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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Unstimmigkeiten im Grenzverlauf
Zwischenüberschrift:
Warum das Katasteramt in Osnabrück die Grenze zum Kreis Steinfurt überprüft hat
Artikel:
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Originaltext:
Eigentlich ist die Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bereits vor fast 200 Jahren festgelegt worden. Doch so ganz stimmt der Grenzverlauf nicht mehr. Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen hat jetzt nachgemessen. Doch wie funktioniert das überhaupt, und warum ist es für Bauarbeiten so wichtig, dass es keine Unstimmigkeiten gibt?

Osnabrück Fast schon künstlerisch mutet die Karte mit den feinen Linien, den detaillierten Angaben und der verschnörkelten Schrift an, die Doreen Eckert vom Katasteramt in Osnabrück auf dem Tisch ausbreitet. Sie stammt aus dem Jahr 1841 und zeigt das Grenzgebiet zwischen Osnabrück und dem Kreis Steinfurt.

Die Karte entstand, nachdem die Königreiche Hannover und Preußen im Jahr 1837 den Staatsvertrag unterzeichnet hatten und die Landesgrenze in einer großen Aktion von beiden Seiten vermessen wurde.

Doch mit der Zeit schlichen sich Unstimmigkeiten ein: Die Länder maßen laut Eckert mit unterschiedlichen Bezugssystemen, überprüften die Landesgrenze nicht noch einmal gemeinsam. Da kommt es automatisch zu Differenzen″, sagt Eckert, die Leiterin des Dezernats Liegenschaftsvermessung Stadt und Landkreis Osnabrück beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) ist, dem ehemaligen Katasteramt. Als 2011 bei den Katasterämtern deutschlandweit ein neues System eingeführt wurde, wurde der Bezug, auf den sich Vermessungen beziehen sollen, vereinheitlicht. Und es zeigte sich: Es ist nicht ganz klar, wo genau die Grenze zwischen NRW und Niedersachsen verläuft.

In vielen Bereichen können diese Unstimmigkeiten zu Problemen führen, zum Beispiel an der großen Baustelle auf der A1 nahe der Landesgrenze oder wenn im Gewerbegebiet in Atter gebaut wird, das sowohl auf niedersächsischem als auch auf nordrhein-westfälischem Gebiet, nämlich Büren, liegt, wie Fred Batzer sagt. Er ist beim LGLN für die Koordinierung der Abstimmungsarbeiten am Grenzverlauf zuständig. Baumaschinen sind GPS-gesteuert. Wenn die Koordinaten bei einer Straße in zwei Bundesländern abweichen, gibt es Schwierigkeiten beim Straßenbau″, erklärt Batzer. Auch für die länderübergreifende Planung bei Energietrassen könnten Abweichungen problematisch werden; etwa dann, wenn es um die Frage geht, mit wem die Verantwortlichen jetzt verhandeln müssen.

Seit 2015 beschäftigten sich die Mitarbeiter des LGNL deshalb intensiv damit, den Grenzverlauf genau zu bestimmen. Der Bereich Niedersachsens, der an den Kreis Steinfurt grenzt, ist inzwischen komplett abgeglichen worden mit 154 Kilometern war es der größte Bereich. Nun müssen noch die Grenzen zu den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford und Warendorf abgeglichen werden. Batzer geht davon aus, dass die Arbeiten im kommenden Jahr abgeschlossen sein werden.

Doch wie funktioniert diese Arbeit überhaupt? De facto ist das eine rein technische Geschichte″, erklärt Doreen Eckert. Anhand von Excel-Tabellen werden die Koordinaten aus den alten Messprotokollen aus Niedersachsen mit denen aus Nordrhein-Westfalen abgeglichen. Gibt es Abweichungen, werden die Daten erneut geprüft. Je nachdem, wie die Koordinaten entstanden sind, einigt man sich dann auf die passende. Heute wird jeder Punkt zweimal bestimmt, früher wurde es nur einmal gemacht″, erklärt Uwe Strauß, Leiter der LGLN-Regionaldirektion Osnabrück-Meppen. In so einem Fall sei die heutige Koordinate plausibler.

Nach draußen ausrücken, um sich eine Stelle vor Ort anzuschauen und nachzusehen, ob der Grenzstein passend steht, müssen die Verantwortlichen nur in besonders schwierigen Fällen anders als früher, als die Menschen mit einer Messkette losgegangen sind, werden die Koordinaten heute mit GPS gemessen.

Auf Grundstückseigentümer haben die neuen Erkenntnisse laut Strauß im Übrigen keine Auswirkungen auch wenn es teilweise Abweichungen im Meter-Bereich gab. Was für den Laien nach wenig klingt, ist für die Mitarbeiter des Katasteramtes viel. Wir messen im Zentimeterbereich, da sind das Welten″, sagt Eckert.

Eine Erkenntnis konnten die Beteiligten während ihrer Arbeit auf jeden Fall gewinnen: In NRW wurden weniger Knicke ausgemessen als in Niedersachsen.″

Bildtexte:
Der Grenzstein markiert die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Diese Grenzsteine wurden für die Landesgartenschau unterhalb des Iburger Schlosses aufgestellt.
Uwe Strauß (Leiter des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, von links) und seine Kollegen Doreen Eckert, Alois Ipe und Fred Batzer nutzten keine alten Geräte, sondern hauptsächlich den Computer.
Übersetzt″ steht auf dieser Karte aus dem Jahr 1841, die sich im Bestand des Katasteramts befindet: Die Grafentafel ist ein flacher Felsen, worauf die Grafen früher während der Jagd zu frühstücken pflegten mit zwölf Mann.
Fotos:
Gert Westdörp, Katasteramt Osnabrück
Autor:
Nadine Grunewald


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