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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bedarf an Kita-Plätzen steigt weiter
 
Wohin mit dem Kind?
Zwischenüberschrift:
Wie die Stadt plant und warum das oft nicht aufgeht
 
Diskussion im Bürgerforum: Eltern in Hellern warten auf Kita-Plätze
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Schon jetzt kommt die Stadt mit dem Ausbau des Kita-Platzangebots nicht hinterher. Neben Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Bauvorhaben erschweren drei Faktoren die Planungen zusätzlich.
Osnabrück Mehr als 1000 zusätzliche Betreuungsplätze hat die Stadt seit 2011 geschaffen. Auf Grundlage von Prognosen sind bis 2023 190 weitere Krippenplätze nötig und 394 Kindergartenplätze. Das sind die Schwierigkeiten dabei:

Flexible Einschulung: Bei 141 Kindern, die in der Zeit zwischen dem 1. Juli und 30. September ihren sechsten Geburtstag feiern, haben die Eltern den Kitas Ende Januar 2019 gemeldet, dass sie ihr Kind erst im nächsten Jahr zur Schule schicken wollen. Sprich: Diese Flexi-Kinder bleiben möglicherweise im Kindergarten, und ihre Plätze werden nicht frei für jüngere. Endgültig entscheiden müssen sich die Eltern aber erst bis zum 1. Mai. Und so lange bleibt offen, wie viele Plätze vielleicht doch noch frei werden. Die Verwaltung plant derzeit mit der Hälfte.

Inklusion: Für Kinder mit Handicap oder Entwicklungsverzögerung gibt es in Osnabrück immer mehr Möglichkeiten, zusammen mit Mädchen und Jungen ohne Behinderung betreut zu werden. 142 Plätze in sogenannten integrativen Gruppen gab es 2014, 2018 waren es schon 183.

Das gemeinsame Spielen hat für alle Kinder etliche Vorteile, für die Stadt allerdings rechnerisch einen Nachteil: Statt 25 Kindern dürfen in einer integrativen Kindergartengruppe nur 18 Kinder betreut werden, bei den kleineren Krippenkindern wird die Gruppengröße pro Integrationskind um einen Platz reduziert und so fehlen der Stadt 305 Betreuungsplätze.

Dass die Inklusion am Kindergarten eine gute Sache ist, stellt niemand im zuständigen Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien infrage. Aber wenn das dazu führt, dass die Stadt Geld in die Schaffung weiterer Kindergartenplätze stecken muss, müsste das Land Niedersachsen eigentlich einen Investitionskostenzuschuss geben, findet Fachbereichsleiter Hermann Schwab. Denn: Geld gibt es derzeit nur für die Schaffung weiterer Krippenplätze.

Personalmangel: Immer häufiger kommt es vor, dass Osnabrücker Kindertagesstätten die Betreuung einschränken müssen. Vor allem kurzfristige Ausfälle von Erziehern durch Krankheit können kaum noch kompensiert werden. Die Eltern bekommen den Personalmangel also direkt zu spüren. Allein an den acht städtischen Kitas sind derzeit sieben Stellen unbesetzt alle befristet. Die Stadt argumentiert bei den Befristungen mit sogenannten Sachgründen wie Elternzeit oder befristeten Förderprogrammen.

Ole Spitzer, selbst Erzieher, Verdi-Mitglied und Personalrat der Stadt, sieht das anders: Das hat mit Sachgründen nichts zu tun, das ist Ermessensspielraum.″ Auch tariflich nutze die Stadt ihre Handlungsspielräume nicht aus. Die Stadt könnte mehr zahlen″, so Spitzer. Im ersten Jahr verdienen Vollzeit-Erzieher nach vierjähriger Ausbildung, für die sie Schulgeld zahlen mussten, 2300 Euro brutto. Nach 25 Berufsjahren sind 700 Euro brutto mehr drin das war′s.

Vor der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch machten Ole Spitzer, weitere Verdi-Mitglieder und Vertreter mehrerer Kitas auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam. Es sind größtenteils Idealisten, die den Beruf ergreifen″, so Spitzer.

Bildtext:
In Hellern wird die Stadt in den frei werdenden Containern der Grundschule Hellern Notfallplätze schaffen.
Foto:
Jörn Martens

Die Eckdaten
Krippenplätze: Seit 2012 plant die Stadt, für 60 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze vorzuhalten. 2018 nahmen schon 58 Prozent der Krippenkinder eine Betreuung in Anspruch. Es könne sein, dass es in diesem Jahr mehr als 60 Prozent sein werden, sagt Fachbereichsleiter Hermann Schwab. Auf Basis der Planungsquote findet der Ausbau statt und im Laufe dieses Jahres wird der Rat wohl darüber abstimmen, die Quote zu erhöhen und noch mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Kindergartenplätze: Bei den über Dreijährigen strebt die Stadt eine 100-prozentige Versorgung an. Die Nachfrage ist da. Heute nehmen schon 90 Prozent der Dreijährigen eine Betreuung in Anspruch″, sagt Schwab. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders, da waren wir bei 40 bis 50 Prozent.″

Ganztag: Die durchschnittliche Betreuungsdauer ist auch 2018 weiter gestiegen, und zwar auf 7, 7 Stunden täglich. 2009 waren es 6 Stunden.

Osnabrück In Hellern haben sich viele Paare nicht an frühere Prognosen gehalten: Der Kindersegen übersteigt das Platzangebot in den Kindertagesstätten Martin und St. Wiho. Ausweichmöglichkeiten in benachbarten Stadtteilen sind rar. Eltern diskutierten im Bürgerforum mit der Verwaltung.

Der Platzmangel hat Folgen für Familien, die kaum noch dem traditionellen Rollenbild mit dem Vater als Geldverdiener und der Mutter als Hausfrau folgen wollen oder können. Es geht um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nach Zählung der Verwaltung sind laut Fachdienstleiter Marcus Luttmer in Hellern 52 Kinder noch ohne Platz in einer Kita. Doch einige Eltern befürchten, dass es mehr sind: So sei nicht klar, ob alle Familien, die bisher leer ausgegangen sind, tatsächlich am Ball bleiben und sich bemerkbar machen. Wie viele Kinder tatsächlich unversorgt bleiben, dürfte sich im Laufe der kommenden Wochen zeigen. Aber jenseits der Zahlen geht es um die Auswirkungen auf die Familien.

Fünf Mütter hatten das Thema für die Tagesordnung angemeldet. Sie machten klar, wie dringlich das Thema für sie ist. Eine von ihnen ist Jacqueline Hamilton. Sie appellierte an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert: Sie müssen verstehen, dass wir Eltern Angst haben.″ Für viele gehe es um die berufliche Zukunft. Wir leben in Ungewissheit. Manche haben einen Platz bekommen, andere warten und wissen nicht, woran sie sind.″ Griesert antwortete: Ich verstehe Sie.″ Nora Stach betrachtete die Situation auch aus einer anderen Perspektive: Hunderte Mütter werden dem Arbeitsmarkt in Osnabrück unfreiwillig nicht zur Verfügung stehen!

Ein Vater stellte fest, dass auch mit einem Platz in der Kita das Problem noch nicht ganz gelöst sei: Bei einer Betreuungszeit von vier Stunden am Tag darauf besteht in Niedersachsen der Rechtsanspruch könne er netto nur drei Stunden arbeiten gehen. Was nicht immer zufriedenstellend ist″, ergänzte Griesert. Die Auswirkungen verschiedener Art seien ihm bekannt, bis hin zu einem Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel. Wir versuchen, so weit wie möglich eine Betreuung jenseits der vier Stunden anzubieten.″

Was den Planern und den Familien etwas Druck nehmen dürfte, ist der Neubau der Grundschule Hellern, denn nach den Sommerferien benötigen die Schüler und die Lehrer nicht mehr die Container auf dem Gelände an der Großen Schulstraße. Dann will die Stadt sie als Provisorien für Kindertagesstätten nutzen. Im Bürgerforum sagte die CDU-Politikerin Anette Meyer zu Strohen: Das ist ein großes Glück für den Übergang.″ Sie plädierte dafür, die Container da stehen zu lassen, wo sie sind″, denn dort seien sie ja bereits an Wasser und Strom angeschlossen.

Das Ende der Sitzung war nicht das Ende des Themas. Nach dem Bürgerforum beschrieb Jacqueline Hamilton ihre Situation. Sie weiß nicht, ob es für ihr Kind einen Platz in einer Kita geben wird und: Wann kann ich meinem Arbeitgeber sagen, wann ich wiederkomme? Gunda Meyer zu Venne berichtete, dass Familien in solchen Situationen in finanzielle Bedrängnis geraten können. Und Nora Stach befürchtet, dass sie mit ihren zwei Kindern ihr Studium nicht fortsetzen kann. Margaret Kather brachte die Entwicklung für die Kinder ins Spiel: Es geht auch um die sozialen Kontakte. Wenn Kinder drei Jahre alt sind, müssen sie auch mit anderen spielen.″
Autor:
Sandra Dorn, Jann Weber


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