockieren, um Pakete auszuliefern″, sagte Stadtbaurat Frank Otte. Das Problem ließe sich lösen.

Osnabrück Maik Pohl muss viele Pakete ausliefern, aber auch viel erklären. Der UPS-Zusteller ist seit gestern mit einem auffälligen Lastenrad in der Osnabrücker Innenstadt unterwegs, und viele Leute fragen ihn aus: Was ist das denn für ein seltsames Gerät?

Das Gerät ist ein Rytle MovR 25″, ein Lasten-E-Bike auf drei Rädern mit Gepäckbox. Entwickelt und gebaut hat es die junge Bremer Firma Rytle, die zusammen mit dem US-Paketunternehmen UPS die Zustellung auf dem letzten Kilometer in Osnabrück revolutionieren will.

Am Mittwoch startete Maik Pohl seine erste Tour mit dem Elektro-Dreirad zu den Kunden in der Osnabrücker City, begleitet von vielen guten Wünschen mehrerer Projektpartner. Viele Räder hätten ineinandergreifen müssen, um diesen Versuch starten zu können, sagte Stadtbaurat Frank Otte. Neben UPS und Rytle sind die Stadt, die Stadtwerke und die Parkstätten-Betriebsgesellschaft OPG beteiligt.30 Städte

In 30 Städten schickt UPS die Pakete schon heute per E-Bike auf den letzten Kilometer. Die Erfahrungen seien hervorragend″ sagte Reiner Kiehl. UPS-Projektmanager Citylogistik, beim Startschuss gestern am Parkhaus Vitihof.

Dort wird das Lastenrad in der sechswöchigen Versuchsphase nachts geparkt und aufgeladen, auf dem Gerberhof vor dem Parkhaus werden die Sendungen vorerst unter freiem Himmel vom Kleinlaster auf das Dreirad umgeladen. Ziel sei, langfristig eine feste Umschlagstation zu haben, wie Kiehl erklärte. Dazu würde uns ein 20-Quadratmeter-Laden reichen, wir haben aber bislang keinen gefunden.″

180 Kilo kann die Box des Lastenrades tragen. Die beiden Akkus reichen für etwa 60 Kilometer das ist ausreichend, um mit einer Fuhre bis zu 40 Kunden innerhalb des Wallrings zu erreichen.

Das Rad ersetzt einen Kleinlaster, der mindestens 24 Liter Diesel auf hundert Kilometer verbrauche, sagte Nektarios Kornilakis, UPS-Centermanager in Osnabrück. Das rechnet sich.″ Er ist davon überzeugt, dass sich das Rad für die letzte Meile bewähren wird.Sechs Woche Probezeit

Gewissheit herrscht aber erst am Ende der sechswöchigen Testphase. Auch die Stadt erhofft sich Erkenntnisse zur Verkehrsplanung und Gestaltung einer umweltfreundlichen Citylogistik. Vielleicht müssen wir Durchfahrten öffnen, Einbahnstraßen umdrehen oder Anlieferungszeiten anpassen″, sagte Stadtbaurat Frank Otte.

Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes sieht in dem Projekt einen weiteren kleinen Baustein zur Mobilität der Zukunft, die wir nur gemeinsam mit allen Akteuren gestalten können″. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, die Stadt neu zu erfinden″.

Der Anstoß zum Lastenrad-Einsatz war vom Projektbüro Mobile Zukunft″ gekommen, das bei den Stadtwerken angesiedelt ist. Leiterin Brigitte Strathmann sagte, die Städte müssten angesichts des wachsenden Onlinehandels und zunehmenden Verkehrs kluge Lösungen für die Citylogistik finden. Der Aufbau eines City-Hubs also einer Drehscheibe für An- und Auslieferungen in der Innenstadt könnte den Warenfluss optimieren und damit Verkehre reduzieren. Das Netzwerk osnabrueck24.de, aufgebaut von Schäffer-Geschenke, sei ein gutes Beispiel für eine kunden- und umweltfreundliche Logistik.

Mit Einführung des Rytle MovR 25″ werden die Paketlaster in der Stadt nicht verschwinden. Wir brauchen die Lkw für Großkunden und für Pakete mit mehr als 30 Kilo, das könnten wir den Radfahrern nicht zumuten″, sagte UPS-Manager Kiehl. Aber auf der letzten Meile können 90 Prozent mit dem Lastenrad gemacht werden.″

Die letzte Meile das ist die Sache von Maik Pohl. Das Fahren mit dem Dreirad sei gewöhnungsbedürftig″, sagt er, macht aber Spaß″.

Bildtexte:
Start frei für den Testlauf: UPS testet zusammen mit der Stadt, den Stadtwerken, der OPG und dem Radhersteller Rytle die Zustellung per Lastenrad in der Innenstadt.
180 Kilo kanndas E-Lastenrad tragen, die Akkus reichen für 60 Kilometer.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Viele gute Vorsätze

Wer hat sich noch nicht geärgert über Paketfahrer, die ihren Sprinter kurzerhand auf Straße, Rad- oder Gehweg abstellen, um nur ganz kurz″ ein Paket in den fünften Stock zu bringen. Aber was sollen die Boten auch machen? Sie können wohl kaum einen Parkplatz aufsuchen, um dann zu Fuß die schweren Pakete auszuliefern. Das wilde Halten, so ärgerlich es für andere Verkehrsteilnehmer ist, erscheint aber nur als ein Mini-Problem beim Blick auf den großen Komplex Citylogistik.

Jede Bestellung im Internet löst eine Lieferkette aus und setzt Lastwagen in Bewegung. Die Kundschaft ordert mehr in kleineren Mengen, fordert schnelle Lieferung, am liebsten am selben Tag. Gleichzeitig wird der Ruf der Kunden nach ökologischer Reinheit bei Produkt und Transport immer lauter. Und die Läden in den Innenstädten verfügen nicht mehr über Lagerflächen, sondern müssen täglich beliefert werden.

Man mag die Entwicklung kritisch betrachten, aufzuhalten ist sie nicht. Auch ein Lastenrad, das ein einzelnes Unternehmen versuchsweise in einem eng begrenzten Bezirk einsetzt, bringt keine Entlastung. Aber das auffällige Rad steht da wie ein Signal für ein Umdenken und vielleicht für einen Umbau der Stadt.

In der kommenden Woche wird sich der Stadtentwicklungsausschuss mit der Citylogistik befassen. Zum Konzept gehören die Etablierung eines Netzwerkmanagers für Citylogistik und der Aufbau eines City-Hubs. Die guten Vorsätze sind da werden sie auch umgesetzt?

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste