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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Radbügel wichtiger als Bistrotische?
Zwischenüberschrift:
„Bottled″ soll am Reichwein-Platz rund die Hälfte seiner Außenbestuhlung verlieren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ab Oktober gestaltet der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) den an schönen Tagen äußerst belebten Adolf-Reichwein-Platz um. Das Bottled″ soll dafür zahlreiche seiner Tische im Außenbereich verlieren. Die Nachbarn solidarisieren sich mit dem Inhaber.

Über die Hälfte meiner Tische fallen weg″, bestätigt Bottled″-Inhaber Henrik Schrage auf Anfrage unserer Redaktion. Konkret sind es 11 von 21. Denn ab Oktober will der OSB den Reichwein-Platz und die Osterberger Reihe für 300 000 Euro umgestalten. An der Westseite des Platzes sollen die Tische des Bottled″ neuen Fahrradbügeln weichen. Dabei ist in der Regel an schönen Tagen schon an den 21 Tischen kaum noch ein Platz zu bekommen.

Bei Bottled″-Chef Schrage stößt der Schritt aus mehreren Gründen auf Unverständnis. Damit fällt ein Stück Lebensqualität am Platz weg″, sagt er. Die Wohlfühlsituation werde durch Tische geschaffen, nicht durch Fahrradbügel. Ich bin sicher, 90 von 100 Bürgern ziehen Tische vor.″ Seit 2004 ist die Bar an der Osterberger Reihe beheimatet.

Schrage rechnet mit erheblichen Umsatzeinbußen, sollte der Plan in seiner jetzigen Form umgesetzt werden. Falle die Hälfte seiner Tische im Außenbereich weg, verringere sich auch sein Umsatz um die Hälfte. Da hängen auch Arbeitsplätze dran″, sagt Schrage. Ihm zufolge sind 40 bis 50 Prozent seiner Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig bei ihm beschäftigt. Womöglich bin ich dann gezwungen, Arbeitsplätze abzubauen.″

Bei der Planung zur Umgestaltung des Platzes habe die Stadt respektive der OSB ihn nicht mit ins Boot geholt vielmehr sei er vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt Schrage. Ich finde es sehr erfreulich, dass der Platz verschönert wird. Aber ich finde es bedauerlich, dass die Stadt uns nicht nach unserer Meinung fragte.″Anlieger nicht gefragt

Auf Nachfrage bestätigt Hartmut Damerow vom OSB: Ja, das Bottled″ muss künftig auf Tische verzichten. Er bestätigt ferner, dass der OSB die Gastronomen bei der Planung nicht mit an Bord geholt hat. Die Planung sei intern erfolgt, anschließend habe man sie den Gastronomen vorgestellt.

Damerow verweist auf die Notwendigkeit von Abstellplätzen für Fahrräder. Die Bügel vor dem Haus, in dem zuletzt die Buchhandlung Zur Heide″ untergebracht war, müssten für die Außengastronomie des Nachfolgers die Gastro-Kette dean & david″ weichen. Eventuell sollen weitere Fahrradbügel im Bereich der Katharinenkirche entstehen, allerdings sei fraglich, ob Radfahrer diese dort annehmen würden, wenn sie in die Einkaufsstraßen oder zum um die Ecke gelegenen Reichwein-Platz wollten.

Es wird aber noch Gespräche geben″, versichert Damerow. Bei einem Ortstermin soll der Konflikt mit Schrage besprochen werden. Ich bin optimistisch, dass wir uns aufeinander zubewegen.″ Er sagt aber auch: Es ist begrenzter Raum, der vielen Ansprüchen gerecht werden muss.″Noch Hoffnung?

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen″, sagt auch Stadtsprecher Gerhard Meyering und verweist ebenfalls auf den Ortstermin, der zeitnah erfolgen soll. Doch auch die Stadt verteidigt die geplanten Fahrradbügel: Die meisten Gastro-Besucher kommen nun mal mit dem Rad.″

Die Nachbarn des Bottled″ der Eisladen Schlecks″, die Bar Henne″, die Kneipe Grüner Jäger″ sowie das Fachgeschäft für Küchen- und Haushaltsgeräte Miele Kerber″ haben sich mit Schrage solidarisiert. Er hat meine volle Unterstützung so geht doch sein Umsatz flöten″, sagt Kerber″-Geschäftsführer Thomas Richter. Der Umbau sei einerseits eine Bereicherung, und: Es ist schön, dass die Stadt wertschätzt, was hier passiert″, betont Schlecks-Inhaber Florian Stisser. Aber es ist schade, dass das , Bottled′ der Leidtragende ist.″ Der Platz habe schließlich auch aufgrund der Außengastronomie die heutige Aufenthaltsqualität.

Stisser meint, die Fahrradbügel könnten doch anderweitig verbaut werden, etwa im südlichen Teil des Platzes, wo lediglich eine Werbetafel stehe. Der Dialog wäre schön gewesen, dann hätten wir unsere Erfahrungen mitteilen können, die wir hier gesammelt haben″, sagt er.Ärger über Rad-Rüpel

Miele Kerber″-Chef Richter ärgert sich zudem darüber, dass die Osterberger Reihe auch weiterhin für Radfahrer freigegeben sein soll, obgleich dieser Bereich eine Fußgängerzone ist: Manche fahren langsam, manche schieben auch, aber manche rasen hier durch.″

Einen Unfall habe er bislang zwar weder beim Entladen seines Lkw gehabt noch auf dem Weg beobachtet. Aber was ist, wenn hier mal einem Kind was passiert? Hier ist ein Spielplatz.″

Diskussionen mit schnellen Radfahrern würden zumeist nichts bringen. Am Ende wird man doch eh nur angepöbelt″, sagt Richter. Bottled″-Chef Schrage hingegen hat schon einige Kollisionen zwischen Radlern und seinen Mitarbeitern verzeichnet da sei schon das eine oder andere Tablett geflogen, beklagt er.

Die Stadt verteidigt derweil die Erlaubnis für Radfahrer, die Osterberger Reihe trotz der sehr beengten Verhältnisse entlangfahren zu dürfen. Für Radler sei es ein Teil der Haupt-Ost-West-Achse, sagt Stadtsprecher Meyering. Alternativen seien mit dem Ergebnis geprüft worden, die Route nicht aufgeben zu wollen. Er verweist auf die Pflicht der Radler, dort Schritttempo zu fahren. Und wir appellieren an alle auf gegenseitige Rücksichtnahme.″

Bildtext:
Im Moment kann hier Kaffee, Bier oder Wein getrunken werden geht es nach dem Osnabrücker Servicebetrieb, ist damit aber ab Herbst Schluss. Die Bistrotische sollen einer Fahrrad-Abstellanlage weichen.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Unfassbar

Die Gastronomie am Adolf-Reichwein-Platz einschränken für Fahrradbügel? Den Menschen den Platz nehmen, um ihn für Metall frei zu halten? Das ist abstrus.

Der Reichwein-Platz ist der schönste Platz in der Stadt. Ein Treffpunkt für Jung und Alt mit allem, was das Herz begehrt, und einer angrenzenden Redlingerstraße, die sich in den vergangenen Jahren wunderbar entwickelt hat. Hier liegen die Reste der an vielen Stellen von Asphalt und Beton zugeschütteten Osnabrücker Seele, und die sollen jetzt unter Radbügeln begraben werden? Unfassbar.

Der Spielplatz wurde liebevoll hergerichtet, und die abwechslungsreiche Gastronomie macht den Reichwein-Platz zu einem innerstädtischen Kleinod. Elf Tische weniger heißt 40 bis 50 Sitzplätze weniger für Menschen, die den Platz genießen möchten.

Die Stadt will den Platz weiter aufwerten. Das ist löblich, aber bitte doch mit ruhiger Hand. Radfahrer müssen ebenso wenig wie Autofahrer direkt vor der Theke parken. Es gibt Alternativen. Wetten, dass...?

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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