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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Superradweg viel teurer als geplant?
 
Wie teuer ist der Superradweg wirklich?
Zwischenüberschrift:
712 000 Euro statt 275 000 Euro: Finanzchef sorgt für Ratlosigkeit im Rat
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Der knapp 170 Meter lange Radweg am Heger-Tor-Wall ist angeblich zweieinhalbmal so teuer wie ursprünglich geplant. Finanzchef Thomas Fillep bezifferte die Kosten im Rat auf 712 000 statt 275 000 Euro. Erklärungen für die mutmaßliche Kostenexplosion lieferte er auch am Tag nach der Ratssitzung nicht, was auf harsche Kritik stößt. Grünen-Fraktionschef Volker Bajus fordert kurzfristig eine ausführliche Erklärung oder eine Entschuldigung dafür, dass er den Rat mit erfundenen Zahlen irritiert″. Bajus vermutet dahinter politisches Kalkül″. Fillep wolle offenbar die Protected Bike Lane″ gezielt in Misskredit bringen. Das sei bemerkenswert illoyal gegenüber dem Rat″. Fillep lässt zurzeit die Abrechung prüfen. Denkbar ist, dass der Straßenbau in die Gesamtsumme eingeflossen ist.

Als der Finanzchef Thomas Fillep zu vorgerückter Stunde in der Ratssitzung fast beiläufig eine Zahl nannte, wurde es schlagartig still im Sitzungssaal: Hatten sich Ratsmitglieder und Zuschauer verhört? Hatte Fillep gerade wirklich gesagt, dass der Superradweg am Wall über 700 000 Euro gekostet hat?

Osnabrück Er hatte es tatsächlich gesagt. Exakt sollen es 711 695, 84 Euro gewesen sein für einen 168 Meter langen Radweg der Zukunft am Heger-Tor-Wall in Osnabrück. Bislang hatte die Bauverwaltung die Kosten mit 275 000 Euro angegeben, was auch schon Kritik von verschiedenen Seiten ausgelöst hatte. Die Befürworter des geschützten Radweges („ Protected Bike Lane″) rechtfertigten die Ausgaben mit dem Modellcharakter dieses knallroten Radstreifens.

Weil der Heger-Tor-Wall ohnehin saniert werden sollte, hatte der Rat entschieden, auf den knapp 170 Metern entlang des Heger-Tor-Walls einen Radweg nach Kopenhagener Modell zu bauen. Er ist mit 3, 25 Meter extrabreit, die Einfahrten und Einmündungen sind ohne Absenkungen gebaut, damit die Radler auf einer ebenen Fläche rollen können. Die rote Farbe ist mit winzigen Glaspartikeln durchsetzt, sodass der Belag Licht reflektiert, wenn er angestrahlt wird.

Planung und Umsetzung des Radweges lagen in der Obhut von Stadtbaurat Frank Otte. Zum Jahreswechsel hat die von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert initiierte Verwaltungsreform gegriffen, deshalb ist nun Finanzchef Thomas Fillep für Verkehrsanlagen zuständig.

Unklar ist bislang, wo die Ursachen für die angebliche Kostenexplosion liegen. Thomas Fillep sagte auf Nachfrage unserer Redaktion, ihm liege bislang nur die Endsumme ohne Aufschlüsselung der Einzelpositionen vor. 60 000 Euro Zusatzkosten sind nach seinen Worten durch Planänderungen und Nachträge entstanden. Nicht enthalten seien die Kosten für Leitungsverlegungen durch die Stadtwerke.

Fillep schließt nicht aus, dass Nebenleistungen etwa für Hausanschlüsse eingerechnet wurden, deren Kosten über die Gebühreneinnahmen refinanziert werden. Ich lasse das jetzt zeitnah überprüfen und werde der Politik eine detaillierte Vorlage vorlegen″, sagte Fillep.

Mit Kopfschütteln

Er habe in der Ratssitzung die Summe genannt, um die Politik vor Wunschträumen″ zu warnen, sagte Fillep. Anlass der Debatte war ein Antrag der FDP. Die Liberalen forderten, ein Teil des Milliarden-Bußgeldes, das VW für den Dieselbetrug gezahlt hat, in den Weiterbau von geschützten Radwegen zu investieren. Fillep befürchtete nach eigenen Worten, dass der Rat in Unkenntnis der wahren Kosten die Standards zu hoch setze. Deshalb habe ich mich zu Wort gemeldet.″

Stadtbaurat Frank Otte begleitete Filleps Wortmeldung im Rat mit Kopfschütteln. Am Mittwoch sagte er auf Nachfrage: Da sind Zahlen durcheinandergeraten.″ Die 712 000 Euro bezögen sich nach seiner Kenntnis auf die Gesamtmaßnahme, und dazu gehörte auch die Erneuerung der zwei Fahrspuren auf dem Wall. Der Radweg selbst ist nach Ottes Angaben tatsächlich etwas teurer geworden.

Bildtext:
Die Protected Bike Lane″, der besonders geschützte Radweg am Heger-Tor-Wall, kostete angeblich zweieinhalbmal so viel wie geplant. Stimmt das wirklich? Die Verwaltung prüft die Rechnungen.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
So entstehen Falschmeldungen

Finanzchef Thomas Fillep sollte die Schlussrechnung über den Vorzeigeradweg sehr, sehr zügig überprüfen. Denn seine Aussage in der Ratssitzung birgt Zündstoff. Stimmt seine Rechnung, sind die 168 Meter Radweg ein Fall für das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. Stimmt sie nicht, hat Fillep eine Falschmeldung produziert, die nicht so leicht zu korrigieren sein wird.

Die Zahl ist jetzt in der Welt, und in den digitalen Netzwerken werden die 712 000 Euro wohl für immer mit der Protected Bike Lane″ in Verbindung gebracht. Dabei scheint es durchaus plausibel, dass in dieser hohen Endsumme die Kosten für die Erneuerung der Autofahrspuren enthalten sind. Aber wer wird eine etwaige Richtigstellung später noch zur Kenntnis nehmen? Es bleibt in der Öffentlichkeit etwas hängen. Wenn in Zukunft über den Bau von geschützten Radwegen diskutiert wird, entsteht sofort das Bild im Kopf: Das wird teuer.

Der Finanzchef neigt zu spontanen Ausbrüchen, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Er ist als ehrliche Haut bekannt, trägt sein Herz auf der Zunge und lässt sich in öffentlichen Diskussionen nicht von Taktik, sondern der Wahrheit leiten. Im Fall des Radweges hätte sich der Finanzvorstand in der Ratssitzung besser auf die Zunge gebissen und sich erst nach Prüfung aller Zahlen und Fakten zu Wort gemeldet.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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