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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie ein paar Treppen zum Politikum werden
Zwischenüberschrift:
Streit um barrierefreie Schulerweiterung des Ratsgymnasiums
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Streit um die Erweiterung des Osnabrücker Ratsgymnasiums geht in die nächste Runde. CDU-Fraktionssprecher Fritz Brickwedde betont: Es ist unwahr, dass ich den Sinn von Barrierefreiheit infrage gestellt habe.″ Und die Schule sieht sich in einem völlig falschen Licht dargestellt.

Brickwedde ist für seine Äußerung im jüngsten Immobilienausschuss, derzeit gebe es keine Schüler oder Lehrer am Ratsgymnasium, die auf Barrierefreiheit angewiesen seien, von SPD und Grünen angegriffen worden. Und die Vorsitzende des Osnabrücker Behindertenforums, Petra Mathiske, kritisiert in einem Brief an unsere Redaktion: Ohne Barrierefreiheit im Ratsgymnasium wird es auch keine Menschen mit Behinderungen dort geben, die auf barrierefreie Erreichbarkeit angewiesen sind, weil diese Schule eben nicht barrierefrei ist.″Viele Räume barrierefrei

Nur rund ein Drittel der Klassenräume seien derzeit nicht barrierefrei, betont der stellvertretende Schulleiter Manfred Huesmann. Doch das sei eine Frage der Organisation. Wenn ein Schüler im Rollstuhl das Rats besuchen wolle, sei das kein Problem.

Die Schule soll erweitert werden, um die zusätzlichen 150 bis 180 Schüler aufnehmen zu können, wenn zum Schuljahr 2020/ 21 die Umstellung von G8 auf G9 erfolgt. Zwei Varianten hat die Stadtverwaltung dafür vorgestellt Anbau oder Solitärbau. Welche es wird, ist zum Politikum geworden, das durch die Frage der Barrierefreiheit nun zusätzlich befeuert wird.

SPD und Stadtverwaltung sind für einen 350 000 Euro günstigeren Anbau, der den Vorteil eines Aufzuges hätte, sodass der Altbau bis auf das oberste Stockwerk, in dem sich die Computerräume befinden, auch für Rollstuhlfahrer zugänglich wäre.

Die Schule besteht aus drei Gebäudekomplexen: erstens diesem Altbau, dessen viele Treppen Barrieren für Rollstuhlfahrer darstellen, zweitens aus einem separaten Erweiterungsbau von 2005, der einen Aufzug hat. Und drittens aus dem Fachklassentrakt für die Fächer Kunst und Naturwissenschaften, der über einen Aufzug verfügt und mit dem Altbau verbunden ist das Problem sind hier sechs Treppenstufen, die eine Barriere darstellen. Bibliothek und Musikraum sind ebenerdig erreichbar.

Brickweddes CDU-Fraktion ist dafür, entsprechend dem Wunsch der Schule einen barrierefreien Solitärbau an der Grenze zum Schlossgarten zu bauen. Die Schule argumentiert vor allem mit einer räumlichen Auflockerung, wenn sich die Schüler auf ein weiteres Gebäude verteilen könnten, denn im Altbau sei es jetzt schon sehr voll und laut. Lehrer, Eltern und Schüler sind sich da einig″, sagt Huesmann. Wir alle hier am Ratsgymnasium haben die Vor- und Nachteile verschiedener Bauvarianten sorgfältig gegeneinander abgewogen.″ Die Lehrer würden sogar auf ein größeres Lehrerzimmer verzichten, das der Anbau mit sich brächte.

Brickwedde betont nun in einer Pressemitteilung zum Thema Barrierefreiheit: Für den Altbau habe ich eine Rampe im Übergang vom B- zum A-Gebäude vorgeschlagen, damit alle Rollstuhlfahrer Schulverwaltung und Aula erreichen könnten.″ Wegen seiner Äußerung, die Frage der Barrierefreiheit sei für die Entscheidung über Anbau oder Solitär ein Scheinproblem, war er angegriffen worden.

Eine Rampe habe die Schule an dieser Stelle schon oft eingefordert, sagt der stellvertretende Schulleiter Huesmann. Dann wären auch Lehrerzimmer und Aula für Rollstuhlfahrer erreichbar, und die Stadt habe der Schule gesagt, sobald Bedarf bestehe, könne die Rampe installiert werden. Ludger Rasche vom Fachbereich Immobilien sagte unserer Zeitung auf Nachfrage jetzt allerdings, dass das gar nicht gehe. Durch die anderthalb Meter Höhenunterschied sei eine fast 18 Meter lange Rampe notwendig und dafür ist kein Platz.

Brickwedde weist auch den Vorwurf der Grünen zurück, die CDU habe sich gegen den Anbau positioniert, als noch nicht alle Fakten bekannt gewesen seien. Das ist unwahr. Bei einem Vororttermin und in Gesprächen mit der Verwaltung haben wir alle Fakten erhalten.″ Unwahr sei auch die Behauptung der Grünen, bekannte CDU-Funktionäre seien Mitglied im Schulelternvorstand″ des Ratsgymnasiums. Tatsächlich ist kein einziger CDU-Funktionär Mitglied des Schulvorstandes oder des Elternrates.″ Niemand von der CDU habe Einfluss genommen auf das Votum der Gesamtkonferenz. Brickwedde: Wir respektieren es aber, wenn eine Schule mit 99 zu 1 gegen den Anbau stimmt.″

Die Schule muss nun abwarten, wie sich der Osnabrücker Rat am 30. April entscheidet. Wir fühlen uns ziemlich zerrieben zwischen den Parteien″, sagt der stellvertretende Leiter Huesmann. Und auch die Schüler ärgern sich über den Streit: Dass die ganze Sache zu einem Politikum geworden ist, ist schade und wird sich sicherlich nicht positiv auf die schnelle Verwirklichung des Baus auswirken″, schreiben Hannes Both und Richard zur Heide, Mitglieder der Schülervertretung, in einem Brief an unsere Redaktion.

Bildtext:
Der Übergang vom barrierefreien Fachklassentrakt zum treppenlastigen Altbau, in dem sich Lehrerzimmer und Schulaula befinden, ist eine Hürde für Rollstuhlfahrer.
Foto:
Sandra Dorn
Autor:
Sandra Dorn


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