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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Boomende Bühnen
Zwischenüberschrift:
Warum vor 100 Jahren in Deutschland rund 100 neue Theater entstanden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wie kommt es, so mag mancher fragen, dass momentan zeitgleich eine große Menge deutscher Theater landauf, landab derart sanierungsbedürftig sind, dass an Kernsanierungen in Millionenhöhe kein Weg mehr vorbeiführt? Das hat einen wissenswerten geschichtlichen Kontext. Ein Blick zurück und eine Aufstellung der damals neuen Bauten.

Osnabrück Nach der ersten Theatergründungswelle im Zuge der Reichsgründung 1870/ 71, in der noch neue Hoftheater, damals die Bühnen des Adels, entstanden, setzte eine zweite große Welle in den 1890er-Jahren ein und dauerte ungefähr bis 1915. Als entscheidenden Grund nennt Prof. Dr. Peter W. Marx, Theater- und Medienwissenschaftler an der Universität Köln, die neu eingeführte Gewerbefreiheit im Reichsgebiet, die Theatergründungen deutlich erleichterte. So konnte ein reiches Nebeneinander von Hof-, Staats-, Stadt- und vor allem Privattheatern aufblühen.Integrationsbedarf

Sozialer Wandel der gesellschaftlichen Schichten, Binnenmigration, explosionsartiges Bevölkerungswachstum gerade auch der Städte, verbunden mit gewaltigem Integrationsbedarf, Industrialisierung, Technisierung von der Motorisierung bis zur elektrischen Beleuchtung (die sich übrigens von den Theatern ausgehend verbreitete) und ein mächtig erwachendes kulturelles Bewusstsein: All dies motivierte das Bürgertum der Städte, ein Theater zu gründen oder ein zweites Haus neben dem bestehenden Hoftheater einzurichten.

Den Hoftheatern, so erklärt Marx, der auch Direktor der Kölner Theaterwissenschaftlichen Sammlung ist, fehlte in der Regel, was die neue, sozial und religiös heterogen zusammengesetzte Bürgergesellschaft brauchte: Repräsentative Monumentalbauten mit viel Raum um sie herum für breite (Frei-) Treppen im Stil der Palastarchitekturen, Säulen im Stil griechischer Tempel und später des Jugendstils, riesige Eingangshallen als sozialer Begegnungsplatz″. Der US-amerikanische Soziologe Thorstein Veblen habe für dieses Phänomen den Begriff des ostentativen Konsums geprägt, so Marx im Gespräch. Sozialer Status war in den Städten nicht länger durch Bekanntschaft oder Ererbtes vermittelbar, sondern durch Konsum wie Kleidung, Freizeitgestaltung und eben das Theater.

Schätzungsweise um die 100 eigenständige Theater sind in diesen Jahren gebaut worden. Aber auch in Gründerzeitvillen, Tanzsälen, Lagerhallen, Kulturhäusern oder wie in Osnabrück im Marstallflügel des Schlosses wurden Bühnen etabliert. Von rund 700 weiß etwa Wesko Rohde, Vorsitzender der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft und früher Technischer Direktor des Osnabrücker Theaters.

Die eigens errichteten Bauten sind nun rund 100 Jahre alt und zudem nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges eilig und daher nicht immer sehr solide wiederaufgebaut worden. Auch die neuen Brandschutzrichtlinien lassen meist nicht länger zu, dass hier mal etwas geflickt und dort ein wenig modernisiert werden kann.Welche Bühnen sind es?

Osnabrücks Theater am Domhof ist 1909 aus der Taufe gehoben worden, und es teilt die stolze Tradition eines von Bürgern getragenen Theaters. Wie unglaublich viele Bühnen es sind, soll ein kleiner Überblick vermitteln. Es ist eine unvollständige Auswahl von Theatern, die wir heute noch kennen. Die meisten davon nennt Günther Rühle im ersten Band seiner dreibändig angelegten Theatergeschichte Theater in Deutschland″.

Theater in Bamberg 1908, in Berlin: Kammerspiele 1906, Komische Oper 1905, Theater am Nollendorfplatz 1906, Schiller-Theater 1907, Hebbel-Theater 1908, Deutsches Opernhaus (Bismarckstraße) 1912, Komödienhaus am Schiffbauerdamm 1913, Volksbühne 1914; Bielefeld 1904, Brandenburg 1909, Bremen 1913, Bremerhaven 1911, Breslau (Schauspielhaus) 1906, Chemnitz (Neues Theater) 1909, Cottbus 1908, Darmstadt (Neubau) 1905, Dortmund 1904, Dresden (Königl. Schauspielhaus 1913, Düsseldorf (Schauspielhaus) 1905, Duisburg 1912, Frankfurt a. M. (Schauspielhaus 1902, Neues Theater 1911), Fulda 1917, Gelsenkirchen 1909, Gera 1902, Gießen 1907, Halberstadt 1905, Hamburg (Deutsches Schauspielhaus 1900, Thalia-Theater 1912), Hannover (Schauburg) 1911, Heilbronn 1913, Hildesheim 1909, Kiel (Stadttheater) 1907, Köln (Deutsches Theater) 1901, Leipzig (Schauspielhaus Um/- Neubau) 1914, Lübeck (Neues Stadttheater) 1908, Mainz (Neues Stadttheater) 1910, Meiningen (Neues Hoftheater) 1909, Mülheim/ Ruhr (1906), in München: Prinzregententheater 1903, Schauspielhaus (Maximilianstraße, heute: Kammerspiele) 1901, Volkstheater 1903, Münchner Künstlertheater 1908, Nordhausen 1917, Nürnberg 1905, Osnabrück 1909, Pforzheim 1904, Stralsund 1916, Stuttgart (Neubauten Oper, Schauspiel) 1912, Weimar (Neubau des Hoftheaters) 1908.

Bildtext:
JUGENDSTIL: So sah das Stadttheater in seinen Anfängen aus. Kolorierte Ansichtskarte von 1916 aus der Sammlung von Christian Abt.
Sammlung Christian Abt
Autor:
Christine Adam


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