User Online: 1 | Timeout: 20:39Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zuwendung, Zuneigung, Zeit
Zwischenüberschrift:
Das Paulusheim an der Magdalenenstraße hat sich seit 1925 immer wieder neu erfunden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ein Haus in Bewegung″ ist das Paulusheim an der Magdalenenstraße im Stadtteil Schölerberg, meinte ein Chronist. Er bezog das auf die ständige Suche nach neuen, besseren Pflegekonzepten. Die Beschreibung passt aber auch auf die häufigen Erweiterungen und baulichen Veränderungen.

Osnabrück Klein und bescheiden fängt alles an. Drei Ordensmänner von der Genossenschaft der Paulus-Brüder werden 1925 von ihrem Mutterhaus in Queichheim/ Pfalz nach Osnabrück entsandt, um sich um alleinstehende, betagte und kränkelnde Männer″ zu kümmern.

An der Magdalenenstraße 49 steht die Michaelisburg″, eine großzügige, aber etwas vernachlässigte Villa der Geschwister Dieckmann. Die älteren Herrschaften sind bereit, sich von ihrem Anwesen zu einem Anerkennungspreis zu trennen, wenn es denn zukünftig karitativen Zwecken dient. Man wird sich handelseinig. Die Paulus-Brüder übernehmen das Haus, beginnen am 25. Mai 1925 mit der ambulanten Krankenpflege und richten bald darauf das Männerwohnheim Paulusstift″ mit 45 Plätzen in Mehrbettzimmern ein.

Die Raumverhältnisse erweisen sich aber als unzureichend. Mit Unterstützung des Osnabrücker Bischofs Wilhelm Berning wird 1934 die alte Michaelisburg″ abgerissen und an gleicher Stelle nach Plänen des Architekten Feldwisch-Drentrup ein neues Heim in zeitgemäßem Standard gebaut. Es ist der noch jetzt vorhandene Altbau, der an den Johannisfriedhof grenzt. Hinzu kommt eine Kapelle mit 100 Sitzplätzen, die im rechten Winkel angebaut ist. Die Pflege liegt weiterhin in Händen der mittlerweile zwölf Paulus-Brüder.

Doch mit Kriegsbeginn wird der größte Teil der Brüder zur Wehrmacht eingezogen. Die verbleibenden vier Männer können die Aufgaben nicht bewältigen. Die Machthaber im NS-Staat legen dem noch unabhängigen Paulusstift alle möglichen Steine in den Weg, sodass es 1941 kurz vor dem Konkurs steht. Bischof Berning schaltet sich ein und leitet die Umwandlung in eine GmbH in die Wege. Damit gerät das Heim de facto in bischöflichen Besitz und wird so dem Zugriff des Staates entzogen. Den Pflegenotstand″ mildern Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens, die auf Veranlassung des Bischofs vom Gut Nette entsandt werden. Zunächst kümmern sie sich um Haushaltsführung, Küche und Wäsche, während die verbliebenen Brüder weiterhin die Pflege der Männer leisten sowie Viehzeug und Garten versorgen.

Palmsonntag 1945 wird das Heim von einer Luftmine und Brandbomben schwer getroffen. Dachgeschoss und Kapelle brennen aus, drei Bewohner sterben. Eine Notunterbringung wird im Marienheim Sutthausen organisiert.

Nach Kriegsende gelingt allem Materialmangel zum Trotz relativ schnell die Reparatur des Daches. Am 1. Dezember 1945 können die ersten Bewohner das Asyl im Schloss Sutthausen verlassen und wieder zur Magdalenenstraße zurückkehren. Bald darauf endet aber auch der mehr als 20-jährige selbstlose Einsatz der Paulus-Brüder. Das Mutterhaus ruft 1948 Bruder Clarus zurück, der als letzter Ordensvertreter vor Ort war. Die Netter Schwestern übernehmen jetzt auch die Pflege der Männer und die Verwaltung des Hauses.

Ab 1964 ist der Bischöfliche Stuhl offiziell Träger des Hauses. Er stellt die Mittel für einen dringend notwendig gewordenen Erweiterungsbau zur Verfügung. Der entsteht von 1972 bis 1974 und bietet helle, geräumige Räume, die anders als die bisherigen Zimmer über eigene Badezimmer verfügen. Und es gibt nun einen Fahrstuhl. Die alte Kapelle muss dem Neubau weichen, eine neue findet an der Nordwestseite des Gebäudes Platz. Gleichzeitig geht die Geschichte des reinen Männerwohnheims zu Ende, erstmals werden auch Frauen aufgenommen. Die Gesamtzahl der Plätze steigt nur″ auf 52, weil jetzt auch Einzelzimmer vorgesehen sind.

1992 bitten die Ordensschwestern, wegen Personalmangels die Leitung des Hauses abgeben zu können. Der Bischöfliche Stuhl setzt Franz Paul ein, der den Leitungsposten bis heute innehat. Die Paulus-Brüder sind weg, aber jetzt haben wir wenigstens wieder einen Paul, witzelt man auf den Fluren.

Paul bringt neue Ideen nach vorne, er will mehr als die Pflege nach dem berühmt-berüchtigten SOS″-Prinzip also sauber, ordentlich, satt. Er verfolgt stattdessen neuzeitliche Pflegekonzepte, die Selbstbestimmtheit und Individualität der Bewohner fördern, will überschaubare Wohngruppen, generationenübergreifende Kontakte und Begegnungsstätten″.

Die Gelegenheit zur Umsetzung bringt der Erweiterungsbau 1993–1996. Mit der bogenförmigen Gestaltung der Westfassade setzt das Architekturbüro Braun aus Düsseldorf einen städtebaulichen Akzent. Die Stadt beteiligt sich mit 20 Prozent an dem 10, 6-Millionen-DM-Projekt erspart es ihr doch eigene Investitionen in Pflegeplätze. Auch das Land gibt zwei Millionen. Die Fernsehlotterie Die Goldene 1″ der ARD schickt 400 000 DM nach Osnabrück, weil sie insbesondere die neuen Wohnformen als förderungswürdig ansieht. Mit dem Neubau hat sich die Kapazität auf jetzt 92 stationäre Plätze fast verdoppelt. Erstmalig sind Kurzzeit- und Tagespflege berücksichtigt.

Ihr spinnt! heißt es von vielen Seiten, als Heimleiter Franz Paul und Johannes Baune vom Bischöflichen Stuhl vorschlagen, aus der reinen Alteneinrichtung ein Wohnpflegeheim für mehrere Generationen zu machen. Doch die Idee setzt sich schließlich durch: Zwischen 2003 und 2005 entsteht ein weiterer Anbau, der 26 Plätze für junge Dauerpflegebedürftige wie etwa MS-Kranke oder Wachkomapatienten bietet, daneben 19 Plätze für demenzkranke Senioren, 15 Einheiten für betreutes Wohnen und einen Trakt mit Praxen für Ärzte, Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten.

Das innovative Konzept wird hochgelobt. Zur Einweihung am 6. April 2005 begrüßen die Spinner″ eine große und illustre Gästeschar, darunter Bischof Franz-Josef Bode und Ministerpräsident Christian Wulff. Nach dem offiziellen Teil wird weitergefeiert, dem Vernehmen nach auch mit Saurem Paul″, den Franz Paul und sein Bruder, der Generalvikar Theo Paul, anlassbezogen schon mal einschenken.

Bildtexte:
Der Neubau von 1934, der heute der Altbau ist: das Paulusheim an der Magdalenenstraße, gesehen von der Gartenseite. Im linken Trakt befindet sich die Hauskapelle. Die Ansichtskarte der Druckerei A. Fromm entstammt der Sammlung von Helmut Riecken.
Die Erweiterungsbauten von 1973 (links) und 1994 (rechts) verdecken heute die Rückseite des Altbaus.
Grundsteinlegung des Neubaus durch Bischof Wilhelm Berning am 12. August 1934.
Fotos:
Bistumsarchiv Osnabrück, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste