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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohnraum für Mauersegler
Zwischenüberschrift:
Wie eine umweltbewusste Osnabrücker Nachbarschaft Vögeln und Insekten hilft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Mit Nistkästen, Insektenhotels und einem strukturreichen Garten haben Barbara Gube und Albrecht Weitershaus am Osnabrücker Sonnenhügel ein Refugium für kleine und große Flug- und Kriechtiere geschaffen. Voller Vorfreude erwarten sie derzeit die Rückkehr der Mauersegler.

An ihre Naturinsel″ mitten in der Stadt dockt auch die Nachbarschaft an. Durch diese Vernetzung naturnaher Gärten summt, brummt und zwitschert es ab April rund um den Glogauer Weg. In den letzten Jahren waren die Mauersegler Ende April schon hier″, erinnert sich Barbara Gube. Dieses Frühjahr sei bis jetzt wohl noch zu kalt, aber lange könne es nicht mehr dauern, bis die Langstreckenzieher eintreffen. Mehr als 10 000 Kilometer legen sie zurück, um von ihren Winterquartieren im südlichen Afrika über das Atlasgebirge, das Mittelmeer und die Alpen nördlichere Gefilde für die Brut- und Aufzuchtzeit zu erreichen. Viele Mauersegler finden dann sogar in dasselbe Nest zurück.

Auch Amsel, Haussperling, Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Dompfaff und Stieglitz tirilieren in ihrem Garten, aber die Mauersegler beobachtet Barbara Gube besonders gern: Sie sind wahre Flugkünstler, die tatsächlich nur zum Brüten festen Boden aufsuchen. Die übrige Zeit ihres Lebens verbringen sie in der Luft, fangen so Insekten und schlafen sogar beim Fliegen.″ Deswegen sei es wichtig, dass man Nisthilfen für Mauersegler in mindestens acht Meter Höhe aufhängt und es davor eine freie Einflugschneise ohne Baumhindernis gibt, erklärt der regionale Naturschutzexperte Friedhelm Scheel. Zufällig entdeckte er auf einer Fahrradtour das Refugium am Sonnenhügel und zeigt sich begeistert: Leider gibt es heute viel zu wenig solcher Leute, die noch Verantwortung für ihre Mitgeschöpfe zeigen.″Kulturfolger

Die Häuser der Osnabrücker Wohnsiedlung, gebaut in den Sechzigerjahren, wurden 2012 saniert. Mit der Dämmung gingen Nistplätze für Mauersegler verloren, die hier seit Langem brüten″, berichtet Albrecht Weitershaus. Mauersegler sind sogenannte Kulturfolger″, die sich in vom Menschen belebten Gebieten wohlfühlen, unter den Dächern und in Gebäudenischen geeignete Wohnstuben finden. Doch durch die Modernisierung der Häuser und das übertriebene Sauberkeits- und Ordnungsstreben vieler Menschen werden Tiere, auch die Kulturfolger, immer weiter verdrängt. Erschwerend hinzu kommt für die Vögel der starke Insektenrückgang und somit das Schwinden ihrer Nahrungsquelle. Diesem Trend wollte die Anwohner-Gemeinschaft am Glogauer Weg und den umliegenden Wohnstraßen mit ökologischem Bewusstsein entgegenwirken.

Im Frühling 2013 bauten sie nach Vorgaben des Naturschutzvereins Nabu gemeinsam Mauersegler-Nistkästen aus Restholz. Die Hauseigentümer passten die Kastenfarbe ihrer jeweiligen Hauswand an. Noch im selben Frühjahr wurden Nisthilfen von Mauerseglern angenommen. Zusätzlich bohrte das Ehepaar Gube-Weitershaus Anfang 2019 Einfluglöcher in die Stirnseite ihrer Dachverkleidung, sodass die Mauersegler nun auch unter der hohlen Dachtraufe Unterschlupf finden. Es ist wirklich faszinierend. Mit Schwung fliegen sie in weitem Bogen auf das Loch zu, klappen unmittelbar vorher ihre Flügel ein, und schwupps sind sie im Nest verschwunden″, erzählt Barbara Gube.

Auf den ersten Blick könnte man den Mauersegler mit Schwalben verwechseln. Sie erkenne ihn jedoch gut an den längeren, sichelförmigen Flügeln, dem kurzen Schwanz und den ständigen Flugrufen.

Besonders putzig sei es, wenn im Juli und August die Köpfchen des Mauerseglernachwuchses aus den Löchern der Nistkästen gucken. Zumeist Ende August brechen die Mauersegler dann wieder auf, um im Süden zu überwintern.

Die Mauersegler-Nistkästen werden, so beobachtet es Albrecht Weitershaus, auch gerne von Spatzen angenommen. Aber nicht jeder Nistkasten eigne sich für jede Vogelart, sagt er. So sei insbesondere die Form und Größe der Einfluglöcher entscheidend. Am benachbarten Starweg zum Beispiel haben die Anwohner den Straßennamen zum Programm gemacht und einen urigen, hölzernen Staren-Kasten gebaut und an einem Baum an der Wegkreuzung aufgehängt. Im Garten von Ehepaar Gube-Weitershaus gibt es zudem einen Schmetterlings-Kasten. Ihn fliegen immer viele Zitronenfalter an. Vielleicht überwintern sie sogar darin″, mutmaßt Barbara Gube.

Ihre beiden Katzen, die ebenfalls gerne durch den Garten streifen und auf den Birnenbaum klettern, hält sie durch Katzenabwehrgürtel″ von dem dort angebrachten Kohlmeisen-Kasten fern. Der Gürtel besteht aus grünen, nach unten überlappenden Kunststoffbändern, an denen die Katzen abrutschen. Es gibt viele kleine, feine Maßnahmen, die man unternehmen kann, um heimischen Arten zu helfen, die es in unserer bebauten und zerschnittenen Landschaft nicht mehr leicht haben und damit gleichzeitig den eigenen Garten zu beleben″, betonen Barbara Gube und Albrecht Weiterhaus. Sie hoffen auf viele Nachahmer.

Der Nabu bietet detaillierte Bauanleitungen für Mauersegler-Nisthilfen sowie Gartenvögel-Porträts und Bestimmungshilfen auf seiner Internetseite an.

Bildtexte:
Selbst gebaute Nistkästen für Mauersegler haben Barbara Gube und Albrecht Weitershaus an ihren Häusern im Stadtteil Sonnenhügel angebracht. Naturschützer Friedhelm Scheel (rechts) ist begeistert von diesem Engagement.
Mauersegler ähneln den Schwalben, gehören aber nicht zu ihrem näheren Verwandtenkreis. Foto: imago images/ blickwinkel
Nicht nur Vögel und Insekten, auch andere Tiere lieben Barbara Gube und Albrecht Weiterhaus darunter auch Katzen.
Die Amsel nutzt die Futterstelle neben dem Schmetterlings-Kasten im Garten.
Fotos:
Carolin Hlawatsch
Autor:
Carolin Hlawatsch


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