User Online: 1 | Timeout: 08:31Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Windräder töten Milliarden Insekten
Zwischenüberschrift:
ANALYSE Grüne fordern Ausweitung der Schutzzonen / Nackenschlag für die Branche
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Bislang feierten Naturschützer Windräder als die Heilsbringer im Kampf gegen den Klimawandel, doch sind sie wirklich so umweltfreundlich? Eine Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) stellt die Annahme auf den Kopf. Wieso sind Windräder so gefährlich? Vögel können mit den Rotorblättern kollidieren. Besonders Greifvögel sind gefährdet. Von 2002 bis 2017 wurden in Deutschland 3550 tote Vögel aller Arten an Windrädern gefunden. Darunter sind etwa 400 tote Rotmilane. Sie sind besonders schützenswert, weil 50 Prozent ihres Gesamtbestandes in Deutschland brüten. Nun hat das DLR herausgefunden, dass 5, 3 Milliarden Insekten pro Tag an Windrädern sterben.

Was passiert mit den toten Insekten? Im Fachmagazin Nature″ erklärt ein holländisch-dänisches Wissenschaftler-Team, dass sich bei niedrigen Windgeschwindigkeiten auf den Rotorblättern zerplatzte Insekten ansammeln. Bei starkem Wind kann an der rauen Oberfläche dadurch die Luftströmung abreißen die Stromausbeute sinkt. Welche Argumente führen die Kritiker der Studie an? Niemand kennt die Gesamtmenge an Insekten in Deutschland. Daher ist auch schwer einzuschätzen, ob die Zahl der toten Tiere einen hohen Prozentsatz ausmacht. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat hinsichtlich der Interpretationen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wissenschaftlich deutliche Zweifel″.

Auch Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutz der Grünen-Bundestagsfraktion, kritisiert das Vorgehen des DLR. Es sollte nicht zugelassen werden, dass die Studie instrumentalisiert wird, um die Haupttreiber des Insektensterbens zu entlasten″, sagt sie unserer Redaktion. Das seien der Lebensraumverlust und der Einsatz von Pestiziden. Sie fordert dennoch eine ausgewogene Landnutzungsplanung für Windräder. Diese könne zum Beispiel durch die Ausweisung von naturschutzfachlich ungeeigneten Flächen als Tabuflächen erreicht werden.

Warum hält das DLR die Verluste trotzdem für relevant? Franz Trieb, Experte für Energiesystemanalyse des DLR, sagt: Insekten nutzten auf dem Weg zu ihren Brutplätzen hohe Luftströmungen, die genau durch die Rotorwege der Windkraftanlagen führten. Vor der Eiablage sei das Sterben der Insekten also doppelt schlimm.

Was sagen Insektenforscher dazu? Entomologe Lars Krogmann hält das für übertrieben. Gerade die durch Rote Listen erfassten und dramatisch zurückgegangenen Gruppen wie Laufkäfer, Heuschrecken, Libellen, Wildbienen kommen in solchen Höhen kaum vor″, sagte er gegenüber der Welt″. Das Bundesamt für Naturschutz sieht zudem keine Veranlassung dafür, dass die Politik handeln muss, denn die Studie ist die einzig bislang bekannte, die Insektenschlag an Windenergieanlagen mit Insektenrückgang in Verbindung bringt″.

Können Vögel und Insekten vor Windrädern geschützt werden? Es gibt bereits Schutzzonen für Vögel und Abstandsregeln zur Wohnbebauung. Laut Windenergie-Erlass aus dem Jahr 2018 gilt ein Abstand von 1500 Metern zur Wohnbebauung. Dieser kann aber je nach Lärmgutachten variieren. Für die meisten Vogelarten beträgt der Mindestabstand von Nest zu Windpark 1000 Meter. Bei Adlern ist es noch mehr. Was würde eine Ausweitung der Schutzzonen für die Stromerzeuger bedeuten? Die Planung von neuen Windkraftanlagen ist wegen der geltenden Vorschriften ohnehin schon eine komplexe Aufgabe. Der Natur- und Artenschutz ist laut Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, einer der größten Verhinderer in Genehmigungsverfahren. Immer mehr Windenergieprojekte werden von dieser Seite beklagt, was zu langen Verzögerungen und letztlich dazu führt, dass nicht ausreichend Projekte zur Verfügung stehen″, erklärt Axthelm auf Anfrage unserer Redaktion. Eine Ausweitung auf Insekten würde diesen Effekt noch verstärken.″ Da Insekten derzeit nicht planungsrelevant seien, könne er aber nicht sagen, wie hoch der Zusatzaufwand wäre.
Autor:
Konstantin Stumpe


Anfang der Liste Ende der Liste