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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Geschichte aus dem Automaten
Zwischenüberschrift:
Museumsleiter und Postkartensammler auf Spurensuche
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Automatisierung ist kein Exklusivthema der neueren Industriegeschichte. Ein blühendes Automatenwesen hat es auch schon vor mehr als 100 Jahren gegeben. Das Deutsche Automatenmuseum in Espelkamp und der Osnabrücker Ansichtskarten-Experte Helmut Riecken haben sich des bislang kaum beachteten Themas angenommen.

Automaten spucken Waren wie Schokolade, Kaugummi, Süßwaren oder Zigaretten aus, sie leisten Dienste wie etwa Personenwaagen oder Schuhputz-Geräte, sie unterhalten wie Musikboxen oder Guckkasten-Bildbetrachter, sie testen das Glück wie die einarmigen Banditen″ oder die Geschicklichkeit wie die Flipper. Die meisten dieser Geräte standen und stehen in oder außen vor gastronomischen Einrichtungen.

Hier kommt Riecken ins Spiel. Denn ein Schwerpunkt seiner Sammlung ist die Gastronomie. Er hat 2015 einen Sammelband herausgegeben mit rund 450 Außen- und Innenansichten von Osnabrücker Gaststätten, Kaffeehäusern und Hotels aus den Epochen vom Kaiserreich bis zur frühen Nachkriegszeit. Der Leiter des Automatenmuseums, Sascha Wömpener, und Riecken waren einander begegnet als Zulieferer zu der großen Sonderausstellung des vergangenen Jahres im Museum Industriekultur „‚ Na dann, Prost′ Die Geschichte der Gaststätten und Biergärten in und um Osnabrück″. Bunte Musikboxen, blinkende Flipper, Pez-Pfefferminz-Spender und viele weitere Automaten aus dem Bestand des Espelkamper Museums halfen mit, die Besucher in die Kneipen-Atmosphäre der 1950er- und 60er-Jahre zurückzuversetzen.

Nun bittet Wömpener die Osnabrücker um Mithilfe. Er ist dabei, ein Buch unter dem Arbeitstitel Ansichtssachen Automaten erzählen Stadtgeschichte″ zu schreiben, und sucht dafür noch Fotos von frühen Automaten in ganz Deutschland, vorzugsweise aus der Zeit von etwa 1880 bis 1945. Angefangen mit dem Sammeln und Sichten hat der Automaten-Fan in seiner Heimatstadt Lübbecke, wo er 15 Beispiele in Bild und Wort auftreiben konnte.

Zur Erhellung der Osnabrücker Automatengeschichte wandte sich Wömpener zunächst an Helmut Riecken. Mit beleuchteter Leselupe bewaffnet, beugten die beiden sich viele Stunden über Rieckens Bildersammlung von Gastronomiebetrieben und spürten darauf abgebildeten Automaten nach. Das war gar nicht so einfach, wie Wömpener auch schon aus seinen Recherchen in anderen Städten wusste: Es ist fast wie Ostereiersuchen. Die Automaten sind ja jeweils in das zeitgenössische Design gekleidet. Deshalb fallen sie kaum auf, man muss schon sehr genau hinschauen.″

In acht Fällen wurden sie fündig. Da ist zum Beispiel ein Stollwerck Rhenania″ direkt neben der Eingangstür des Lokals Kaiser Friedrich″, Johannismauer 32/ Ecke Wiesenstraße. Besitzer Adolf Koch verdiente mit, wenn ein Passant den süßen Versprechungen einer Tafel Schokolade oder eines Päckchens gebrannter Mandeln nicht widerstehen konnte und Münzen einwarf. Die Stollwerck-Automaten wurden ab etwa 1890 aufgestellt.

Auf der Innenansicht des Nicolaikellers″, Nikolaiort 4, sind ein Schokoladenautomat Gartmann Unikum″, der um 1900 populär wurde, und ein Grammofon mit Münzeinwurf abgebildet. Zur Linde″, Bierstraße 42, Zum Weghaus″ (Goldkamp) an der Mindener Straße 194 und Altes Gasthaus Thörner″, Johannisstraße 36, präsentieren sich ebenfalls mit Schokoladenautomaten, Thörner außerdem mit einer Orchestrion-Musiktruhe. In der Großen Straße 56 gab es um 1909 gar ein Kaiser-Automaten-Restaurant″, in dem man Speisen offenbar nur auf Tastendruck erhielt.

Die Idee von Wömpeners Buchprojekt ist, den historischen Aufstellort eines Automaten auf Foto oder Ansichtskarte mit dem freigestellten Einzelfoto des entsprechenden Gerätes aus der Sammlung des Deutschen Automatenmuseums korrespondieren zu lassen. Das Depot des Museums umfasst etwa 1800 Geräte, von denen allerdings nur etwa zehn Prozent in der Ausstellung gezeigt werden. Wer ein Zeitdokument aus der Osnabrücker Automatenwelt beitragen kann, wird gebeten, sich an Wömpener unter der Telefonnummer 05743 93 182-21 oder swoempener@ deutsches-automatenmuseum.de zu wenden.

Bildtext:
Mit der Lupe spüren Sascha Wömpener (vorne) und Helmut Riecken frühe Automaten auf, die sich auf Ansichtskarten von Gaststätten verbergen könnten.
Im Nicolaikeller″, Nikolaiort 4, waren ein Schokoladenautomat der Marke Gartmann Unikum″ und ein Grammofon aufgestellt. Ansichtskarte (1906) aus der Sammlung Helmut Riecken.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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