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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wie lebt es sich im Kinderheim?
 
„Mein Tor des Lebens″
 
Schüler schreiben für die Zeitung
 
Das lila-weiße Wunder
Zwischenüberschrift:
Ein Besuch in der katholischenJugendhilfe Don Bosco in Osnabrück
 
Linus Meyer und Manuel Kall vom SV Rödinghausen erzählen vom Spiel gegen den FC Bayern München
 
VfL-Spieler Detlef Hegekötter erinnert sich an das Pokalspiel von 1978 gegen die Bayern im Olympiastadion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Holzfußboden in der Altbauwohnung knarrt unter den Schritten der Betreuerin in der Wohngruppe, als sie die Tür öffnet. Ein Blick durch den Eingangsbereich lässt erkennen, dass man sich eigentlich in einer ganz normalen Wohnung befindet.

Osnabrück Auch von außen entspricht das Haus nicht dem negativen Klischee eines Kinderheims, das manch einer hat. Im Wohnzimmer steht eine gemütliche Sofalandschaft, und an der Wand hängen Urlaubsbilder. Außerdem gibt es einen großen Garten, eine PC-Ecke und auch einen Fitnessraum im Keller.

Die freundliche Betreuerin, die seit 27 Jahren in der Jugendhilfe Don Bosco″ des Bistums Osnabrücks arbeitet, erzählt, dass sie sich keinen schöneren Beruf vorstellen könne, auch wenn es für sie emotional manchmal schwierig sei, da sie die direkte Ansprechpartnerin für die Bewohner der Wohngruppe ist. Sie ist auch, genau wie die anderen Betreuerinnen und Betreuer, eine Bezugsperson für zwei bis drei Jugendliche. In dieser Rolle nimmt sie Aufgaben wahr, die sonst eigentlich Eltern übernehmen.

Sie führt uns durch das Haus. Uns fällt auf, dass die Einzelzimmer aussehen wie jedes andere Kinderzimmer auch. Es gibt eine Grundausstattung in jedem Zimmer: ein Bett, ein Schreibtisch, ein Kleiderschrank und ein Regal. Manche Zimmer haben auch ein Waschbecken.

Durch persönliche Gegenstände und Deko können es sich die Jugendlichen in ihren Zimmern nach ihrem Geschmack gemütlich machen. Zu ihren Geburtstagen oder zu Weihnachten können sie sich etwas für 30 Euro wünschen. Diese und alle anderen anfallenden Kosten, zum Beispiel für ein Handy, übernimmt für minderjährige Kinder das Jugendamt.

Von den zehn freien Plätzen in der Wohngruppe sind momentan acht belegt. Es sind vier Jungen und vier Mädchen, die sich untereinander gut verstehen, aber, so erzählt die Betreuerin, keine geschwisterliche Bindung haben. Damit die Jugendlichen selbstständiger werden, müssen sie morgens allein aufstehen und sich Frühstück machen. Zudem müssen sie gewisse Dienste erledigen, wie Rasenmähen, Küchendienst oder ihr Bad putzen. Freunde dürfen bei ihnen übernachten.

Den Jugendlichen fällt es oft schwer, Freundschaften zu schließen oder Hobbys zu finden, sagt die Betreuerin. Für die Kinder, die ins Kinderheim kommen, gab es vorher oft keine richtige Struktur in ihrem Leben. Deshalb ist es nun wichtig, dass sie sich an feste Tagesabläufe und Regeln halten, damit sie ihr Leben besser unter Kontrolle bekommen. Eine 17-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte, findet: Hier in der Wohngruppe habe ich einen strukturierten Alltag, der mir vorher bei meiner Mutter gefehlt hat.″ Schrecklich, traurig, komisch, so beschreibt sie ihren ersten Tag im Kinderheim. Trotzdem weiß sie heute, dass es damals keine andere Möglichkeit für sie gab. Ihre Mutter war schwer krank und verstarb wenig später. Zunächst war sie in einer Kindergruppe, dann ist die heute 17-Jährige in die Wohngruppe für Jugendliche gezogen.

Es sei für sie schwierig gewesen, sich immer neu einzuleben. Sie habe sich sehr fremd gefühlt und habe lange gebraucht, um zu ihren Betreuern Vertrauen aufzubauen, erzählt sie uns. In den ersten Tagen habe ich mich oft zurückgezogen″, sagt sie.

Mittlerweile vier Jahre später fühlt sie sich sehr wohl: Es ist mein Zuhause.″ Doch nicht jeder Jugendliche fühlt sich dort so wohl, erzählt die Betreuerin. Einige vermissen ihre Eltern.

Die meisten Jugendlichen haben noch Kontakt zu ihren Eltern und treffen sich gelegentlich mit ihnen. Die Eltern haben meistens noch das Sorgerecht und müssen bei wichtigen Entscheidungen oder Terminen miteinbezogen werden. Auch für Urlaube oder Ausflüge, die die Wohngruppe unternimmt, müssen die Eltern ihr Einverständnis geben.

Nach diesem Einblick merken wir, dass in dieser Wohngruppe von Don Bosco versucht wird, den Kindern ein liebevolles Zuhause zu bieten.

Bildtexte:
Immer erst anklopfen: Im Kinderheim gibt es feste Regeln und Tagesabläufe, damit die Kinderdort eine Strucktur im Alltag bekommen.
Seit mehr als 100 Jahren gibt es die Don Bosco Jugendhilfe an der Moorlandstraße auf dem Sonnenhügel.
Die Kinder sollen sich in der Einrichtung wie zu Hause fühlen, auch wenn das nicht immer leicht ist.
Fotos:
Gert Westdörp, Swaantje Hehmann

Osnabrück Es ist ein kalter und regnerischer Mittwochabend im Oktober 2018 an der Bremer Brücke in Osnabrück. Der Ball kommt scharf von der rechten Seite des Feldes bis kurz vor den Fünfmeterraum vor der Ostkurve und prallt vor Linus Meyers Schienbein ins Tor. Für einen kurzen Moment herrscht Stille, kurz darauf laute Freudenschreie. Auf der Anzeigetafel steht nun nur noch ein 2: 1 für Bayern München. SV Rödinghausen hat den Anschlusstreffer geschossen.

Einige Wochen später kommen Linus Meyer und Manuel Kall, Zeugwart von Rödinghausen, nach Osnabrück in ein Café und berichten uns von diesem besonderen Tag. Erst im Sommer 2018 kam Linus Meyer zum Viertligisten SV Rödinghausen. Wenige Monate später machte er für die Grün-Weißen sein Spiel des Lebens″. Ich habe mich geärgert″, antwortet Linus Meyer auf die Frage, was seine Gedanken nach der Bekanntgabe des Spiels gegen den FC Bayern in der zweiten Runde des DFB-Pokals waren. Aber man hat sich natürlich auch gefreut″, ergänzt Manuel Kall.

Bayern in Führung

Der Ort Rödinghausen, etwa 40 Kilometer von Osnabrück entfernt, hat nur rund 9000 Einwohner, das Stadion knapp 2500 Plätze, weswegen das Spiel gegen die großen″ Bayern im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück ausgetragen werden musste.

Wir spürten eine riesige Unterstützung der Fans, auch wenn wir natürlich lieber zu Hause gespielt hätten″, erklärt Kall und ergänzt, dass mehr als acht Fan-Busse aus Rödinghausen nach Osnabrück zum Spiel fuhren. Es war ein Spiel wie jedes andere″, so Stürmer Meyer. Die Zeit, groß über das Spiel nachzudenken, hatten beide nicht, wie sie uns berichten.

Schiedsrichter Timo Gerach pfiff das Spiel um 20.45 Uhr an. Nachdem die Bayern in der achten Minute durch Sandro Wagner und in der 13. Minute durch Thomas Müller schnell mit 2: 0 in Führung gegangen waren, sah es nach einer hohen Niederlage für den Verein von Meyer und Kall aus. Das Team hat nie aufgegeben und immer weiter gekämpft, man musste zwischendurch nur mal kräftig durchpusten″, erzählt Linus Meyer.

Schneller als Rafinha

In der 49. Spielminute war es dann so weit. Ich habe spekuliert, dass der Ball so reinkommt, und war ein bisschen schneller als Bayern-Rechtsverteidiger Rafinha. Ich hatte Glück, dass mir der Ball vom Schienbein noch an Manuel Neuer vorbei in das Tor prallte. Es war einfach ein geiles Gefühl″, sagt Meyer mit einem großen Grinsen im Gesicht und erzählt weiter: Am liebsten würde ich das Gefühl konservieren und rausholen, wenn es mir schlecht geht.″ Als wir Manuel Kall nach seinen Gefühlen in dem Moment fragen, erzählt er, dass er das Tor gar nicht live gesehen hat. Linus Meyer blickt ihn einen kurzen Moment verwirrt an, und Manuel Kall erklärt weiter, dass er in der Kabine war, durch den Spielertunnel gerannt kam und dort Linus Meyer schon jubeln sah. Trotz des Glücksgefühls, gegen die Bayern ein Tor geschossen zu haben, ist Meyer nach Spielende enttäuscht: An dem Tag wäre gegen die Bayern mehr gegangen.″ Manuel Kall ergänzt, dass es trotzdem ein klasse Abend war und er sogar Franck Ribéry umarmt hat.

Später war die Mannschaft in Osnabrück feiern, und spätestens nach der ersten Weinschorle war der Frust über die Niederlage auch schon vergessen″, erzählt uns Linus Meyer. Manuel Kall stimmt nickend zu. Am Tag danach setzte der Alltag eines Viertligisten wieder ein. Um 10 Uhr fand Training statt. In Rödinghausen hofft man, sich auch im nächsten Jahr wieder für den DFB-Pokal zu qualifizieren.

Bildtext:
Linus Meyer und Manuel Kall von Rödinghausen.
Foto:
Hauptmeyer

Osnabrück Die aktuelle Klasse-Seite ist von Schülern der Ursulaschule gestaltet worden. Im Profilkurs Welt der Medien″ der Jahrgangsstufe 8 haben sie gemeinsam mit Lehrer Tobias Romberg recherchiert und eigenständig Interviews geführt. Daraus sind die Artikel auf der Seite entstanden.

Auf den Klasse!- Seiten schreiben Schüler die Artikel. Denn sie sind Teil des Klasse!- Medienprojekts. Sie schreiben ihre Texte entweder im Unterricht oder sind Mitglied der Jugendredaktion. Somit gibt es für alle Schüler eine Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und zu schreiben. Bei der Themenauswahl helfen Redakteure der Neuen Osnabrücker Zeitung. So können die Schüler über Themen aus dem Unterricht schreiben, aber auch die neueste Serie rezensieren. Weitere Informationen bei Projektleiterin Kathrin Pohlmann unter der Telefonnummer: 0541 310-685 oder per E-Mail unter: k.pohlmann@ noz.de

Osnabrück 23. September 1978. Ein besonderer Tag für den VfL Osnabrück. Es geht in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den großen FC Bayern München. Wir hatten erwartet, dass es eine deftige Niederlage wird″, erinnert sich Detlef Hegekötter, der beim Spiel im Olympiastadion im defensiven Mittelfeld für den VfL auf dem Platz stand. Er war damals 27 Jahre alt. Dennoch war es eine Ehre für uns, gegen sie zu spielen.″ Schließlich war der FC Bayern damals eine der Top-Mannschaften, und viele ehemalige Weltmeister wie zum Beispiel Gerd Müller, Sepp Maier und Georg Schwarzenbeck standen auf dem Platz. Wie erwartet gingen die Bayern früh durch Udo Horsmann in Führung, der VfL schlug zurück, und nach weiteren Toren auf beiden Seiten stand es zur Halbzeit schließlich 3: 3. Schon eine Überraschung für den damaligen Zweitligisten, überhaupt drei Tore in München zu schießen.

In der Halbzeit motivierte VfL-Trainer Radoslav Momirski seine Mannschaft, erinnert sich Hegekötter. Spielt weiter wie ein Orchester″, habe der Trainer gesagt. Radoslav Momirski sei ein Trainer gewesen, der mit einfachen Worten viel ausgesagt habe. In der zweiten Halbzeit schoss Gerd Müller sein zweites Tor, bevor Michael Strunck für den VfL zum 4: 4 ausglich. Wir wurden als Zweitligist schließlich auch von den Bayern-Fans unterstützt, was uns noch mal Motivation gab″, sagt Hegekötter. Auch deswegen sei Andreas Wagner in der 71. Spielminute das Siegtor im Münchner Olympiastadion gelungen. Hegekötter erinnert sich, dass er und seine Mannschaft dann nervöser wurden, da sie nur noch 19 Minuten vom Sieg entfernt waren. Schließlich ertönte der Schlusspfiff, und der VfL Osnabrück gewann gegen den FC Bayern München mit 5: 4. In den Tagen danach wurde allerdings nicht mehr viel gefeiert, erzählt Hegekötter. Natürlich haben wir im Zug gefeiert, aber schnell war wieder die Vorbereitung für die nächste Zeit angesagt.″

Hegekötters Freunde und Familie waren stolz auf ihn, und das Spiel war eine der schönsten Momente seiner Karriere. Heute ist er selbstständig, erinnert sich aber gerne an das legendäre Spiel zurück.

Bildtexte:
Schlussjubel des VfL Osnabrück mit Detlef Hegekötter (Zweiter v. l.) nach der Pokalsensation gegen den FC Bayern im Olympiastadion.
Detlef Hegekötter erinnert sich gern an die Zeit.
Fotos:
imago/ Sven Simon, Hegekötter
Autor:
Ida Goedejohann, Elisa Rosenski, Stina Weber, Linus Hauptmeyer, Noah Kahlert, Malte Pöppelmeyer, Charlotte Franke, Jian Custoias Sahin, Simon Schwerdtfeger


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