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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rheiner Landstraße: Bald geht′s los
 
Nach den Sommerferien die Vollsperrung
Zwischenüberschrift:
Rheiner Landstraße als wandernde Baustelle / Anwohner müssen vier Monate anderswo parken
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Regenkanäle, die demnächst in der Rheiner Landstraße verbaut werden, sind mannshoch und tonnenschwer. Irgendwo müssen Material und Geräte gelagert werden, wenn die Arbeiten in der Tiefe stattfinden. Und deshalb halten es die Baustellenplaner für abwegig, den Autoverkehr während der Kanalsanierung durch die Straße zu leiten. In den Sommerferien wollen die Stadtwerke die Baustelle einrichten, wenig später soll es zur Vollsperrung kommen. Auf die Anwohner kommen erhebliche Unannehmlichkeiten zu, und die Autofahrer können sich schon mal auf Umwege einstellen. Der Zeitplan für den Ausbau steht jetzt fest. Ein ausgeklügeltes System soll dafür sorgen, dass die Anwohner nicht länger als vier Monate von einer Baustelle vor dem Haus beeinträchtigt werden.

Osnabrück Mit Beginn der Sommerferien fällt der Startschuss für die Bauarbeiten in der Rheiner Landstraße. Die Vollsperrung folgt dann in der zweiten Augusthälfte. Auf dem 750 Meter langen Abschnitt zwischen Rückertstraße und Mozartstraße wollen die Stadtwerke sämtliche Kanäle und Leitungen erneuern.

23 Monate Vollsperrung diese Ansage sorgt für Unruhe in der Weststadt und am Westerberg. Denn der Verkehr wird während dieser Zeit durch die benachbarten Wohnviertel geleitet. Stadteinwärts geht es über die Straße In der Barlage″, stadtauswärts durch die Wilhelmstraße. Beide Parallelverbindungen werden für die Dauer der Bauarbeiten zu Einbahnstraßen erklärt. Über den westlichen Abschnitt der Wilhelmstraße bisher eine Sackgasse können Rettungsfahrzeuge, Feuerwehr und Busse zum Klinikum gelangen.

Deren Fahrer erhalten einen Sender, mit dem sich eine Schranke öffnen lässt, die am Finkenhügel allerdings noch installiert werden muss. Damit will die Stadt verhindern, dass die Abkürzung von anderen Autofahrern missbraucht wird.

Gravierende Einschränkungen kommen auf die Anwohner der Rheiner Landstraße zu, die direkt von den Bauarbeiten betroffen sind. Sie können ihre Grundstücke zwar jederzeit zu Fuß oder mit dem Rad erreichen, nicht aber mit dem Auto, wie Mike Bohne, der Leiter des Fachbereichs Geodaten und Verkehrsanlagen, betont. Drei oder vier Monate lang müssen die fahrbaren Untersätze außerhalb der heißen Zone″ geparkt werden. Die Suche nach einem geeigneten Standort dürfte noch erschwert werden, weil wegen der Umleitungsstrecken Parkplätze wegfallen. Immerhin soll das Parken in der Barlage und teilweise auch in der Wilhelmstraße erlaubt werden.

Die Planer von Stadt und Stadtwerken haben große Anstrengungen investiert, um die Vollsperrung auf knapp zwei Jahre und die konkreten Einschränkungen der Anwohner auf jeweils vier Monate zu begrenzen. Bohne spricht von einer Wanderbaustelle, die sich von der Rückertstraße aus nach Westen bewegt. Vier Kolonnen sollen in zwei parallelen Abschnitten arbeiten, in der warmen Jahreszeit sogar in anderthalb Schichten von 7 bis 19 Uhr. Um die Belastung der Anwohner so gering wie möglich zu halten, sollen die einzelnen Bauabschnitte nicht länger als 120 Meter werden.

Für den Ausbau der Rheiner Landstraße hatten die Planer zunächst drei Jahre veranschlagt. Wegen der erwarteten Einschränkungen wurden auch Alternativen geprüft, etwa ein Tunnelverfahren, wie es in der Lotter Straße angewendet wurde. Probleme mit dem hohen Grundwasserspiegel und die hohen Kosten ließen die Stadtwerke aber schon bald von diesem Vorschlag abrücken. Auch die Idee von einer einspurigen Verkehrsführung während der Bauarbeiten wurde verworfen. Zum einen wegen der Bäume, die einer Fahrspur weichen müssten, zum anderen, weil der Platz für Baufahrzeuge und Materialien fehlen würde.

Gas-, Wasser, Elektro- und Telekommunikationsleitungen sollen erneuert werden, statt des bisherigen Trennsystems wird es in Zukunft getrennte Kanäle für Schmutz- und Regenwasser geben. Die Betonröhren für das Regenwasser sind mannshoch, mit einem Innendurchmesser von 1, 60 Metern.

Für die Stadt hat der Ausbau der Rheiner Landstraße eine hohe Priorität. Die vorhandenen Kanäle sind stellenweise brüchig, zudem behindern Sedimentablagerungen und eingewachsene Baumwurzeln den Durchfluss. Eine wesentliche Rolls spielt aber auch, dass sie für zusätzliche Schmutz- und Regenwasserfrachten vom Finkenhügel nicht ausreichend dimensioniert sind. Dort, auf der nicht mehr benötigten Trasse für die Westumgehung, plant die Stadt zwei Baugebiete. Sie sind Bestandteil des Programms, mit dem 3000 neue Wohnungen geschaffen werden sollen.

Bildtexte:
Kanalrohre mit 1, 60 Meter Innendurchmesser werden unter der Rheiner Landstraße verlegt. Wer damit hantiert, braucht viel Platz.
UMLEITUNGSVERKEHR: stadtauswärts über die Wilhelmstraße, stadteinwärts durch die Barlage.
Fotos:
imago/ biky

Kommentar
Schimpfen hilft nicht

Ja, sind die denn wahnsinnig geworden? So reagieren viele Menschen, wenn sie hören, dass eine Baustelle für zwei Jahre oder länger ihr Leben verändern wird. Schmutzige Füße, Staub und Lärm, Umleitungen für den Autoverkehr muss man sich das bieten lassen? Betroffenheit lähmt den Blick. Aber solche Unannehmlichkeiten sind der Preis für die vielen angenehmen Dinge, die wir tagein, tagaus in Anspruch nehmen.

Wir fragen nicht nach, wie das T-Shirt in Bangladesch oder das Smartphone in China produziert wird. Für uns ist es selbstverständlich, dass der Pizzabote nach 30 Minuten an der Tür klingelt und der Spielfilm ruckelfrei in Full-HD-Auflösung über den Flatscreen läuft. In unserem Alltag ist es überhaupt kein Thema mehr, wie sauberes Trinkwasser zu uns gelangt und wie es nach Gebrauch geruch- und geräuschlos entsorgt wird.

In dieser arbeitsteiligen Welt bedarf es schon einer Störung, um zu realisieren, wie reibungslos die Dinge um uns herum funktionieren. Und wenn es dann zu einer Unterbrechung der Routine kommt wie demnächst an der Rheiner Landstraße, dann könnte das ja mal ein Anlass sein, über die Vorzüge nachzudenken, die wir genießen. Statt auf die zu schimpfen, die sich abmühen, die unangenehmen Begleiterscheinungen auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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