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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zehn Jahre tierisches Treiben im Boden
Zwischenüberschrift:
Der „Unterirdische Zoo″ in Osnabrück feiert Geburtstag / Sieben Millionen Besucher seit Eröffnung
Artikel:
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Originaltext:
Am Mittwoch feierte der Osnabrücker Zoo Geburtstag: Zehn Jahre hat der Unterirdische Zoo″ nun auf dem Buckel. Die Tierwelt mit Nacktmullen, Fledermäusen und Ratten hat sich für den Zoo im Rückblick mehr als ausgezahlt.

Osnabrück Seit zehn Jahren schlängeln sich nun die 120 Meter langen Gänge durch das Stollenlabyrinth. Zwischen den Stützbalken, Baumwurzeln und aus der Decke ragenden Findlingen tummeln sich hinter Glas die naturgetreuen Nester und Höhlensysteme. Sie beheimaten zurzeit über 200 Tiere über zehn verschiedener Tierarten. Darunter Nackt- und Graumulle, Fledermäuse, Ratten und Präriehunde. Für die Besucher fühle es sich an, als seien sie direkt im Bau der Tierfamilien dabei″, beschreibt Pressesprecherin Lisa Josef den Besuch im Unterirdischen Zoo.Überzeugungsarbeit

Eröffnet wurde der Unterirdische Zoo″ am 25. März 2009. Die Errichtung der in etwa 500 Quadratmeter großen Tierwelt kostete seinerzeit 1, 2 Millionen Euro. Damit das kostspielige Projekt überhaupt realisiert werden konnte, war innerhalb der Zoogesellschaft viel Überzeugungsarbeit nötig″, blickte Zoopräsident Reinhard Sliwka bei der Geburtstagsfeier zurück. Die Tierwelt unter der Erde ist nämlich direkt an das Schölerberg Museum angebunden, dass sich in städtischer Trägerschaft befindet. Kritiker hätten damals befürchtet, dass der Zoo zunehmend kommunalisiert werden. Damals wie heute beruhigte Fritz Brickwedde, ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat und Unterstützer der ersten Stunde die Gemüter.

Die direkte Verbindung zum Museum und der dort ansässigen Ausstellung unter.welten das Universum unter unseren Füßen″ sei ein Schlüsselelement, betonte Brickwedde bei der Geburtstagsfeier. Durch den Unterirdischen Zoo″ habe man so die Bodenausstellung mit lebenden Beispielen ergänzen können″. Das Medium Boden″ stehe ohnehin viel zu selten im Fokus, wenn es zum Beispiel um Umweltverschmutzung gehe. Als Bildungs- und zugleich Vergnügungsstätte greife der Unterirdische Zoo″ dieses Problem auf.

Wer bei einem Besuch nicht nur staunen, sondern auch verstehen will, könne sein Wissen über die Tierarten durch Infoterminals mit Touchscreen, Hörstationen und Tierfilme erweitern, erklärte Pressesprecherin Lisa Josef. Darüber hinaus stünden zahlreiche Zoopädagogen zur Verfügung, um den oftmals jüngeren Besuchern die tierische Bodenwelt näher zu bringen.

Gefördert wurde der Bau durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Allianz Umweltstiftung und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Insgesamt 850 000 Euro Fördergelder flossen in das ambitionierte Projekt. Die restlichen 350 000 Euro Eigenanteil habe der Zoo bereits nach etwa sieben Wochen wieder eingespielt, so Zoopräsident Sliwka.

Der Erfolg des wohl wichtigsten Projektes der Osnabrücker Zoogeschichte″, wie es die Verantwortlichen nennen, übertrug sich auf den gesamten Zoo. Bereits in den ersten Jahren entfaltete das unterirdische Tierreich seine Wirkung. 2009 verbuchte der Zoo 100 000 Besucher mehr als im Vorjahr. Die Eintrittserlöse stiegen im Zuge dessen um 800 000 Euro, und zwischen 2009 und 2010 gab es bereits 13 000 Jahreskartenbesitzer mehr. Einer eigens durchgeführten Umfrage zufolge hat der Unterirdische Zoo″ in den zehn Jahren seit Eröffnung etwa sieben Millionen Besucher verzeichnet. Doch damit nicht genug, blickte Lisa Josef zurück auf einen weiteren Meilenstein.

Obwohl der 2017 begonnene Bau zunächst dem einer Tiefgarage geglichen habe, so Revierleiter Oliver Schüler, entwickelte sich die unterirdische Tierwelt (glücklicherweise) nicht zu einer grauen Erlebniswelt aus Beton. Ideengeber und Zoogeschäftsführer Andreas Busemann habe außergewöhnliche und authentische Kulissen angestrebt, damit bei den Besuchern ein Indiana-Jones″-Entdeckergefühl entstehe. Vier verschiedene Bodenarten habe man deshalb verarbeitet, unter anderem einen roten Boden, der typisch für viele afrikanische Landschaften sei.

Für Revierleiter und Tierpfleger Schüler habe die Herausforderung vor allem darin bestanden, die unterirdische Erlebniswelt mit dem Tierwohl und der kontinuierlichen Reinigung aller Bereiche zu vereinbaren. Die Tiere seien besonders empfindlich für Geräusche und Erschütterungen. Deshalb habe er ein Schubladensystem mit zusätzlichem Steckrohrsystem entwickelt. Dadurch müssen die Tiere bei der Reinigung nicht rausgeholt und somit nicht gestresst werden″, betonte Schüler.Wandel in der Unterwelt

In den zehn Jahren seit Eröffnung habe es bereits kleine Veränderungen in der unterirdischen Tierwelt gegeben, sagte Schüler. 2017 sei so aus einem Informationsbereich eine Höhle gebildet worden, in die 49 Fledermäuse einzogen. Trotz der neuen Bewohner bleibe jedoch der Nacktmull das prominenteste Mitglied der tierischen Unterwelt. Nun wollen die Verantwortlichen den Status quo″ erhalten. Bis auf den baldigen Einzug eines Hummelvolkes seien vorerst keine weitere Veränderungen geplant, so der wissenschaftliche Kurator Andreas Wulftange.

Bildtexte:
Er ist der runzelige Star im Höhlensystem: der Nacktmull. 52 der kleinen Nagetiere gibt es insgesamt im Zoo zu sehen. Zum Jahrestag gab es Marzipantorte. Mit dabei: der wissenschaftliche Kurator Andreas Wulftange, Revierleiter Oliver Schüler, Zoopräsident Reinhard Sliwka und der ehemalige DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde (v. l.).
Eine abenteuerliche Kulisse erwartet Besucher in den Tiefen der Tierwelt unter der Erde.
Marzipantorte zum Jahrestag und für die erfolgreichen zehn Jahre: (v.l.) Wissenschaftlicher Kurator Andreas Wulftange, Revierleiter Oliver Schüler, Zoopräsident Reinhard Sliwka und der ehemalige DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Felix Westhoff


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