User Online: 1 | Timeout: 11:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum Entenfüttern schädlich ist
Zwischenüberschrift:
Naturschützer warnen vor Folgen für das Ökosystem
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Im Wüstensee in Osnabrück schwimmen an manchen Tagen mehr Brotreste als Wasservögel. Naturschützer warnen, denn was für viele Menschen ein harmloser Zeitvertreib ist, kann für Tiere und Ökosystem fatale Folgen haben.

Osnabrück Die von einem Spaziergänger gefilmte Szene am Wüstensee an der Osnabrücker Jahnstraße mutete dramatisch an: Ein Berg von Toastbrotstücken lag zwischen den Wasservögeln auf dem Gehstreifen, der das kleine Gewässer umgibt. Eine der Enten schlang derartig große Stücken herunter, dass man Angst bekam, sie würde gleich daran ersticken.

Für die Ente ging die Mahlzeit an diesem Tag glimpflich aus fürs Erste jedenfalls. Denn das Füttern der Tiere mag von Menschen als schöne, vielleicht sogar tierliebe Aktion empfunden werden. Es ist aber das komplette Gegenteil, sagt Philip Foth, Pressesprecher des Nabu Niedersachsen: Wasservögel sind Wildtiere, die hervorragend allein zurechtkommen und in der Natur genügend zu fressen finden. Falsches Füttern schadet daher mehr, als es nützt. Brot ist zudem kein geeignetes Futter, denn es enthält für Vögel zu viel Salz und quillt im Magen auf.″

Foth räumt auch mit dem Irrglauben auf, dass die Tiere Not leiden und sich deshalb so gierig auf Brotreste stürzen: Haben sie Hunger? Nein. Ihr , Betteln′ ist eine Folge von zu intensiver Fütterung. Die Tiere wissen einfach aus Gewohnheit, dass es jetzt etwas zu fressen gibt und dass es bequemer ist, als sich selber etwas zu suchen.″ Langfristig gewöhnen sich die Wildtiere an das Füttern und die Futterstellen und verlernen nicht nur, sich selbst zu ernähren, sondern auch ihre natürlich Scheu vor den Menschen.

Aber auch auf die Ökosysteme der Gewässer haben die Fütterungen teilweise eklatante Auswirkungen: Oft fressen die Enten nicht das gesamte Futter, das ihnen zugeworfen wird. Brot und Gebäck weichen dann auf, sinken an den Gewässerboden und verfaulen dort. Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt. Es kann dazu kommen, dass Algen stark wachsen und das Gewässer , umkippt ′″, erklärt Foth. Bleiben Nahrungsreste an Land liegen, vergammeln sie und locken wiederum Ratten und andere Tiere an.

In vielen Städten ist es daher verboten, Wasservögel zu füttern. Auch in Osnabrück, wie in der Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet der Stadt nachzulesen ist: Frei lebende Tauben dürfen nicht gefüttert werden. Es darf auch kein Futter, das zum Füttern von Tauben bestimmt ist oder für diese zugänglich ist, ausgelegt werden. Gleiches gilt für das Auslegen von Futter für Enten und andere Wasservögel.″

Doch das scheint die Menschen nicht davon abzuhalten: Es reicht, eine kurze Zeit am Wüstensee zu verweilen und schon beobachtet man die ersten Passanten, die den eher apathischen Wasservögeln Brotkrumen zuwerfen. Wir haben das Brot extra klein gemacht, damit die Tiere sich nicht verschlucken″, erklärt ein Paar auf Nachfrage.

Dass es schädlich ist, die Vögel überhaupt zu füttern, hätten sie nicht gewusst, sagen sie: Die Tiere freuen sich doch immer so.″

Ich glaube nicht, dass viele tatsächlich wissen, dass das Füttern von Enten schädlich für die Tiere und ihre Umgebung sein kann″, sagt dazu die Soziologin Julia Gutjahr. Sie forscht an der Universität Hamburg über das oftmals widersprüchliche Verhältnis von Menschen zu Tieren. Denn selbst wenn vielen Menschen klar sein müsste, dass Brot für Wildvögel gar keine passende Nahrung sein könnte: Füttern sie die hungrig erscheinenden Enten, bekommen die Menschen eine positive Reaktion von den Tieren. Diese kann es erleichtern, die negativen Folgen quasi auszublenden″, so Gutjahr.

Philip Foth vom Nabu regt an, die Tiere lieber zu beobachten, statt zu füttern. Gerade bei Kindern könnte man so das Interesse an den Tieren und ihrem natürlichen Verhalten wecken.

Bildtext:
Lieb gemeint, aber weder für die Tiere noch für die Natur gut: Entenfüttern.
Foto:
David Ebener
Autor:
Corinna Berghahn


Anfang der Liste Ende der Liste