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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rat lehnt Kauf der Flatauer-Villa endgültig ab
Zwischenüberschrift:
Denkbar knappe Entscheidung zum Haus Herderstraße 22 / Griesert: Erben sprechen nicht mehr mit uns
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Ratsentscheidung gegen den Ankauf des Hauses Herderstraße 22, der ehemaligen Flatauer-Villa, fiel am Dienstagabend denkbar knapp aus: Bei Stimmengleichheit wurde der Antrag der SPD, Ankaufsverhandlungen zu führen, abgelehnt. CDU, BOB, FDP und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert verweigerten dem Antrag die Unterstützung.

Unterstützung zum Kauf des Hauses hatten im Vorfeld der Sitzung verschiedene Osnabrücker Vereine wie der Bürgerverein Katharinenviertel, die Remarque-Gesellschaft, die Vordemberge-Gildewart-Stiftung, die Felix-Nussbaum-Gesellschaft sowie der Verein für Baukultur″ zugesichert. Aber auch diese Zusicherung vermochte die Kaufgegner nicht umzustimmen.

Vor der Abstimmung hatte Heiko Schlatermund (SPD) nochmals eindringlich an den Rat appelliert, das geschichtsträchtige Haus zu erwerben. Das Anwesen steht seit mehr als 15 Jahren leer. Einst gebaut von der jüdischen Unternehmerfamilie Flatauer, musste diese es 1938 auf Druck der Nationalsozialisten verkaufen. Alma und Raphael Flatauer ließen die Villa im Bauhausstil errichten. 1943 wurden sie in Auschwitz ermordet. Die Söhne der Familie konnten Deutschland rechtzeitig verlassen Kurt wanderte nach Palästina aus. Sein Bruder Hans emigrierte nach London.

Schlatermund wünschte sich ein eindeutiges Signal des Rates für das historische Bewusstsein der Stadt. Die Herderstraße 22 sei das letzte Haus mit Bezug zur jüdischen Geschichte. Schlatermund sprach von der moralische Pflicht″, das Haus zu erwerben. Das Haus Flatauer böte die Chance, einen Erinnerungsort für jüdisches Leben und einen Lernort für die politische Bildung junger Menschen und Erwachsener zu schaffen. Es gibt zahlreiche Nutzungskonzepte und konstruktive Vorschläge″, so Schlatermund. Das Haus böte zudem die Möglichkeit zur Aufarbeitung der Rolle der Stadtverwaltung in den 1930er-Jahren.

Ich respektiere, was Herr Schlatermund gesagt hat″, betonte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde. Viele Argumente seien nachvollziehbar. Es müssten aber alle Argumente ins Blickfeld genommen werden. Es ist klar, dass das Haus durch starke bauliche Veränderungen kein Baudenkmal mehr ist.″ Möglich sei nur eine große, grundlegende Sanierung oder aber der Abriss. Wir haben als Stadt Osnabrück mehr getan als die allermeisten Städte Deutschlands″, griff Brickwedde die Erinnerungskultur in Osnabrück auf und bat darum, auch unter diesem Aspekt die Gegenargumente zu akzeptieren.

Seinen Dank an alle, die sich um dieses Thema gekümmert haben″, stellte Sebastian Bracke (Grüne) an den Anfang seines Plädoyers für die Aufnahme von Verhandlungen mit den Verkäufern des Hauses. Erst am Ende dieser Verhandlungen könne ein abgewogener Beschluss stehen, der dem hochrelevanten Gebäude″ gerecht werde.

Giesela Brandes-Steggewentz (Linke) sprach von einem Schatz, den wir erhalten sollten″, mit dem aufgezeigt werden könne, wie jüdische Menschen in Osnabrück gelebt haben. Thomas Thiele wies für die FDP auf andere Osnabrücker Gedenkstätten hin. Die Geschichte können wir an anderen Orten in Osnabrück besser darstellen.″

Mit einer persönlichen Stellungnahme setzte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Schlusspunkt unter die Diskussion. Ohne mich und meinen Einsatz hätte es überhaupt keinen Kontakt zur Eigentümerin gegeben″, konterte er Vorwürfe, er habe es in der Vergangenheit versäumt, das Haus für die Stadt zu sichern. Er sei nur deshalb über den dann eingetretenen Erbfall informiert worden, weil er den Kontakt zu der Eigentümerfamilie gesucht habe.

Mittlerweile sieht Osnabrücks Oberbürgermeister nach diversen Vorfällen in den vergangenen Tagen und Wochen keine Möglichkeit mehr zu verhandeln. Die Erben sprechen nicht mehr mit uns. Ihr Vertrauen in die Stadt ist zerstört.″ Unter anderem sollen sich Anrufer gegenüber den Eigentümern als Verwaltungsmitarbeiter ausgegeben und nach dem Sachstand erkundigt haben.

Bildtext:
ENDGÜLTIG: Das leer stehende Flatauer-Haus in der Herderstraße wird nicht von der Stadt gekauft.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Dietmar Kröger


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