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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Zum Artikel Kauft die Stadt das Flatauer-Haus doch noch? SPD, Grüne, Nussbaum-Gesellschaft und Bürgerverein wollen Rat umstimmen″ (Ausgabe vom 30. März).

In dem Artikel geht es um den Ratsbeschluss [...], das ehemalige Wohnhaus der jüdischen Familie Flatauer an der Herderstraße 22 nicht zu kaufen. Gegen diesen Beschluss votiert nun die SPD-Fraktion und fordert den Oberbürgermeister dazu auf, die Immobilie doch zu erwerben und dafür Sponsoren zu suchen. Auch die Patin der Stolpersteine Herderstraße 22, Karin Jabs-Kiesler, und der Künstler Manfred Blieffert plädieren [...] dafür , dieses Haus als Ort der Erinnerung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ich war vor Ort bei der Druckaktion von Manfred Blieffert mit seinem Plakat , Herder 22 erhalten! Dieses Haus war eine Heimat′. Jeder konnte selbst das ansprechende Plakat von dem Bauhaus-Gebäude drucken und mit nach Hause nehmen. Ich erfuhr vieles über das Gebäude und die Geschichte der Familie Flatauer.

Entgegen der Äußerung der Verwaltung, dass das Haus in einem , desolaten Zustand′ sei, berichteten mir Anwohner und Nachbarn genau das Gegenteil. Der angeblich feuchte Keller sei trocken, und auch die Innenräume alles andere als desolat! Es gab Passanten, die noch vor dem Leerstand in dem Gebäude gewohnt haben und erzählten, wie repräsentativ sie die Räume erlebt haben. Sie waren entsetzt, dass dieses Haus eventuell abgerissen wird und nur noch ein Stolperstein an die jüdische Familie Flatauer erinnert, die 1938 aus ihrem Haus vertrieben wurde.

Selbstverständlich wurde durch Umbaumaßnamen über die Jahre einiges an der Fassade verändert. Aber das Wesentliche dieses wunderschönen Bauhaus-Gebäudes ist augenscheinlich intakt geblieben und, so wurde mir berichtet, mit relativ geringen Mitteln in den Original-Zustand zurückbaubar.

Völlig unverständlich in dem Artikel und nicht nachvollziehbar ist die Behauptung unseres Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert: , Eine Besichtigung des Hauses durch Fachleute unseres Immobilienbetriebes war ernüchternd.′ Selbst die Original-Eingangstür aus massiver Eiche ist noch vollständig erhalten, und was mich zutiefst berührt hat: Ein Loch links neben der Verglasung ist Zeugnis der Pogromnacht von 1938. Denn ein Stein wurde damals gegen diese Tür geschmettert.

Der Rat der Stadt Osnabrück traf schon einmal in den 80er-Jahren eine unglaubliche Fehlentscheidung, als sie sich gegen den Kauf der Nussbaum-Villa an der Schlossstraße 11 entschied. Genau wie heute wurde dieses Haus mit einer so bedeutsamen Geschichte der Stadt zu einem günstigen Preis angeboten. [...] Kann eine Stadt, die sich , Friedensstadt′ nennt, so mit der eigenen Vergangenheit umgehen? Kann sie es sich erlauben, den gleichen Fehler noch einmal zu machen? Ich kann nur dasselbe dazu sagen, wie mein Künstlerkollege Manfred Blieffert [...] mahnt: , So ein Haus mit so einer Geschichte ist ein steinerner Zeitzeuge.′″

Imelda Többen
Osnabrück

Bildtext:
Mit dem Plakat Herder 22 erhalten! hat der Künstler Manfred Blieffert im Streit um das ehemalige Haus der jüdischen Familie Flatauer eindeutig Stellung bezogen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Imelda Többen


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