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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum Osnabrück einen fahrerlosen E-Bus testen will
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke planen Feldversuch mit Roboterwagen am Westerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kollege Computer übernimmt das Steuer: Während in Osnabrück demnächst ein autonomes Shuttle getestet wird, geht in Monheim am Rhein bereits Europas erste fahrerlose E-Buslinie in Betrieb. Verpasst Deutschlands selbst ernannte Elektrobus-Hauptstadt damit in Sachen Robo-ÖPNV den Anschluss?

Ab Herbst 2019 bilden in dem 40 000-Einwohner-Städtchen Monheim fünf selbstfahrende E-Busse des französischen Herstellers Easymile eine gut zwei Kilometer lange Linie zwischen Busbahnhof und Altstadt. Die mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestatteten Roboterwagen rollen dann auf einer festgelegten Route durch den fließenden Verkehr, alle zehn Minuten, täglich von 7 bis 24 Uhr. Jedes Shuttle kann dabei bis zu elf Fahrgäste transportieren normales Busticket reicht. In dieser Kombination ist das Vorhaben einzigartig in Deutschland und Europa″, staunt die Fachzeitschrift Nahverkehrspraxis″.

Auch in Osnabrück, wo gerade erst Deutschlands größte Elektrobus-Flotte in Betrieb gegangen ist, nähert man sich dem fahrerlosen Nahverkehr an. Wie die Stadtwerke auf Anfrage unserer Redaktion mitteilen, soll hier ab Mitte Juni ein autonomes Easymile-Fahrzeug ausprobiert werden zunächst auf dem Werksgelände an der Alten Poststraße, ab September dann auf öffentlichen Straßen im Wissenschaftspark am Westerberg.

Doch warum muss Osnabrück überhaupt noch testen, was andernorts bereits für praxistauglich befunden wurde? Das Projekt in Monheim unterscheidet sich grundsätzlich von unserem Vorhaben″, erklärt Werner Linnenbrink, Leiter des Geschäftsbereichs Mobilitätsangebot.

Während in Monheim der herkömmliche Linienbus gegen ein autonomes Fahrzeug ausgetauscht werde, liege der Fokus in Osnabrück auf der Entwicklung einer neuartigen digitalen Mobilitäts- und Distributionsplattform, die den autonomen Verkehr eng mit dem getakteten Linienverkehr verzahnt″. Weil es sich dabei um eine große Herausforderung″ handele, die ein Unternehmen alleine kaum bewältigen kann, wurde Anfang 2018 gemeinsam mit fünf anderen Firmen und Institutionen das Projekt Hub Chain″ auf den Weg gebracht.

Gemeinsam tüfteln die Partner an einer Erweiterung der Smartphone-App VOS-Pilot″, die einerseits eine Verbindung zwischen Kunde und Verkehrsbetrieb herstellt und andererseits die Schnittstelle zum autonomen Fahrzeug bildet. Schließlich muss das Shuttle, sofern ein Nutzer eine bestimmte Fahrt gebucht hat, auch selbstständig losfahren, um den Fahrtwunsch zu erfüllen. Der batteriebetriebene Roboterwagen, welcher demnächst um das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) kreisen soll, erfüllt also im Test die Rolle eines auf den Bedarf der Nutzer abgestimmten Hol- und Bringdienstes für Wege zwischen Haustür und Haltestelle. Fachleute sprechen hier von On-Demand-Verkehr auf der sogenannten ersten und letzten Meile. Linnenbrink: Beides, also die Plattform und der autonome Betrieb, sollen die Grundlage für zukünftige On-Demand-Verkehre in Osnabrück bilden.″

Langfristiges Ziel sei es, ein linien- und fahrplanunabhängiges Angebot auf Abruf zu schaffen, das Anschlüsse an zentrale, regelmäßig bediente Buslinien garantiert. Bereits Ende Mai werde das Easymile-Testfahrzeug zur Testvorbereitung nach Osnabrück kommen, kündigt der Stadtwerke-Chef an. Anschließend gehe es auf die Strecke.

Fazit: Hub Chain kommt nicht zu spät, weil ein ganz anderer Ansatz als in Monheim verfolgt wird″, fasst Linnenbrink zusammen. Beide Projekte stünden nicht miteinander in Konkurrenz, sondern würden sich im Gegenteil ergänzen. Ich finde es gut, wenn möglichst viele Verkehrsunternehmen in Deutschland sich um das Thema autonomes Fahren kümmern, da es die Mobilität disruptiv verändern wird.″ Künftig sei ÖPNV dank neuer technischer Möglichkeiten rund um die Uhr und flächendeckend verfügbar. Oder wie Linnenbrink es formuliert: Wir werden permamobil!

Bildext:
Ein autonom fahrendes Shuttle, wie es bald in Monheim auf Linie geht, soll auch in Osnabrück ausprobiert werden hier allerdings als Hol- und Bringdienst auf Abruf.
Foto:
dpa

Was ist das Hub-Chain-Projekt?
Der Begriff Hub Chain″ ist zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für Knotenpunkt″ und Kette″. Im dem von den Osnabrücker Stadtwerken geleiteten Projekt steht er damit für das Ziel, weniger dicht besiedelte und vom öffentlichen Personennahverkehr schlecht erschlossene Gebiete am Stadtrand durch neuartige Angebote wie selbstfahrende, abrufbereite Shuttles mit dem Stadtbus-System zu verknüpfen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bund mit drei Millionen Euro gefördert. Insgesamt besteht das Projektkonsortium aus sechs Teilnehmern.

Kommentar
Immer und überall

Mit der Umstellung von Diesel- auf Elektrobusse wollen die Stadtwerke Osnabrück vor allem das Problem der Schadstoff- und Lärmbelastung in den Griff bekommen. Viele neue Fahrgäste bringt der Flottentausch alleine jedoch nicht. Wer die Menschen dazu bewegen will, das eigene Auto stehen zu lassen und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, muss weitere, stichhaltige Argumente liefern. Zum Beispiel ein zusätzliches Angebot schaffen, das sich ganz nach dem individuellen Bedarf richtet, aber jedem grundsätzlich immer und überall zur Verfügung steht nicht bloß in der ohnehin gut bedienten City, sondern gerade auch am Stadtrand, wo bislang kein Bus hinkommt. Mit selbstfahrenden Shuttles, die als Hol- und Bringdienste auf Abruf den Taktverkehr ergänzen, könnte das schon bald möglich werden.

E-Mail: s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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