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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erdkabel nur für die neue 380-kV-Leitung
 
110-kV-Leitung bleibt offenbar erhalten
Zwischenüberschrift:
Erdverkabelung in Voxtrup gilt voraussichtlich nur für die neue 380-kV-Trasse
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wenn eine Hochspannungsleitung neu trassiert wird, ist es üblich, dass eine kleinere von der größeren Leitung mitgenommen″ wird. Die Seile für das untergeordnete Netz werden also an den Masten der übergeordneten Trasse befestigt. Diesen Grundsatz wollen die Netzbetreiber aber offenbar nicht anwenden, wenn es um eine Erdverkabelung geht: Im Osnabrücker Stadtteil Voxtrup soll die geplante 380-kV-Leitung von Amprion in einem Pilotprojekt unter die Erde verlegt werden. Bislang gibt es allerdings keine Überlegungen, auch die bestehende 110-kV-Leitung der Innogy-Netztochter Westnetz in die Erdtrasse einzubeziehen. Davon waren viele Voxtruper bislang ausgegangen und hatten sich auf den baldigen Abbau der Strommasten gefreut. Diese Vorfreude erweist sich nun als verfrüht.

Osnabrück Im Stadtteil Voxtrup galt es bisher als ausgemachte Sache, dass die alte 110-kV-Leitung von der Bildfläche verschwindet, wenn die Erdverkabelung für die neue 380-kV-Trasse kommt. Doch da haben sich manche Stadtteilbewohner möglicherweise zu früh gefreut.

Das Hochspannungsnetz wird neu geordnet, weil Windstrom aus dem Norden Deutschlands über leistungsfähige Trassen in den Süden transportiert werden soll. Spätestens 2024 wollen die Netzbetreiber die neuen Leitungen in Betrieb nehmen, die auch durch den Raum Osnabrück führen.

Ein Fixpunkt in diesem weit verzweigten System ist das Umspannwerk Lüstringen, das streng genommen auf Voxtruper Boden steht. Aber nicht dieser Umstand, sondern die geplante Linienführung der 380-kV-Trasse nach Südosten in Richtung Gütersloh ist in Voxtrup seit Jahren ein Aufregerthema. Die Proteste haben dafür gesorgt, dass der Stadtteil weitgehend von einer Freileitung mit riesigen Masten verschont werden soll. Voxtrup ist als Pilotprojekt für eine Teilerdverkabelung vorgesehen.

Doch die weit verbreitete Annahme, dass in diesem Zuge alle Freileitungen unter die Erde verlegt werden, ist offenbar voreilig. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zeigte Amprion-Sprecher Michael Weber jetzt die aktuellen Pläne mit drei Trassenvarianten für die Erdverkabelung, und nach denen wird an der 110-kV-Leitung innerhalb von Voxtrup nichts verändert. Auf die Frage der Ausschussvorsitzenden Anette Meyer zu Strohen (CDU) meinte Weber, die Leitung gehöre der Westnetz GmbH, und die sei nicht verpflichtet, sich dem Erdverkabelungsprojekt anzuschließen. Seine Prophezeiung: Westnetz wird′s nicht machen.″

Von der Westnetz GmbH in Münster gibt es keinen Widerspruch zu dieser Ankündigung, allerdings auch keine Bestätigung: Das ist definitiv noch nicht entschieden″, erklärte Sprecherin Ingrid Meering auf Anfrage unserer Redaktion. Denn im aktuellen Raumordnungsverfahren gehe es ja erst einmal um die neue 380-kV-Trasse; und alle Fragen zur kleinen 110-kV-Schwester seien da nachrangig.

Gängige Praxis ist es nach Auskunft der Westnetz-Sprecherin, dass bei einer Neutrassierung die kleinere Leitung von der größeren mitgenommen″ wird. Das gelte aber nur für eine Freileitung, nicht für eine Erdverkabelung. Was das konkret für den Bereich Voxtrup bedeute, werde von der Innogy-Tochtergesellschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Bildtext:
An diesen Anblick werden sich die Voxtruper wohl gewöhnen müssen: Es ist nicht geplant, auch die 110-kV-Leitung unter die Erde zu verlegen.
Drei Finger: Drei Trassenkorridore sind für die Erdverkabelung der 380-kV-Leitung im Verfahren. Doch an der bestehenden 110-kV-Leitung wird sich voraussichtlich nichts ändern.
Foto:
Jörn Martens
Grafik:
NOZ/ Sascha Nabrotzky

Kommentar
Wohin mit der kleinen Schwester?

Die Große nimmt die Kleine mit. So läuft es normalerweise, wenn eine neue Freileitung gebaut wird. Da zieht Amprion die 380-kV-Trasse durch die Republik, und Westnetz darf die großen Masten auch für seine 110-kV-Kabel nutzen. So eine Bündelung trägt dazu bei, die Eingriffe in die Landschaft geringer zu halten. Warum soll dieser Grundsatz bei einer Erdverkabelung eigentlich nicht gelten?

Politischer Druck hat dazu geführt, dass die geplante 380-kV-Leitung in Voxtrup als Pilotprojekt unter der Erde verlaufen soll. Inzwischen werden drei mögliche Korridore geprüft, und es zeichnet sich eine Lösung ab, mit der Netzbetreiber und Anwohner gut leben können. Die kleinere 110-kV-Leitung von Westnetz, deren Anblick die Voxtruper seit vielen Jahrzehnten hinnehmen müssen, spielte bei den bisherigen Verhandlungen so gut wie keine Rolle.

Aber irgendwann muss auch geklärt werden, wie mit der kleinen Schwester des 380-kV-Riesen umgegangen wird. Es spricht vieles dafür, dass bei der Erdverkabelung die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie bei der Freileitung: Die Große nimmt die Kleine mit. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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