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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohin mit Justus Möser?
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf den denkmalwürdigen Osnabrücker ins Bild setzte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Was sagt uns Justus Möser heute? Dieser Frage spüren seit Donnerstag Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen im Osnabrücker Schloss nach. Der Karikaturist Fritz Wolf hat sich dazu 1953 seine Gedanken gemacht.

Osnabrück Mit ärgerlichem Blick schaut Justus Möser (1720–1794) Richtung Rathaus. Seit 1836 hatte der Osnabrücker Jurist, Verwaltungsexperte, Historiker und Publizist seinen festen Denkmalplatz auf der Großen Domsfreiheit, doch im Herbst 1953 dachten die Ratsherren über einen neuen Standort nach. Der Denkmalsockel war damals dringend sanierungsbedürftig, was die Überlegungen auslöste und Fritz Wolf mit bröckelnden Steinen drastisch ins Bild setzte.

Im 19. Jahrhundert hatte sich der äußerst umsichtig und diplomatisch agierende sowie vor allem um politischen und konfessionellen Ausgleich bemühte Staatsmann bei den Osnabrücker Bürgern höchsten Ansehens erfreut. Bringt erst mal meinen Sockel in Ordnung!″, fordert er daher die angemessene Ehrerbietung ein, während dem Herrn in seinem Rücken ob solchen Unmuts der Schrecken in die Knochen fährt. Der Rolle unter seinem Arm nach zu urteilen, handelt es sich um einen Vertreter der städtischen Bauverwaltung.

Offenbar hatte die Diskussion um Mösers Verortung im Stadtbild den Karikaturisten auf Mösers Spur gebracht, denn in der Adventszeit 1953 setzte er ihn erneut in seiner Osnabrücker Wochenschau″ für die Neue Tagespost″ in Szene. Damals ärgerten sich die Osnabrücker über die mickrige Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt, die aus an einfachen Kabeln hängenden Glühbirnen auf geradezu provisorischen Masten bestand.

Age of Enlightenment″ – „ Zeitalter der Erleuchtung″ heißt die Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert in der englischen Sprache. Fritz Wolf kontrastiert hier also den Möserschen Beitrag zu aufklärerischer Erleuchtung des kleinen Fürstbistums Osnabrück mit der real existierenden Adventsdeko: Immerhin erkennt ein kleiner Schlaumeier mit Baskenmütze seinen Onkel Möser″, was er seinem ratlosen Gefährten mit großem Gestus mitteilt.

Inzwischen war das Denkmal am alten Standort repariert, und Justus Möser konnte im frühen Nachkriegs-Osnabrück wieder für allerlei Sinniges und Unsinniges in Vergangenheit und Gegenwart herhalten. Heute stellt sich für die Stadt Osnabrück die Frage, wo und wie Justus Möser neben Erich Maria Remarque, Felix Nussbaum und Hans Calmeyer zu verorten ist.

Bereits die ersten Vorträge der vom Landschaftsverband Osnabrücker Land organisierten Tagung offenbarten Chancen und Grenzen Möserschen Denkens als Denkfutter für die Gegenwart. Offenbar hat Onkel Justus″ uns heute durchaus noch etwas zu sagen, denn das Nachdenken über sein politisches Agieren und seine denkerischen Positionen befördert durchaus das Verständnis unserer Gegenwart.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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