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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Strahlende Bilderwelten des Mittelalters
Zwischenüberschrift:
Diözesanmuseum zeigt aufwendige Reproduktionen mittelalterlicher Handschriften
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das Diözesanmuseum Osnabrück zeigt die Sonderausstellung Gebundene Pracht Die Faszination Faksimile″. Bis zum 22. September werden aufwendig gestaltete Reproduktionen der schönsten und bekanntesten mittelalterlichen Handschriften gezeigt.

Wer jetzt die Nase rümpft und sagt: Wieso so viel Aufhebens um ein paar Kopien? Ich will die Originale sehen″, der muss wissen, dass die viele Jahrhunderte alten und dementsprechend empfindlichen Originale nur höchst selten und dann auch nur unter verschärften Klima-, Licht- und Sicherheitsbedingungen einsehbar sind. Die Faksimiles das lateinische fac simile″ bedeutet mache es ähnlich″ werden in mehrstufigem Druck auf pergamentähnlichem Spezialpapier in geringer Auflage hergestellt und zwischen ebenfalls originalgetreu handwerklich verzierte Buchdeckel gebunden. Das Streben nach Annäherung an das Original geht so weit, dass dessen Beschädigungen wie etwa Fehlstellen und Löcher auch in das Faksimile hineingestanzt werden. Der große Vorteil der Faksimiles liegt darin, dass der Betrachter eigenhändig umblättern und Seite für Seite betrachten darf, was beim Original ausgeschlossen wäre.

Die aufwändige Herstellung, die nur wenige Fachverlage auf der Welt beherrschen, hat ihren Preis. So kostet etwa die Nachbildung des Codex Gisle, des um 1300 von der Ruller Zisterzienserin Gisela von Kerssenbrock gemalten Gesang- und Gebetbuchs, rund 10 000 Euro. Es sind eben in gewisser Weise auch eigenständige Kunstwerke, die durch die Reproduktion entstehen. Die Ausstellung zeigt beides: die Techniken und Arbeitsschritte der modernen Faksimilierung wie auch Werkzeuge und Hilfsmittel der klösterlichen Schreibstuben des Mittelalters.

Der Quaternio-Verlag in Luzern/ Schweiz gehört zu den bedeutenden Faksimile-Herausgebern historischer Schriften. Aus Anlass seines zehnjährigen Bestehens geht er mit den schönsten Beispielen aus dem Verlagsprogramm auf Reisen zu den Orten, wo er die Originale einsehen und fotografisch erfassen durfte. Das Osnabrücker Diözesanmuseum ist dabei, weil hier vor fünf Jahren die Reproduktion des Codex Gisle entstand.

Eigentlich sollten im Rahmen der Ausstellungseröffnung Original und Faksimile des Codex Gisle im Vergleich gezeigt werden, berichtet Museumsdirektor Hermann Queckenstedt. Doch dann kam es anders. Der Ausstellungsstart verzögerte sich, und die schon länger zugesagte Ausleihung des Original-Codex Gisle an das Paul-Getty-Museum in Los Angeles musste bereits Anfang Mai über die Bühne gehen. Museumsmitarbeiterin Urszula Ornat begleitete das unschätzbar wertvolle nationale Kulturgut als persönliche Kurierin auf dem Flug in die Neue Welt, nachdem zuvor im Museum die stellvertretende Zollamtsleiterin Silke Dohms die Verpackung überwacht hatte, alles streng nach den Vorgaben des neuen Kulturgutschutzgesetzes.

Noch während der Laufzeit der Osnabrücker Ausstellung wird das Original aus Kalifornien zurückerwartet, sodass der direkte Vergleich wohl ab der zweiten Augusthälfte doch noch möglich wird.

Der Besuch der Ausstellung lohnt sich auf jeden Fall auch schon jetzt. 23 Faksimiles nach Originalen des 10. bis 16. Jahrhunderts sind zu sehen, neun davon sind zum individuellen Blättern freigegeben. In der Mehrzahl handelt es sich um geistliche Schriften etwa aus Oxford, Paris, Bourges, Reichenau, Regensburg oder Breslau, aber es sind auch weltliche Werke darunter wie etwa die Sternbilder der Antike″ aus Limoges oder Der Welsche Gast″, eine Art Knigge des 14. Jahrhunderts. Museumspädagogin Jessica Löscher hat neben den Vitrinen und Lesepulten eine große Ritterburg aufgebaut, sodass die Kinder Szenen aus dem Pariser Alexanderroman nachstellen können.

Die Ausstellung Gebundene Pracht″ ist bis zum 22. September im Diözesanmuseum zu sehen. Am morgigen Internationalen Museumstag (19. Mai) gibt Clarissa Rothacker vom Quaternio-Verlag Einblicke in die Faksimilierung mittelalterlicher Handschriften. Zum gesamten Begleitprogramm: https:// bistum-osnabrueck.de/ vorschau-gebundene-pracht.

Bildtext:
Nur mit Samthandschuhen inspiziert Zollbeamtin Silke Dohms (Mitte) das Original des Codex Gisle, der um 1300 entstandenen Musikhandschrift aus dem Kloster Rulle, bevor es seine Reise zu einer Kunstausstellung in Los Angeles antreten kann. Das Team des Diözesanmuseums mit (von links) Friedrike Dorner, Urszula Ornat und Hermann Queckenstedt sowie ein Zoll-Azubi sind Zeugen der Ausfuhrkontrolle.
Fotos:
Jörn Martens, Pentermann
Autor:
Joachim Dierks


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