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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Reiselustiges Paar wird zu „Plastikrebellen″
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Verein „Ozeankind″ engagiert sich gegen Meeresverschmutzung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kämpfen gegen das globale Plastikmüll-Problem und inspirieren zu einem bewussten, nachhaltigeren Leben dieser Mission haben sich Marina und Michael Schmidt aus Osnabrück verschrieben. Im Oktober 2018 gründeten sie deshalb den Verein Ozeankind.

Alles begann mit dem großen Plan für eine einjährige Weltreise. Dafür hatte das Paar Marina Schmidt und Michael Schmidt tragen denselben Nachnamen, sind aber nicht verheiratet jahrelang Geld gespart. Die beiden Reiselustigen konnten 2016 trotzdem nicht widerstehen, als sie kurz vor der anstehenden Tour rund um den Globus auf ein interessantes Angebot für eine Malediven-Inselhopping-Tour aufmerksam wurden.

Als wir dort mit dem Katamaran einsame Eilande im Indischen Ozean anfuhren, die mit Plastikmüll verschmutzt waren, haben wir das Problem zum ersten Mal bewusst wahrgenommen″, erinnert sich Marina. Eine vom Skipper achtlos ins Meer geworfene Thunfischdose war dann der endgültige Auslöser für Marina und Michaels Gedankenkarussell. Die ganze Woche auf dem Katamaran hörte es nicht mehr auf sich zu drehen. Wieso finden wir hier, auf Inseln mitten im Indischen Ozean, auf denen noch nie ein Mensch gelebt hat, Plastikstrohhalme und Schuhe?″ – „ Wollen wir wirklich noch einfach so um die Welt reisen?″ – „ Sollten wir nicht lieber etwas tun, um das Plastikmüll-Problem einzudämmen?″ – „ Wie genau könnten wir unserer Natur und vor allem dem von uns so geliebten Ozean helfen? So lauteten nur vier von vielen weiteren Fragen.Privater Kurswechsel

Wieder zurück in Osnabrück, vertieften sich die beiden in das Thema und merkten: Auch wir sind schuld. Genau wie viele andere Menschen auf dieser Welt haben wir das Problem Plastikmüll in unserem Alltag nicht gesehen und haben gedacht, es sei ganz weit weg. Wir alleine könnten ja ohnehin nichts ändern, wir alleine könnten keinen Unterschied machen. Doch diese Annahme ist falsch.″ Schon bald stand der Entschluss fest: Lass und zwar in die Welt ziehen, aber an so vielen Orten wie möglich Plastikmüll einsammeln, zu kollektiven Müllsammelaktionen aufrufen und über einen Blog andere Menschen anspornen, mitzumachen und einen umweltgerechteren Lebensstil einzuschlagen.″ 2017 kündigten Marina und Michael Jobs und Mietwohnung.

Es folgten zwei Monate in Südafrika, drei Wochen Sansibar, zwei Monate Thailand, zwei Monate Malediven und ein Monat Malaysia. Nur drei bis vier Monate pro Jahr verweilt das Paar noch in Deutschland. Dort reist es mit Bus und Bahn. Ihren durch die Auslandsflüge vergrößerten CO2-Fußabdruck versuchen sie durch eine bewusste und umweltschonende Lebensweise auszugleichen, beispielsweise durch vegetarische Ernährung.

Egal, wo auf der Welt die zwei Osnabrücker gerade sind, rufen sie einmal im Monat über die Internetseite ozeankind.de sowie die angeknüpften sozialen Medien zu sogenannten Plastikrebell-Clean-ups″ auf. Jeder, egal welchen Alters, egal, ob als Einzelperson oder Gruppe, egal wo, kann mitmachen, Müll sammeln, ihn anschließend wiegen und das Ergebnis mit den Hashtags # Ozeankind oder # Plastikrebell mit anderen Teilnehmern in den sozialen Kanälen teilen. Berichte und Fotos aller Clean-ups (der englische Begriff lässt sich frei mit Aufräumaktion″ übersetzen) sind auf dem Blog von Ozeankind zu sehen. Mehr als 33 Tonnen Müll wurden bisher auf diese Weise weltweit eingesammelt, 16 Tonnen davon in Deutschland.Immer neues Plastik

Auf die Idee zu den gemeinschaftlichen Müllsammel-Veranstaltungen kamen Marina und Michael an einem Strand in Thailand. Damals waren Clean-ups noch nicht so geläufig wie heute″, erzählen sie. Zwei Wochen lang hätten sie versucht, den Strand zu reinigen, doch immer wieder wurde neues Plastik angeschwemmt. Was mit dem gesammelten, gebündelten Müll passiere, sei abhängig vom jeweiligen Land. Teilweise nimmt der Verein Ozeankind im Vorfeld Kontakt mit der örtlichen Müllentsorgung auf, manchmal wird ein Container zur Verfügung gestellt.

Schwarz-weiß betrachtet, schaffen wir den Plastikmüll nur von A nach B. Aber jede Müllhalde, jeder Recyclinghof ist ein besserer Ort dafür als die Natur. Von dort muss er verschwinden, bevor er sich in Mikroplastik zersetzt und in Flüssen, Ozeanen oder Böden verschwindet und damit auch im Magen eines Wals, einer Schildkröte oder in unserem Wasserkreislauf landet und Leben gefährdet.″

Neben den Sammelaktionen veranstaltet Ozeankind Vorträge und Projekte mit Kindergärten und Schulklassen. So bricht das Duo im Juli wieder nach Sansibar auf, um gemeinsam mit einem lokalen Recycling-Unternehmen über einen Zeitraum von fünf Monaten zwei Umweltklassen auf ihrer Reise zu Plastikrebellen″ zu begleiten. Gemeinsame Workshops und regelmäßige Clean-ups mit Spaß und Wettkampfcharakter sollen die Schüler dort motivieren und für Naturschutz sensibilisieren. Im August ziehen Marina und Michael dann weiter auf die italienische Insel Elba, um in einer nachhaltigen Tauchschule eine Kinderprojektwoche durchzuführen. Während die Eltern tauchen, machen wir mit den Kids coole Aktionen, wie Basteln mit Plastikmüll oder nachhaltiges Einkaufen im Dorf″, erklärt Marina.Transparente Finanzen

60 Fördermitglieder hat der Ozeankind-Verein bis heute. Spendengelder und Mitgliedsbeiträge fließen in die Realisierung der Plastikmüll-Vermeidungs-Projekte. Transparenz ist dem Verein sehr wichtig. Wir öffnen unsere Zahlen den Menschen, die mitwirken″, sagt Michael. Fördermitglieder würden Teil der Ozeankind-Familie″ und in Projektentscheidungen mit einbezogen.

Ihre Reisen, Transport und Unterkunft finanziert das Paar aus eigener Tasche. Wir verdienen über unseren Online-Shop, in dem wir Upcycling-Produkte verkaufen, wie zum Beispiel von unseren Freunden in Südafrika gefertigte Armbänder aus recycelten Geisternetzen oder Leinen″, berichtet Michael. Neu im Shop ist das von Ozeankind entwickelte Arbeitsbuch Entdecke den Plastikrebell in Dir″, mit dem Kinder zusammen mit ihren Eltern lernen, rätseln und Spaß haben können. In Osnabrück ist das Buch (7, 10 Euro) bei Bücher Wenner und im Geschäft Tara unverpackt im alten Hannoverschen Bahnhof erhältlich.

Bildtexte:
Plastikmüll im Indischen Ozean in der Region der Malediven.
Marina und Michael Schmidt mal nicht am Ozean, sondern am Rubbenbruchsee. Ozeankind hat auch in Osnabrück bereits Müllsammel-Aktionen durchgeführt.
Fleißige Helfer bei einer Ozeankind-Aktion auf der Malediven-Insel Dhiffushi. Weltweit sind bereits mehr als 33 Millionen Tonnen Müll gesammelt worden.
Fotos:
Verein Ozeankind, Carolin Hlawatsch, Ahmed Shiruhan
Autor:
Carolin Hlawatsch


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