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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erschreckende Entscheidung
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Umweltministerium kritisiert Landkreis Reicht der vorgesehene Ein-Meter-Gewässerrandstreifen in Naturschutzgebieten aus? (Ausgabe vom 2. April).

Die aktuelle Entscheidung um die Breite der Gewässerschutzstreifen finde ich erschreckend. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass sich die Wasserqualität in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat.

Als ich vor zwanzig Jahren ein Haus im Landkreis Osnabrück (Außenbereich von Ostercappeln) erwarb, konnte ich mein (Trink-) Wasser aus einem eigenen Brunnen gewinnen. Zu Anfang hatte dieses noch annähernd Heilwasserqualität, die jährlichen Wasseranalysen zeigten jedoch eine kontinuierliche Verschlechterung durch ständig steigende Nitrit- und Nitratwerte. Vor fünf Jahren mussten wir uns beim öffentlichen Wasserversorger anschließen lassen, weil der Brunnen keine Trinkwassserqualität mehr liefern konnte.

Wir sprechen also nicht mehr von pessimistischen Zukunftsvisionen, sondern von der Gegenwart! Schon jetzt sind im Grundwasser unzählige Giftstoffe nachweisbar, die die Wasserversorger vor immer neue Probleme und Herausforderungen stellen. Uns Bürgern eine gleichbleibend gute Wasserqualität zur Verfügung zu stellen erfordert immer höhere Anstrengungen, auch finanzieller Art. Die entstehenden Kosten werden wir alle tragen müssen, nicht ein kleiner Verursacherkreis.

Zum Thema Insektensterben, Fischvorkommen und Gülleproblematik will ich mich in diesem Zusammenhang gar nicht mehr äußern, darüber wurde ja schon mehrfach detailliert und fachkundig berichtet. Es geht über mein Verständnis hinaus, dass Politiker, die doch als Interessenvertreter der Bevölkerung agieren sollten, Entscheidungen treffen, die ausschließlich im Interesse einer kleinen Lobby liegen. Ob man sich vor diesem Hintergrund noch mit Stolz als , Mekka der Agrarindustrie′ bezeichnen sollte, erscheint wie eine Farce. Solange der Fortschritt in immer größeren und moderneren Spritzmittel- und Güllerverteilern liegt, ist doch wohl klar, wohin die Reise geht … ″

Kerstin Gerding
Ostercappeln

Es geht wieder einmal um den Fünf-Meter-Randstreifen in FFH-Gebieten, diese sind EU-Gesetz. Der Kreis Osnabrück lässt sich von der Agrarindustrie über den Tisch ziehen, anders kann man die Situation hier nicht mehr formulieren.

Die EU droht inzwischen mit Unterlassungsklage, weilman hier nicht in der Lage ist, bestehende FFH-Gebiete so zu entwickeln, dass sie den Sinn, den diese Gebiete für den Artenschutz haben, widerspiegeln. Wie der Herr Landrat sich den Agrarindustriellen anbiedert, kann man nicht mehr ertragen. Die bisherigen noch nicht optimal hergerichteten Gebiete, wie es das EU-Gesetz vorschreibt, umfassen 2400 Hektar für den ganzen Landkreis (Naturschutz- und FFH-Gebiete), das entspricht 1, 1 Prozent der Landkreisfläche, damit stehen wir unter ferner liefen mit vergleichbaren Regionen.

Wenn man bedenkt, dass man mit der Fläche von einem Hektar einen zwei Kilometer langen Fünf-Meter-Streifen realisieren kann, dann kann man anhand der katastrophalen Umsetzung der FFH-Flächen nur noch den Kopf schütteln. Solange unsere Politiker so schön mit der Agrarlobby zusammenarbeiten, wird der Artenschutz weiter abnehmen.

Als Feldornithologe habe ich Aufzeichnungen seit 1968 und habe deshalb einen kleinen Einblick über die Ursachen des Artensterbens, das mit der Änderung der Landwirtschaft korreliert. Bei meiner aktuellen Dekadenzählung am 1. April konnte ich an der Elsetal-Ostseite nur noch zwei Kiebitze und keine Lerche feststellen, sämtliche Grünlandflächen waren geschleppt und gewalzt, und es herrschte reger Gülleverkehr.″

Ulrich Stefener
Melle

Bildtext:
Die Gewässerrandstreifen in FFH-Gebieten sollten nach dem Empfehlungen des Landes Niedersachsen möglichst breit sein.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Kerstin Gerding, Ulrich Stefener


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