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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum das Museum diese Funde haben will
Zwischenüberschrift:
Fossiliensammlung aus dem Nachlass von Fritz Wagner im Dienste der Wissenschaft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ein versteinerter Saurierknochen, ein formvollendetes Schneckenhaus und ein Farnwedel mit Fraßspuren urzeitlicher Insekten das sind nur einige Glanzlichter aus der umfangreichen Sammlung von Fritz Wagner zur regionalen Erdgeschichte. Seine Witwe hat sie jetzt dem Museum am Schölerberg vermacht.

Er war ein ganz ruhiger, ganz liebenswerter Mensch″, sagt Angelika Leipner, die geologische Präparatorin des Museums. Fritz Wagner hat ihr über die Jahrzehnte manches Fundstück anvertraut. Die meisten seiner Fossilien brachte er vom Piesberg mit, aus dem Karbon, einem Zeitalter, das mehr als 300 Millionen Jahre zurückreicht. Aber er war auch in anderen Steinbrüchen und Tongruben der Region unterwegs - natürlich mit Genehmigung. Was das Museumsteam an Fritz Wagner besonders schätzt, war sein wissenschaftlicher Anspruch.

Jedes Stück hat der akkurate Sammler mit einem Aufkleber gekennzeichnet, auf dem er neben der Bezeichnung des Objekts auch das Datum und den genauen Fundort notierte. Nur mit diesen detaillierten Angaben sind Fossilien oder Mineralien überhaupt wertvoll für die Forschung. Fritz Wagner hatte das seit Jahrzehnten verinnerlicht. Im Naturwissenschaftlichen Verein und in der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie brachte er diese Maßstäbe auch den jüngeren Mitgliedern nahe.

2017 ist der gebürtige Schlesier mit 91 Jahren gestorben. Als junger Mann war er in den Krieg gezogen, als Kriegsgefangener hatte er sieben Jahre lang in einem sibirischen Gefangenenlager arbeiten müssen. Nach der Entlassung begann für ihn ein neues Leben in Westdeutschland. Er heiratete seine Frau Else, bekam mit ihr zwei Söhne und arbeitete als Bauingenieur bei der Stadt Osnabrück.

Aus mehr als 100 Kisten mit fossilen Funden und Quarzen besteht das Erbe, das seine Witwe jetzt dem Museum am Schölerberg übergeben hat. Eine herausragende Privatsammlung, urteilt Museumsleiter Norbert Niedernostheide.

Dabei ist beileibe nicht jeder Nachlass eines Fossilienliebhabers für den wissenschaftlichen Fundus interessant. Bei Fritz Wagner war von Anfang an klar, dass die Sammlung ins Magazin gehört. Maßgeblich ist der regionale Schwerpunkt, dem sich das Museum verpflichtet fühlt. Einige der aus dem Piesberger Karbon geborgenen Mosaiksteine der Erdgeschichte hat der Bauingenieur aus Rulle schon zu Lebzeiten am Schölerberg abgeliefert. Dazu gehört der 1991 entdeckte Abdruck eines ganz besonderen Insekts im Karbongestein, von dessen Existenz die internationale Fachwelt erst durch Fritz Wagners Fund erfuhr. Breyeria bistrata wurde das Tier getauft, das es auf eine Flügelspannweite von 16 cm brachte.

Wenn Angelika Leipner die beiden Hälften des Abdrucks vor die Kamera hält, bedarf es schon einiger Fantasie, um die Konturen eines Insekts zu erkennen, das vor 300 Millionen wie eine Libelle durch die Lüfte schwirrte. Der Urnetzflügler mit dem Saugschnabel konnte eine so stattlichen Größe erreichen, weil er keine Feinde hatte. Vögel gab es noch nicht. Die mussten sich erst aus den Sauriern entwickeln. Mit diesen fossilen Funden verstehen wir die Evolution″, bekundet Museumsleiter Norbert Niedernostheide. Da der Holotyp, das erste wissenschaftlich beschriebene Exemplar des urzeitlichen Flugobjekts, aus Osnabrück stammt, fällt auch auf sein Haus paläontologischer Glanz.

Wenn die Wissenschaftler einem Fundstück besonderes Gewicht geben, kann das auch daran liegen, dass an einer bestimmten Stelle etwas fehlt. Bei einem versteinerten Farnwedel aus dem Oberkarbon, den Fritz Wagner 1991 aus dem Piesberger Kohleflöz Zweibänke zutage förderte, erwiesen sich diese Fehlstellen als Nagespuren von Insekten, wie Patrick Chellouche, der geowissenschaftliche Kurator des Museums, erklärt. Seit da geknabbert wurde, ist ja gerade mal eine Kleinigkeit von 308 Millionen Jahren vergangen.

Als Goldschnecken″ werden die spiralförmigen Gehäuse von Ammoniten bezeichnet, die der Fossiliensammler in den Tongruben bei Velpe entdeckte. Die ausgestorbenen Verwandten der Tintenfische lebten vor 170 Millionen Jahren. Ihre Schalen haben sich durch chemische Prozesse in Pyrit verwandelt, ein Mineral, das wegen seines Glanzes auch als Katzengold bezeichnet wird. Unabhängig vom wissenschaftlichen Wert dieser versteinerten Schneckenhäuser, muss Fritz Wagner auch von ihrer vollendeten Form fasziniert gewesen sein.

Seine Sammlung wird nun in den Magazinräumen des Museums am Schölerberg sicher verwahrt. Damit steht sie Wissenschaftlern zum Zwecke der paläontologischen und geologischen Forschung zur Verfügung. Und ganz sicher wird das eine oder andere Stück auch mal in einer Ausstellung zu sehen sein.

Bildtexte:
NATUR-DESIGN: ein 170 Millionen Jahre alter Ammonit aus der Sammlung von Fritz Wagner.
Mosaiksteine der Erdgeschichte von Fritz Wagner präsentieren Patrick Chellouche, Norbert Niedernostheide und Angelika Leipner vom Museum am Schölerberg.
SAMMLER AUS LEIDENSCHAFT: Fritz Wagner.
Fotos:
Jörn Martens, Wagner
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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