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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Maloche beim OKD, Einkauf bei Marquardt
Zwischenüberschrift:
Sonderausstellung im Museum Industriekultur beleuchtet ab Sonntag das Leben in den Sechzigern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Eine Zeitreise in ihre eigene Jugend oder die ihrer Eltern oder Großeltern können ab Sonntag die Besucher des Osnabrücker Museums Industriekultur unternehmen. Die Sonderausstellung Für wen tun wir das denn alles? Leben und Arbeiten in den 60er-Jahren″ im Magazingebäudes ist zugleich informativ und auf eine gewisse Weise sehr persönlich.

Etwas wehmütig stand Museumsdirektor Rolf Spilker beim Pressegespräch am Donnerstag Rede und Antwort. Er sprach wie gewohnt sehr auskunftsfreudig über die Exponate und ihre Hintergründe. Etwas beiläufig erwähnte er dann, dass diese Ausstellung seine letzte ist. Ende des Jahres geht er in Rente.

Doch nicht nur aus diesem Grund ist die Sechzigerjahre-Schau etwas Besonderes für Spilker. Sie liegt auch in meiner Lebenszeit″, so der gebürtige Schinkelaner, der beim Rundgang durch die Ausstellung einige persönliche Erinnerungen und Anekdoten erzählte. Das wird er am Sonntag bei der Eröffnung sicher gerne noch einmal wiederholen.

Die Ausstellung ist eine Gemengelage verschiedener Themen aus der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte″, sagte Spilker. Die Exponate stammen zum größten Teil aus dem Archiv des Museums, aber auch aus dem Privatbesitz von Osnabrückern. Prunkstück ist ein silberfarbener großer Karmann Ghia aus dem Jahr 1961. Aber ein aufmerksamer Blick beim Gang durch die Ausstellung lohnt sich zum Beispiel auch bei den Werbeplakaten, den Küchen- und Wohnzimmermöbeln, den Plattencovern und Filmplakaten sowie den zahlreichen Exponaten aus Industrie und Gewerbe.

Passend zum Hauptthema des Museums nimmt die Arbeitswelt der Sechziger naturgemäß einen besonders großen Raum ein: Das Stahlwerk, Karmann, das OKD-Werk, wo Männer malochten, aber auch Nähereien wie Hammersen oder Gustav Sonntag am Kollegienwall, wo Frauen arbeiteten, die ansonsten in dieser Zeit aber hauptsächlich nicht in Fabriken anzutreffen waren, sondern zu Hause.

Die Sechzigerjahre seien in vielfältiger Hinsicht eine Zeit des Umbruchs gewesen, sagte Spilker. Das manifestierte sich unter anderem an der Konsumfreudigkeit und am Freizeitverhalten. In dem Jahrzehnt, in dem die Beatles berühmt und die Röcke kurz wurden, erwarben sich auch die Osnabrücker mehr Wohlstand. Sie reisten, kauften auf der grünen Wiese im hochmodernen Verbrauchermarkt Marquardt im Fledder ein oder statteten sich bei Rohlfing in der Großen Straße mit Musiktruhen und Fernsehern aus ab 1967 sogar in Farbe.

Durch die Sonderausstellung wird zudem bewusst, dass es viele Parallelen zur Gegenwart gibt. Wohnungsnot war damals wie heute ein Thema in Osnabrück. Spilker zeigte Fotos von Siedlungen an der Mindener Straße. Die größte Wohnung dort war 51 Quadratmeter groß und hatte drei Zimmer. Da hat eine Familie mit drei Kindern gewohnt.″

Auch der dichter werdende Straßenverkehr und seine Schattenseiten war damals sind ebenso ein Thema wie die Angst vor Automatisierung beziehungsweise Digitalisierung: In den Sechzigern wurden erstmalig Roboter in den Betrieben eingesetzt, was einerseits für Zukunft und Modernität stand, andererseits aber so manchen einfachen Arbeiter um seinen Job fürchten ließ.

Die Sechzigerjahre waren auch ein Jahrzehnt, in dem viel gelesen wurde. Das wird im Rahmen des Internationalen Museumstages am Sonntag, 19. Mai, thematisiert. Dann lesen Osnabrücker Prominente wie Fritz Brickwedde oder Kalla Wefel im Pferdestall des Museums Schundliteratur, die damals weit verbreitet war.

Die Ausstellung wird an diesem Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Sie ist im Magazingebäude des Museums Industriekultur am Süberweg 50a mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Sie endet am 6. Oktober. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 0541 122447 oder auf der Homepage des Museums unter der Adresse industriekultur-museumos.de.

Bildtexte:
Wer die Geschichte der Sechzigerjahre erzählt, kommt auch außerhalb Osnabrücks nicht am Karmann Ghia vorbei. Ein silberfarbenes Exemplar ist dann auch das Prunkstück der Ausstellung im Museum Industriekultur.
Für Rolf Spilker ist es die letzte Ausstellung. Er geht in Rente.
Fotos:
Swaantje Hehmann
Autor:
Thomas Wübker


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