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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bespitzelt und verraten
Zwischenüberschrift:
Hermann Behr wurde Opfer des Rassenwahns
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Es ist das Haus ihres Urgroßvaters Hermann Behr. Bis vor anderthalb Jahren lebte Britta Finke darin an der Augustenburger Straße 22. Und jetzt berichtete sie dort über ihren Ahnen, den die Nationalsozialisten ermordet hatten. Enkel, Urenkel und Ururenkel sind jetzt Paten des Stolpersteins für das Opfer des Rassenwahns.

Hermann Behr war Sohn jüdischer Eltern und wuchs in deren Kaufmannshaushalt in Vilsen, Kreis Hoya, auf. Als er 20 Jahre alt war, diente er zwei Jahre lang als Soldat im Ersten Hannoverschen Infanterie-Regiment. 1904 ließ er sich in Bielefeld taufen und war von da an evangelisch-lutherischer Konfession. Kurz darauf heiratete er Henriette Wehmeier, zog mit ihr nach Osnabrück und machte sich als Klempner an der Augustenburger Straße 22 selbstständig. In dem Haus wuchsen auch ihre drei Kinder auf.
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, machten sie Juden das Leben schwer zunächst mit Worten, die sich schließlich in Taten verwandelten. Jüdischen Geschäftsleuten kamen immer mehr Kunden abhanden, denn auch die wurden bedroht. Dass Hermann Behr Jahrzehnte vorher zum Christentum übergetreten war, spielte für die Nationalsozialisten keine Rolle. Für sie war er wegen seiner Herkunft Halbjude″.
Die Nationalsozialisten suchten nach Anlässen und wurden 1938 bei Hermann Behr fündig. Der Überlieferung nach ist er mit einer sogenannten arischen″ Frau eine Liebschaft eingegangen.
Ein Nachbar verriet die beiden bei der Ortsgruppe Natruper Tor″ der nationalsozialistischen Partei. Die wiederum erstattete Anzeige bei der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Und eine weitere Anzeige kam hinzu. Hermann Behr und seine Geliebte hatten in einem Hotel in Bad Drieburg übernachtet und waren von Spitzeln beobachtet worden. Daraufhin wurde das Paar in das Polizeigefängnis Turnerstraße eingeliefert. Hermann Behrs Freundin wurde nach einer Woche entlassen, doch er musste bleiben und sich in einem Prozess wegen Rassenschande″ verantworten.
Hermann Behr wurde vorgeworfen, gegen die 1935 beschlossenen Nürnberger Gesetze verstoßen zu haben, nach denen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten war. Verurteilt wurden jeweils die Männer. Heinrich Behr musste 1938 für drei Jahre nach Hameln ins Zuchthaus.
Doch nach seiner Haftzeit ließen ihn die Nationalsozialisten nicht frei. Stattdessen verschleppten sie ihn 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg. Drei Monate später, gegen Ende des Jahres, kam er dort im Alter von 59 Jahren ums Leben unter welchen Umständen, ist nicht bekannt.
Heinrich Behrs Enkel-, Urenkel und Ururenkelkinder sind nun Paten des Stolpersteins: Christa, Britta, Gerrit und Marvin Finke, die in Osnabrück und Lechtingen leben, sowie Kirsten, Eike und Malte Tyra aus Hannover.

Bildtexte:
Dieses Foto blieb erhalten: Es zeigt Hermann Behr mit seiner Frau Henriette und ihren Kindern Wilhelmine und Hermann. Aufgenommen 1911 im Fotostudio Schuster & Co, Krahnstraße
Einst war hier das Installationsgeschäft von Hermann Behr an der Augustenburger Straße 22.
Foto:
Klaus Lindemann

Stolpersteine

Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich inzwischen rund 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Hermann Behr hat Gunter Demnig jetzt während einer Zeremonie in den Bürgersteig an der Augustenburger Straße 22 eingesetzt. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur unter Telefon 05 41/ 3 23 22 87 gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern entgegen.
Autor:
Jann Weber


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