User Online: 1 | Timeout: 09:13Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Piesberg am Scheideweg
 
Der Piesberg weckt Begehrlichkeiten
Zwischenüberschrift:
Von Autokino bis Hochzeitsevents: Immer mehr kommerzielle Anfragen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Je bekannter und beliebter der Osnabrücker Piesberg wird, desto mehr kommerzielle Anbieter fragen, ob sie dort Veranstaltungen anbieten können. Der Kultur- und Landschaftspark befindet sich damit aktuell an einem Scheideweg. Örtliche Akteure wie der Verein Piesberger Gesellschaftshaus oder die Osnabrücker Dampflokfreunde halten eine rein kommerzielle Nutzung für problematisch und wissen dabei die Stadt an ihrer Seite: 2016 hatte der Osnabrücker Rat die Leitlinien für die weitere Entwicklung der früheren Mülldeponie und des noch aktiven Steinbruchs verabschiedet. Jetzt soll das Areal zu einem Landschaftsschutzgebiet werden. Damit hätte die Stadt eine rechtliche Grundlage, um allzu kommerzielle Ideen abzuweisen und den Charakter zu erhalten, den der Piesberg heute hat.

Osnabrück Ein Autokino ganz oben auf der Felsrippe? Solche Anfragen gibt es. Kürzlich hatte Eberhard Gillich von den Osnabrücker Dampflokfreunden genau so einen Veranstalter am Apparat. Mit dem Piesberg, der durch seine Mischung aus Industriekultur, Natur und aktivem Steinbruch fasziniert, ist Geld zu verdienen und das spricht sich herum. Jetzt ist der Moment gekommen, wo wir entscheiden müssen, wie wir uns abgrenzen″, sagt Imke Wedemeyer vom Piesberger Gesellschaftshaus, das dort seit seiner Gründung vor 25 Jahren Kulturveranstaltungen anbietet.

Auch der alte Steinbrecher weckt Begehrlichkeiten. Im Erdgeschoss des Industriegebäudes restaurieren die Dampflokfreunde ihre historischen Fahrzeuge, eine Ebene höher sprießen zwischen staubigen Holzdielen und dem Laub vom vergangenen Herbst kleine Eschen. Das könnte die perfekte Kulisse für eine außergewöhnliche Hochzeitsfeier sein. Doch davon wollen die ansässigen Akteure nichts hören. Der Fachbereich Kunst der Universität Osnabrück würde das Gebäude ebenfalls gern nutzen das könnten sie sich schon eher vorstellen, klingt durch. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich mit möglichen Nutzungskonzepten.

Vor 25 Jahren hätte sie sich kaum träumen lassen, dass der Piesberg zu dem werden würde, was er heute ist, sagt Imke Wedemeyer. Damals, als die Mülldeponie noch in Betrieb war, gründete sich das Piesberger Gesellschaftshaus als Verein, nachdem 1989 die Dampflokfreunde als Pioniere das Areal in Beschlag genommen hatten. Bald kam das Museum Industriekultur hinzu, und vor zehn Jahren nahmen die Feldbahner die historische Feldbahn in Betrieb, die momentan vom Museum bis zu den Stufen fährt, die hoch zur Aussichtsplattform auf der Felsrippe führen. Für eine Verlängerung der Trasse vom Museum nach Osten bis nach Wallenhorst-Lechtingen ist die Strecke bereits gerodet, die Stadt warte auf die Baugenehmigung, sagt der städtische Piesberg-Beauftragte Karl-Heinz Uthmann. Wir hoffen auf eine Fertigstellung im März 2020.″

Grundlage für die einzelnen Entscheidungen, wen die Stadt aufs Gelände lässt, ist ein Leitbild, das der Rat 2016 verabschiedet hatte. Darin steht unter anderem: Die weitere Entwicklung des Kultur- und Landschaftsparks Piesberg ist auf den Erhalt und die Stärkung der bestehenden Identität sowie der vorhandenen kulturhistorischen und landschaftlichen Qualitäten auszurichten.″ Die Vorgaben sind recht vage gehalten.

Als rechtliche Grundlage soll künftig die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet gelten allerdings zunächst nur für die Bereiche auf städtischem Gebiet, wie die Stadtverwaltung jüngst mitteilte. Ein Drittel des Piesberg-Areals liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Wallenhorst und der dort zuständige Landkreis hat laut Stadt noch andere Projekte weiter oben auf seiner Prioritätenliste. In der Zwischenzeit könnten immerhin die Bestimmungen des Landschaftsschutzgebietes Wiehengebirge und Nördliches Osnabrücker Hügelland″ herangezogen werden. Bislang gab es seitens der Gemeinde Wallenhorst allerdings noch nie große Bestrebungen, den Piesberg für Veranstaltungen zu nutzen.Hütte ja, Oktoberfest nein

Einen kommerziellen Anbieter gibt es bereits vor Ort in Osnabrück: Am Rande des weitläufigen Schotterplatzes der Vosslinke hat der Osnabrücker Veranstalter Christoph Sierp eine mobile Almhütte installiert, die bis zum 2. Juni an jedem Wochenende geöffnet ist. Ich finde die Almhütte unproblematisch, aber ein Oktoberfest wäre zu viel″, urteilt Imke Wedemeyer. Und Detlef Gerdts vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz berichtet von einem Anbieter, der oben auf der Felsrippe ein Café eröffnen möchte. Was wir nicht wollen, ist ein Rummelplatz″, betont er. In der Vergangenheit hatte die Stadt schon dem Vorhaben, Gleitschirmflieger oben starten zu lassen, eine Absage erteilt. Dass die Treckerfreunde am kommenden Sonntag mit ihren Traktoren ausnahmsweise auf die Felsrippe fahren dürfen, ist der historisch gewachsenen Zusammenarbeit geschuldet. Ähnliches gilt für das alljährliche Bergfest und die regelmäßigen Treffen der Oldtimerfreunde vor dem Museum Industriekultur.

Meilensteine″ haben die hiesigen Akteure das diesjährige Programm für die Veranstaltungen genannt, die wie gewohnt an jedem ersten Sonntag im Monat Besucher auf den Piesberg locken sollen. Imke Wedemeyer sagt, warum: Meilensteine: Das heißt für uns, dass wir einen bestimmten Punkt erreicht haben und jetzt schauen, wie es weitergehen soll.″

Bildtext:
Das alte Steinbrechergebäude als Hochzeitslocation? Wohl eher nicht, finden die Piesberg-Akteure.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Gratwanderung
Wer schon einmal ganz oben war und die 300 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten im Canyon des Steinbruchs bestaunt hat, weiß: Der Piesberg ist etwas ganz Besonderes. Wohl an keinem anderen Ort gibt es eine solche Mischung aus Natur, Industriekultur und aktiver Nutzung als Steinbruch.

Mit dem Aufstieg fängt es schon an: Entweder man wählt den rund acht Kilometer langen Rundwanderweg, oder man erklimmt die Stufen bis hoch zur Felsrippe. Wer dort speisen möchte, muss sich selbst etwas mitnehmen und genau das macht das Ambiente aus. Ein Café oder gar ein Parkplatz würden dem Berg viel von seinem Zauber nehmen.

Die Stadt fährt bislang die richtige Strategie, wenn sie kommerzielle Angebote wie den jährlichen Pyrozauber oder die Almhütte and er Vosslinke punktuell erlaubt, aber nicht ausufern lässt. So sollte es auch bleiben.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


Anfang der Liste Ende der Liste