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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zu wenig Kita-Plätze in Osnabrück
 
Container gegen Kitaplatz-Mangel
Zwischenüberschrift:
Stadt plant Übergangslösungen / Diverse Neubauten und Erweiterungen verzögern sich
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Hunderte Familien in Osnabrück zittern derzeit, ob sie für ihren Nachwuchs in diesem Jahr ab August noch einen Krippen- oder Kindergartenplatz bekommen. Diverse Aus-, Um- oder Neubaupläne haben sich verzögert, sodass die Nachfrage jetzt viel höher ist als das Platzangebot. Zum Stichtag 1. April hatten 680 Kinder noch keine einzige Zusage erhalten. Vier Wünsche durften die Eltern beim neuen Online-Anmeldeverfahren angeben. Die Kitas entscheiden autonom, welche Kinder sie aufnehmen. Bekommen die Eltern von ihrer ersten Wunschkita eine Absage, landet die Anmeldung beim Zweitwunsch und so weiter. Am 18. April wird das Nachrückverfahren beendet. Die Verwaltung plant bereits, an mindestens acht Standorten übergangsweise Container aufzustellen.

Was sich seit Anfang März angedeutet hat, wird mehr und mehr zur Gewissheit: Osnabrück hat in diesem Jahr erheblich zu wenige Kita-Plätze. Den Mangel will die Stadt nun übergangsweise mit Containern an mindestens acht Kita-Standorten beheben. Das gab es noch nie.
Osnabrück Die Eltern von 226 Kindern haben sich mittlerweile beim Familien- und Kinderservicebüro der Stadt gemeldet, weil sie bei der Platzvergabe leer ausgegangen sind so viele wie nie zuvor. Den 226 Betroffenen stehen aktuell 35 freie Plätze gegenüber. Die Zahl der Kinder, die am Stichtag 1. April noch keinen Platz hatten, ist mit 680 noch höher das Online-Anmeldeverfahren wird allerdings erst am 18. April abgeschlossen sein, sodass die Stadt hofft, dass viele von ihnen im Nachrückverfahren doch noch einen Platz bekommen.

Aber so oder so ist klar: Die vorhandenen Krippen- und Kindergartenplätze reichen nicht. Hat sich die Stadt komplett verkalkuliert?

Die Not wäre in diesem Jahr nicht so groß, wenn alle geplanten An- und Neubauten so fertig geworden wären, wie die Stadt es ursprünglich geplant hatte. Hermann Schwab, Leiter des Fachbereichs für Kinder, Jugendliche und Familien, begründet das mit den strengen Auflagen der Bauordnung und dem derzeitigen Bauboom: Wenn bei der Ausschreibung etwas dazwischenkommt und man nicht die Handwerker bekommt, die man braucht, stehen die Plätze jetzt nicht zur Verfügung″, so Schwab.Ausbau stockt

Das prominenteste Beispiel ist die Landwehrkita im Neubaugebiet. Im August 2016 beschloss der Osnabrücker Rat den Neubau. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2018 geplant, doch von der Kita ist noch nichts zu sehen. Jetzt hoffen Schwab und sein Team, dass in diesem Sommer zumindest die Grundsteinlegung gelingt. Die Kita wird zudem rund 1, 4 Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. 24 Krippen- und 100 Kindergartenplätze sollen dort entstehen.

Aber auch Anbauten und kleinere Erweiterungen stocken. So sollte etwa die Kita St. Maria Rosenkranz in Schinkel-Ost in diesem Jahr zwei neue Krippengruppen für 24 Kinder in Betrieb nehmen. Ein massives Rattenproblem kam dazwischen, jetzt wird die Erweiterung erst 2020 kommen. Und die Pläne für einen zweiten Waldorfkindergarten in Atter sind im Papierkorb gelandet. Eine breitere Zufahrt sei nötig geworden, ein Lärmgutachten sollte erstellt werden. Schwab: Der Standort hat sich jetzt erledigt.″

Die Liste ließe sich fortführen. Und so gibt es dieses Jahr nur 24 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren und gar keine für Kinder über drei. Bis 2020 sollen dann 296 Plätze hinzukommen, von denen die meisten aber schon für dieses Jahr geplant waren.

Am größten ist der Bedarf derzeit im Westen der Stadt, zu dem Schwabs Team die Stadtteile Hellern, Westerberg, Weststadt, Wüste und Innenstadt zählt. Hier haben sich 15 Prozent der Familien bereits beim Kinderservicebüro gemeldet, weil sie keine einzige Zusage bekommen haben. 94 Kinder sind dort unversorgt, betroffen sind Mädchen und Jungen unter drei Jahren ebenso wie über drei. An mindestens zwei Kita-Standorten will die Stadt im Westen daher zusätzliche Container aufstellen. Dabei kann sie auf die Container zurückgreifen, die bislang an der Grundschule Hellern standen. Sie werden in den Sommerferien frei, weil die Schule dann einen Neubau in Betrieb nimmt.

In den übrigen Stadtteilen ist die Situation ebenfalls angespannt. Aus dem Norden (Atter, Pye, Eversburg, Hafen, Haste, Sonnenhügel und Dodesheide) haben sich die Eltern von 53 Kindern ans Servicebüro gewandt, aus dem Osten (Gartlage, Widukindland, Schinkel, Schinkel-Ost, Fledder und Darum/ Gretesch/ Lüstringen) waren es 48 und aus den südlichen Stadtteilen (Sutthausen, Kalkhügel, Schölerberg, Nahne, Voxtrup) waren es bislang 33.

Container will die Stadt möglichst bei solchen Kitas aufstellen, die ohnehin eine Erweiterung planen.

Bleibt die Frage, ob angesichts des Erziehermangels überhaupt genügend Personal zu finden ist. Marcus Luttmer, Fachdienstleiter Kinder, zeigte sich in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwochabend zuversichtlich: Ich würde keine Container planen, wenn ich nicht glauben würde, dass wir das nötige Fachpersonal kriegen.″

Uns ist allen bewusst, in welcher Not sich die Familien befinden″, betonte die Ausschussvorsitzende Eva-Maria Westermann (CDU). „ Ich konnte mich persönlich davon überzeugen, dass die Verwaltung mit Hochdruck arbeitet.″

Um den Bedarf abzuschätzen, hantiert die Verwaltung mit Bevölkerungsprognosen und tatsächlichen Zahlen, die sie immer zum Stichtag 1. Oktober erhebt. Jetzt liegen die Zahlen von 2018 vor und eine Entspannung ist nicht in Sicht. Der Bedarf steigt weiter an″, sagt Schwab.

Bildtext:
Die Grundschule Hellern wird diese Container nach den Sommerferien nicht mehr benötigen, denn dann kann sie den Neubau beziehen und die Stadt kann die Container übergangsweise nutzen, um weitere Kita-Plätze zu schaffen.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Opfer des Baubooms

Bislang ist die Stadt von Klagen verschont geblieben ob sich das in diesem Jahr ändert? Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind, und Osnabrück wird wohl nicht allen einen Platz bieten können.

Es wäre zu einfach, der Verwaltung vorzuwerfen, sie hätte sich verkalkuliert. Das hat der zuständige Fachbereich gar nicht. Die Planungen sahen so aus, dass es schon ab Sommer 2019 grob überschlagen 300 Plätze mehr geben sollte. Es sind diese Plätze, die jetzt fehlen.

Der Ausbau stockt, weil einerseits die Auflagen immer strikter werden, sodass manche Ideen im Keim erstickt werden. Ist andererseits ein Bauvorhaben genehmigt, dann sind die Auftragsbücher der Baufirmen so voll, dass die Stadt es schwer hat, überhaupt an Handwerker zu kommen. Und so werden die Familien, die dringend einen Betreuungsplatz benötigen, Opfer des derzeitigen Baubooms.

Knauserig ist die Stadt in Fragen des Krippen- und Kindergartenausbaus nicht. Wann immer die Verwaltung Geld für An-, Um- oder Neubauten benötigt, heben die Ratsmitglieder bereitwillig die Hände. Aber zwischen Planung und der Eröffnung liegen inzwischen gut und gerne vier Jahre. Das ist angesichts der Dynamik bei der Inanspruchnahme von Kita-Plätzen viel zu langsam.

E-Mail: s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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