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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bizarre Überlebenskünstler
Zwischenüberschrift:
Museum am Schölerberg zeigt die geheime Welt der Pilze
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Geheimnisvoll ziehen sie Abertausende von Kilometern durch die Böden, in unserem Alltag sind sie überall und immer gegenwärtig. Sie atmen und wachsen zum Licht, sind aber weder Tiere noch Pflanzen. Pilze sind weitaus mehr als das, was auf unseren Tellern landet. Das Museum am Schölerberg zeigt in einer Ausstellung bis zum 26. Januar 2020 die Artenvielfalt der bizarren Wesen.

Seit Millionen von Jahren leben Pilze auf unserem Planeten und bilden nach den Tieren das zweitgrößte Organismen-Reich der Erde. Ihre Dimension reicht dabei vom winzig kleinen Hefepilz bis hin zum größten Lebewesen der Welt: mit einem enormen Ausmaß von über neun Quadratkilometern, das entspricht mehr als 1200 Fußballfeldern, und einem Gewicht von geschätzten 600 Tonnen erstreckt sich ein Riesenhallimasch in dem US- Bundesstaat Oregon.

Das, was wir an der Oberfläche sehen und als Pilze bezeichnen, sind die Fruchtkörper und nur kleinste Auswüchse eines riesigen Organismus″, berichtet Jan Hendrik Hoerner, wissenschaftlicher Volontär des Museums. Zusammen mit Andrea Hein, der Leiterin des Umweltbildungszentrums, stellte er in knapp vier Monaten eine Ausstellung mit 450 Fruchtkörper-Exponaten und mehreren großplastischen Riesenpilzrekonstruktionen auf die Beine, die die unterschiedlichen Wirkungsmächte der Pilze an das Licht bringen sollen. Unterstützung erhielten sie von verschiedenen Leihgebern und Partnern, wie der Universität Bielefeld, der Goethe-Universität Frankfurt, dem Museum Wiesbaden sowie Kunsthandwerkern.

Ob als leckeres oder tödliches Genussmittel, Recycler im Ökosystem, als Teamplayer oder als Zombiepilz″, der in Körper von Ameisen oder Käfern eindringt, die Kontrolle über das Tier übernimmt und sein Opfer gezielt verenden lässt, um sich selbst zu vermehren – „ Pilze sind wahre Alleskönner und spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben: Man denke an den Schimmelpilz, den Fleming 1928 als Penicillin bezeichnete, den Einsatz von Pilzenzymen, die unsere Wäsche sauber machen, oder die Unverzichtbarkeit von Pilzkulturen bei der Veredelung von Lebens- und Genussmittel″, weiß Hoerner und verweist auf die Ausstellungsvitrinen mit Salami, Käse, Wein, Kakaobohnen, Bier und anderen Köstlichkeiten.

Sein persönliches Lieblingsexemplar sei jedoch die Stinkmorchel. Da ist der Name Programm″, erklärt der Volontär und greift zu einem transparenten Glas aus der aufgebauten Duftorgel. Es entsteigt ein unangenehmer, aasartiger Geruch, der sich sofort in der Nase festsetzt. Die Fruchtkörper werden bis zu acht Zentimeter groß, ragen phallusartig nach oben und verströmen den intensiven Geruch, um Fliegen anzulocken, die die Sporen des Pilzes verbreiten.″

Als Heilpilz zur Behandlung von Rheuma oder Gicht mag der Fungus ja verabreicht werden, als Speisepilz verdirbt allein der Geruch jeglichen Appetit. Dabei gelten nicht ausgewachsene Morcheln, die sogenannten Hexeneier, durchaus als Delikatesse.

Die von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, der Haarmann-Stiftung Umwelt und Natur, der Stiftung der Sparkasse Osnabrück und dem Landschaftsverband Osnabrücker Land geförderte Ausstellung am Schölerberg zeigt bunte Schimmelpilzkulturen in Petrischalen, wissenschaftliche, aber kindgerechte Videoaufnahmen, Repliken der Ötzi-Ausrüstung, eine Gegenüberstellung beliebter Speisepilze und ihrer giftigen Doppelgänger sowie über 70 naturgetreue Modelle. Unter einem Binokular kann der Mikrokosmos der Pilzwelt entdeckt werden. Eine Puzzle- und Märchenstation für jüngere Kinder runden die Exposition ab.

Zusammen mit dem Natur- und Geopark Terra-Vita finden 40 Aktionen statt wie Exkursionen, Workshops, Vorträge oder ein großes Pilz- und Apfelfest, verrät Lisa Heyn, Pressesprecherin des Museums. Am morgigen Sonntag, 2. Juni, gibt es um 11 Uhr eine Führung durch Die geheime Welt der Pilze″. Der Eintritt ist im Ticket für das Museum enthalten und beträgt für Erwachsene 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind frei. Nähere Informationen unter geheime-welt-der-pilze.de.

Bildtext:
Eine Beleidigung für die menschliche Nase: Die Stinkmorchel lockt mit ihrem Geruch Fliegen an, die auf den Duft fliegen, und die verbreiten dann die Sporen des Pilzes. Ein toller Trick, findet Jan Hendrik Hoerner.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Monika Vollmer


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