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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachfahren gesucht
Zwischenüberschrift:
Wer war der Soldat Georg Niemann? / Gebeine in Litauen entdeckt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Rund 5, 2 Millionen deutsche Soldaten sind im Zweiten Weltkrieg gefallen. Viele gelten noch heute als vermisst. So auch der Osnabrücker Georg Niemann bis jetzt. Denn seine Gebeine wurden in Litauen entdeckt, wie Dieter Bockelmann vom Reservistenverband durch einen Zufall erfahren hat. Der Osnabrücker sucht nun Niemanns Nachfahren.

Bockelmann engagiert sich im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Mitte Mai reist er mit einer kleinen Gruppe nach Litauen, um dort die Gräber zu pflegen. Bei einer Vorbesprechung für den anstehenden Einsatz hat er erstmals von Georg Niemann erfahren. Das war reiner Zufall, dass ich als Osnabrücker in eine Gegend fahre, wo ein gefallener Soldat aus Osnabrück gefunden wurde″, sagt der 76-Jährige.

Ein Ansprechpartner vor Ort informierte Bockelmann über den Fund vor knapp sieben Jahren. Damals waren die Überreste von zwei Toten in einem kleinen Waldstück am Stadtrand von Kaunas entdeckt worden, genauere Umstände sind nicht bekannt. Bei einem lag eine Grabflasche mit einem vergilbten, löchrigen Zettel, auf dem die Daten des Soldaten aus Osnabrück standen: Georg Niemann, geboren am 19. März 1925 in Osnabrück, gefallen am 27. Juli 1944. Er wurde nur 19 Jahre alt.

Das hat mich natürlich neugierig gemacht″, berichtet Bockelmann. Seitdem versucht er, Informationen über den gefallenen Soldaten zu bekommen und dessen Nachfahren zu finden bisher allerdings mit mäßigem Erfolg. Aus Datenschutzgründen geben die Behörden ihm und auch dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge keine Auskunft.

Dem Volksbund ist lediglich bekannt, dass Niemann als Oberschütze im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war. Seit dem 27. Juli 1944 also dem jetzt bestätigten Todestag gilt er offiziell als vermisst. Als Vermisstenort gibt der Volksbund Taurokiemi an. Wahrscheinlich ist Taurakiemis gemeint, ein kleiner Ort in der Nähe der Fundstelle in Kaunas. Bockelmann will nun mehr herausfinden: Es wäre sehr schön, wenn wir Angehörige finden würden.″

Bockelmann geht davon aus, dass die Nachfahren noch gar nichts über den Fund der Überreste wissen, da Niemann nach seinen Informationen immer noch als vermisst gilt. Er konnte auch noch nicht herausfinden, was mit den Gebeinen der beiden Toten passiert ist. In der Regel werden sie geborgen und bis zu einer Beisetzung in Särgen auf einem Zentralfriedhof aufbewahrt.

Trauer braucht einen Ort″, sagt der 76-Jährige. Wenn man weiß, wo jemand begraben liegt, kann man abschließen.″ Es gebe immer noch viele Vermisste, deren Angehörigen in Ungewissheit lebten. Aber es werden auch immer wieder Gräber gefunden. So wurde vor ein paar Jahren in Polen beim Bau einer Siedlung ein Massengrab mit über 3000 Kriegstoten entdeckt. Sie wurden geborgen und auf einen Zentralfriedhof umgebettet. Kriegstote haben ein dauerhaftes Liegerecht″, erklärt Bockelmann.

Seit seiner Pensionierung hat sich der ehemalige Berufssoldat der Arbeit des Volksbundes verschrieben″, wie er selbst sagt. Er ist viel unterwegs, war schon mehrmals in Rumänien, Frankreich und Italien, um Kriegsgräber zu pflegen. Der Einsatz in Litauen ist bereits sein 13., ein Ende ist nicht in Sicht. Seine Frau habe mal gefragt, ob er nicht langsam aufhören wolle, aber das könne er noch nicht, denn: Die Arbeit liegt mir am Herzen. Sie ist wichtig, um Kriegsgräberstätten zu erhalten, als Mahnmal für den Frieden. In meinen Augen ist das echte Friedensarbeit.″

Auch in Osnabrück kümmert sich Bockelmann mit einer Arbeitsgemeinschaft des Reservistenverbandes um das Kriegsgräberfeld des Ersten Weltkriegs auf dem ehemaligen Johannisfriedhof. So etwas wie jetzt in Litauen hat der 76-Jährige aber bisher noch nicht erlebt. Es ist das erste Mal, dass ich damit konfrontiert werde, dass ein Osnabrücker gefunden wurde, dass man einen Namen hat und einen Ort, aus dem man selber kommt.″ Mitte Mai wird sich Bockelmann vor Ort in Kaunas ein Bild machen und weitere Erkundigungen anstellen. Er hofft, bis dahin Georg Niemanns Nachfahren gefunden zu haben.

Das ist mir eine Herzensangelegenheit, dass das geklärt wird″, so Bockelmann. Er sei guter Dinge, dass er Erfolg hat. Für die Angehörigen sei es wichtig zu wissen, was passiert ist. Und für mich wäre es zudem ein Beweis, dass die Arbeit, die wir leisten, nach wie vor wichtig ist und dazu beiträgt, unsere Geschichte aufzuarbeiten auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende.″

Wer Infos zu Georg Niemann hat, kann sich unter Telefon 0541 124978, 0170 7322165 oder per E-Mail dibriboos@ t-online.de bei Dieter Bockelmann melden.

Bildtexte:
Dieter Bockelmann zeigt ein Foto, das die Fundstelle am Stadtrand von Kaunas zeigt.
Das Stück Papier mit den Lebensdaten von Georg Niemann steckte in einer sogenannten Grabflasche, die zusammen mit der Leiche beerdigt wurde.
Fotos:
Gert Westdörp, Dieter Bockelmann
Autor:
Lea Becker


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