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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bald auch in China und Dubai
Zwischenüberschrift:
Ein Jahr Hasewelle bei L&T / Was hat die Attraktion bislang gebracht?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seit einem Jahr schwappt die Hasewelle durch das L& T-Sporthaus. Die Weltneuheit hat einiges verändert: das Modehaus, die Branche, das Verhalten der Kunden und ein bisschen auch Osnabrück. Eine Bilanz.

Osnabrück In der ersten Märzwoche 2018 hat das Modehaus Lengermann und Trieschmann (L& T) mit großem Brimborium das Sporthaus eröffnet und die stehende Welle in Schwung gebracht. Solche Surfwellen gibt es mehrere in Deutschland, aber nirgendwo in einem Kaufhaus. Rund 35 Millionen Euro investierte L& T in das Gesamtensemble aus Sporthaus, Hasewelle und Fitnessstudio (mit Höhentraining). Wir haben die Geschäftsführer Mark Rauschen und Thomas Ganter gefragt, ob sich die Investition gelohnt hat.

Welche Erwartungen haben sich erfüllt? Die größte Erwartung war, die Strahlkraft in die Region zu erhöhen″, sagt Mark Rauschen. Und das hat gut geklappt.″ Der Gesellschafter und Geschäftsführer ist für seine Zurückhaltung in eigener Sache bekannt. Wenn der Gesellschafter und Geschäftsführer also gut geklappt″ sagt, heißt das übersetzt: Es war ein voller Erfolg.

Vor allem aus dem Emsland, das traditionelle Hinterland Osnabrücks, seien mehr Kunden an die Hase gekommen, sagt Rauschen. Im großen Maßstab sogar.″ L & T kann das in Zahlen nachvollziehen, denn die Kunden werden beim Bezahlen gefragt, aus welchem Postleitzahl-Bereich sie kommen. Es sei zwar nicht messbar, aber aus vielen Gesprächen wisse er, dass sich die Menschen länger im Hause aufhalten. Sporthaus und Hasewelle würden als Teil der Freizeitindustrie″ wahrgenommen, sagt Rauschen.

Thomas Ganter ergänzt, die Großinvestition werde als ein Bekenntnis zum stationären Handel″ und Ausrufezeichen für den Standort Osnabrück″ aufgefasst. So ist es auch gemeint.″ Dass L& T seinen Einzugsbereich erweitern konnte, zeigt nach Ganters Meinung: Online ist nicht alles, die Leute wollen immer noch gerne in die Stadt.″ Deshalb sei es nicht nur für L& T wichtig, dass die Innenstadt gut erreichbar bleibe. Wenn eine wichtige Straße gesperrt ist, merken wir das hier sofort″, so Ganter.

Welche Erwartungen haben sich nicht erfüllt? Die Hasewelle hat eine andere Altersgruppe erreicht als gedacht. Die 40- bis 50-Jährigen seien es vor allem, die auf der Welle reiten. Es ist ein Sport für Männer und Frauen gleichermaßen. Ganter sagt, die ursprünglichen Zielgruppen seien die Schüler und die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen gewesen.

Entsprechend sei das Sortiment im Erdgeschoss inzwischen auf diese Zielgruppen ausgerichtet gewesen. Das habe nicht funktioniert. Wir lernen immer dazu und stellen uns auf neue Situationen ein″, so Rauschen. Deshalb werden die Sortimente für junge Leute demnächst im neuen 1800 Quadratmeter großen Bereich Sygn″ angeboten, der sich zur Georgstraße hinwendet. Die Arbeiten an diesem Bauabschnitt, die sich länger hinzogen als geplant, sollen bald abgeschlossen sein.

Wie stark wird die Welle genutzt? Nutzungszahlen rückt L& T nicht heraus. Rauschen sagt aber, die Nutzung sei besser als geplant″. Die Welle ist außer dienstags und sonntags jeweils ab 13.30 Uhr bis Geschäftsschluss in Betrieb, samstags schon ab 10.30 Uhr. Es haben sich Grüppchen von Dauersurfern gebildet, die gemeinschaftlich und regelmäßig zum Wellenreiten kommen. Eigentlich war angedacht, den Surfbetrieb im Winter ruhen zu lassen, das Becken abzudecken und die Arena für Veranstaltungen zu nutzen. Darauf wird verzichtet, weil die Nachfrage auch im Winter konstant ist. Samstags kommen die Profis″, sagt Rauschen. Dann ist das Sporthaus voll, und sie lassen sich gern von den Zuschauern feiern. Uns kann das nur recht sein.″ Sein Tipp: Wer es sich frei einteilen könne, sollte besser einen Surftermin unter der Woche wählen.

Wie hat sich das Wellen-Spektakel auf den Umsatz ausgewirkt? Super″ lief das Geschäft in der ersten Euphorie nach der Eröffnung im März vergangenen Jahres, wie Rauschen sagt. Dann kam der Sommer. Die lange Heißzeit 2018 lähmte die Umsätze in der Textilbranche insgesamt. Wir haben kaum Jacken verkauft″, so Ganter. Dafür sind Badeartikel wie verrückt″ gelaufen. Das Problem ist für alle gleich: Beim Verkauf einer Badehose bleibt weniger in der Kasse als bei einer Jacke.

Auch bei der Ski-Kleidung und in Outdoor-Sortimenten habe sich die Branche im Vorjahr schwergetan″, so Ganter.

Ein Renner waren dagegen die Wanderschuhe: Die haben mega funktioniert.″ Die Besonderheit: Die Wanderschuhe gibt′s im dritten Obergeschoss, das traditionell weniger von Laufkundschaft frequentiert wird. Rauschens geschäftliches Fazit nach zwölf Monaten Sporthaus: Wir sind zufrieden.″

Welche Wellen hat das Sporthaus in der Branche geschlagen? Die Online-Konkurrenz verunsichert die Branche, die Kunden ändern ihr Verhalten. Alle suchen Orientierung″, sagt Rauschen. Kann ein Modehaus, das sich in einen Teil der Freizeitindustrie verwandelt, die Antwort auf den wachsenden Internethandel sein? Rauschen und Ganter sind davon überzeugt. Wir gelten in der Branche als Rulebreaker″, sagt Ganter als Regelbrecher.

Damit ist gemeint: L& T hat die klassischen Pfade verlassen und etwas völlig Neues gewagt. L& T ist dafür mit Preisen überschüttet, von Experten hofiert und der Fachpresse gelöchert worden. Rauschen sagt, er habe noch nie so viele Interviews gegeben. Auch viele Kollegen aus der Modebranche fragen ihn um Rat und lassen sich das Konzept erklären. Manche melden sich bei ihm an, andere gehen einfach durchs Haus und schauen sich um. Auch international stößt das Wellen-Modehaus auf große Neugier. Demnächst sollen Kopien dieses Sporthauses in Dubai und China entstehen.

Wie hat das Haus die Stadt verändert? Die Hasewelle ist ein Touristenziel geworden wie das Rathaus oder das Nussbaum-Haus. Wer nach Osnabrück kommt, muss die Welle gesehen haben. Wir beobachten immer wieder Osnabrücker, die ihre Gäste hierher führen und sagen: Und das ist L& T, und das hier ist die Hasewelle.″ Deutlich spürbar sei auch ein positiver Effekt in der Belegschaft: Man ist stolz auf seinen Arbeitgeber″, so Ganter. Wir bekommen mehr Bewerbungen″ ein großer Vorteil in diesen Zeiten des Fachkräftemangels.

Was würde L& T heute anders machen? Mark Rauschen und Thomas Ganter überlegen lange. 90 Prozent, so Rauschen, passen″. Der Rest seien Kleinigkeiten, irgendwas ist ja immer, wenn man baut″. Ein Problem sei gewesen, dass die Welle wegen einiger Bauverzögerungen ohne Probelauf in Betrieb gehen musste. So hätten Kinderkrankheiten nicht abgestellt werden können. Anfangs war im Hause ein Vibrieren und Dröhnen zu vernehmen. Die Techniker haben das Problem inzwischen gelöst.

Bildtext:
In der Branche eine ziemliche Welle gemacht hat das L& T-Sporthaus (hier ein Foto von der Eröffnung).
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Wilfried Hinrichs


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