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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
„Voraussetzungen nicht mehr gegeben″
Zwischenüberschrift:
1907 eröffnete Teutoburger Schule wurde 2006 wegen ungünstiger Schülerstruktur geschlossen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ehrfurcht gebietend und die Schulpflicht unterstreichend, dominiert der wilhelminisch strenge Bau der Teutoburger Schule in Osnabrück die kurze Verbindung zwischen Miquel- und Osningstraße, die gerade einmal 170 Meter lange Teutoburger Straße.

Es mutet wie ein Treppenwitz der Geschichte an, dass eines der wenigen repräsentativen Gebäude, die in diesem Teil der Stadt den Bombenkrieg überstanden haben, heute ein eher ungeliebtes Kind ist. Die Teutoburger Grundschule stellte im Sommer 2006 ihren Betrieb ein. Die Stadt als Eigentümerin scheint seither nicht so recht zu wissen, was sie mit den vielen Kubikmetern umbauten Raumes anfangen soll.

Um 1900 war die Notwendigkeit eines Schulbaus an dieser Stelle nicht von der Hand zu weisen. Die Vorstadt im Süden des Rosenplatzes war rasant gewachsen, wozu auch Industriebetriebe wie die Weberei Hammersen beigetragen hatten. Die beiden großen Kirchen waren nicht nur um die geistliche Versorgung ihrer Schäfchen in dem boomenden Stadtteil bemüht, sondern auch um die schulische. So baute die Katharinengemeinde, der die evangelisch-lutherische Bevölkerung vor dem Johannistor angehörte, 1907/ 09 die Lutherkirche an der Iburger Straße. Sie war zunächst Filialkirche zu St. Katharinen, bis sie 1927 ihre Eigenständigkeit als dritte evangelisch-lutherische Gemeinde neben St. Marien und St. Katharinen erhielt. In Nachbarschaft der Lutherkirche errichtete die Stadt in Absprache mit der Kirche die Evangelische Volksschule V.″ (das V.″ steht der römischen Schreibweise folgend für fünftens″). Sie trug den Beinamen Teutoburger Schule, der sich später durchsetzen sollte.

Ganz ähnlich machte es die katholische Seite mit der Josephskirche im Tandem mit der ebenfalls nur rund 150 Meter entfernten Overbergschule.

Am 9. April 1907 begann unter Rektor Valentin der Unterricht in der Teutoburger Schule. Knaben und Mädchen waren in getrennten Gebäudeteilen untergebracht, die jeweils durch separate Eingänge erreicht wurden. Auch der Schulhof war getrennt. Schließlich ging die Volksschule damals bis zur Klasse sieben, später bis zur Klasse acht, und da hätte ja schon einmal ein verfrühtes und selbstverständlich unerwünschtes Interesse am anderen Geschlecht aufkommen können, wenn es die Grenze nicht gegeben hätte. Als große Errungenschaft der Volkshygiene richtete die Stadt im Untergeschoss öffentliche Brause- und Wannenbäder ein.

Die erhalten gebliebenen Schuljahresprotokolle spiegeln die Zeitläufe wider, etwa wenn während des Kaiserreichs die Vorbereitungen zu Kaisers Geburtstag″ und zum Großen Kriegsspiel der gesamten männlichen Osnabrücker Jugend″ im Sommer 1912 beschrieben werden. Oder später, im Zweiten Weltkrieg, die Luftschutzübungen und das Verhalten bei Fliegeralarm.

Einen schulpolitischen Einschnitt stellt der Sommer 1969 dar, als aus der evangelischen Bekenntnisschule eine Gemeinschaftsschule wird. 94 Prozent der Elternschaft haben sich dafür ausgesprochen. Dies ist ein Schritt, der von den katholischen Bekenntnisschulen in der Nachbarschaft, der Kreuzschule und der Overbergschule, nicht vollzogen wird. Mit der Konsequenz, dass der Anteil nichtkatholischer Schüler bei ihnen gemäß Staatsvertrag auf 20 Prozent begrenzt bleibt und der entsprechende Anteil in der Teutoburger Schule nach oben schnellt.

1982 kommt der hohe Ausländeranteil in der Teutoburger Schule auch in der Tageszeitung zur Sprache. Er wird als besondere Herausforderung″ beschrieben, die Schulleitung und Elternschaft anzunehmen gewillt sind. Ein Elternvertreter wird mit dem Satz zitiert: Viele deutsche Eltern haben immer noch nicht den Wert einer interkulturellen Erziehung erkannt.″

Die Sache kippt, als der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund Anfang dieses Jahrtausends 83 Prozent erreicht. In einer Bestandsaufnahme des Fachbereichs Schule heißt es 2005, damit sinke auch das Leistungsniveau. So sei im letzten Jahrgang keine einzige Gymnasialempfehlung ausgesprochen worden. Kinder aus deutschen und bildungsbewussten türkischen Familien wanderten ab, es verblieben Kinder aus sozial benachteiligten und noch nicht integrierten Migrantenfamilien. Die pädagogischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit zum Wohle aller Kinder seien nicht mehr gegeben, konstatieren die Verantwortlichen. Man könne nicht 80 Prozent in 20 Prozent integrieren″. Der Rat zieht einen Schlussstrich: Mit nur einer Gegenstimme beschließt er das Ende der Teutoburger Schule zum 1. August 2006. Die verbliebenen Kinder werden auf die Rosenplatzschule, die Franz-Hecker-Schule und die Jellinghausschule verteilt. Die Elternräte dieser drei Schulen sind nicht begeistert. Sie kritisieren, dass die Konsequenzen für die aufnehmenden Schulen nicht ausreichend bedacht worden seien. Aber auf die Auflösung der Teutoburger Schule hat das keinen Einfluss mehr, die ist ein für alle Mal beschlossene Sache.

Seither wird eine dauerhafte Nachnutzung des Gebäudes diskutiert. Zur Debatte standen unter anderem schon das Staatliche Studienseminar, die Musik- und Kunstschule, eine fusionierte Volkshochschule für Stadt und Landkreis und eine zusammengelegte Overberg- und Kreuzschule.

Alle Vorschläge wurden wieder verworfen. Momentane Nutzer sind die BBS Schölerberg mit einigen Klassen, die Arbeitslosen-Selbsthilfe, der Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK), eine Computerwerkstatt und das sozialpädagogische Fanprojekt des VfL Osnabrück.

Bildtexte:
Die Teutoburger Schule, hier auf einem nicht datierten Foto aus dem Zeitungsarchiv, beherrschte als wuchtiger Gebäudekomplex die Teutoburger Straße.
Eingegrünt und mit umgelegten Eingängen, aber ansonsten kaum verändert präsentiert sich das Gebäude heute.
Foto:
Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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