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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Unverwechselbare Schulbauten
Zwischenüberschrift:
Die Höhere Gartenbauschule in Haste ging 1971 in der Fachhochschule auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Man muss kein Stararchitekt sein, um ein solides Stück Architektur zu schaffen, das man sich auch 67 Jahre nach seiner Fertigstellung noch gut anschauen kann. Gelungen ist das Osnabrücks Stadtbaurat Becker, der das Empfangsgebäude der Höheren Gartenbauschule Osnabrück (HGO) entworfen hat.

Osnabrück Mit Satteldach, Uhrenturm, Sandstein-Einfassungen und seiner kleinmaßstäblichen Pavillon-Bauweise strahlt das Gebäude heute wie damals Gemütlichkeit aus. Wäre es nicht 1952, sondern 20 Jahre später entstanden, hätte sich wahrscheinlich auch ein Stadtbaurat Becker nicht dem architektonischen Zeitgeist entziehen können, und herausgekommen wäre ein Flachdach-Quader mit viel Glas und Aluminium, wie ihn zahlreiche Schulneubauten der 1970er-Jahre darstellen.

Zum Glück ist dieses Schul-Kleinod äußerlich nicht modernisiert oder erweitert worden. Der eingeschossige Baukörper in seinem dezent fortgeschriebenen Heimatschutzstil passt nach wie vor perfekt in die parkartige Umgebung. Natürlich haben sich die Raumanforderungen des Lehr- und Forschungsbetriebs gewandelt. Aber das riesige Hochschulgelände in Haste bot stets genügend Möglichkeiten, Ergänzungsbauten an anderer Stelle zu platzieren.

Die HGO hat Osnabrück zumindest in Fachkreisen überregional bekannt gemacht. Nach dem Krieg gab es zunächst nur drei Höhere Gartenbauschulen, nämlich in Weihenstephan, Geisenheim und Berlin-Dahlem. In der Britischen Zone in Nordwestdeutschland klaffte eine große Lücke.

Osnabrück war aber nicht der einzige Kandidat für den neuen Schulstandort. Auch Wilhelmshaven und Hildesheim bewarben sich. Die Entscheidung fiel zugunsten der Hasestadt, weil sich der große Geländebedarf für die Versuchsgärtnereien hier günstig decken ließ. Die Stadt kaufte dem Baron Franz-Ludwig Ostman von der Leye 18 Hektar Land zwischen Oldenburger Landstraße und Blumenmorgen ab. Als vorteilhaft wurde ferner angesehen, dass die schon seit 1939 in Osnabrück ansässige Höhere Landbauschule (HLO) mit der HGO nun zu einem Bildungszentrum für die artverwandten grünen Fachrichtungen auf dem Campus Haste ausgebaut werden könne.

Der Vorlesungsbetrieb der HGO startete am 17. Oktober 1949 mit dem Direktor Obergartenbaurat Johannes Luckan, drei weiteren Dozenten und 34 Studenten behelfsmäßig im ehemaligen HJ-Heim am Haster Berg, dem heutigen Studentenwohnheim.

Das Raumangebot dort reichte nicht aus, sodass noch an weiteren Standorten gelesen wurde: im Gasthaus Nackte Mühle am Östringer Weg, im ehemaligen Haster Gemeindebüro neben der Christus-König-Kirche und in einer alten Wehrmachtsbaracke auf dem neu erworbenen Schulgelände Am Krümpel, die gleichzeitig als Mensa diente. Die 10 bis 20 Minuten langen Wege zwischen den Behelfshörsälen wurden fröhlich zu Fuß oder per Fahrrad zurückgelegt.

Am 14. August 1950 begann mit der Grundsteinlegung der Schulneubau, der aus dem Empfangsgebäude und drei weiteren Trakten besteht, die kammartig über eine leicht geschwungene Längsachse verbunden sind.

Wie bei allgemeinbildenden Schulen auch, baute die Stadt die Schule und übernahm zunächst die Trägerschaft, wobei das Land die Baukosten bezuschusste und zwei Drittel der laufenden Kosten abdeckte.

Die feierliche Einweihung fand am 8. Januar 1952 statt. In schönen Worten hoben die Redner auch die soziale Bedeutung des Gartenbaus hervor. Wenn man Deutschland hundertprozentig verstädtere und die Nahrung aus dem Ausland hole, würde das Volk die Verbindung mit der Natur verlieren und seelisch verkümmern″. Und auch ein Ausspruch der Ehefrau des Bundespräsidenten, Elly Heuss-Knapp, wurde zitiert: Was wäre unsere Erde ohne die Gärtner? Ihr Gärtner seid ein wahrhaft schöpferischer Beruf.″

Der typische Student an der HGO besaß die mittlere Reife und eine mehrjährige Praxis im Gartenbau, bevor er das viersemestrige Fachschulstudium begann und als staatlich geprüfter Gartenbautechniker″ abschloss. Nach weiteren drei Jahren Berufstätigkeit konnte er eine zweite staatliche Prüfung ablegen und sich dann staatlich diplomierter Gartenbau-Inspektor″ nennen.

Doch Namen, Titel und Strukturen sind Schall und Rauch, im Bildungswesen bleiben Reformen bekanntlich nie lange aus. Ab 1960 nennt sich die HGO Ingenieurschule und Versuchsanstalt für Gartenbau″ und verlängert das Studium auf sechs Semester. 1968 heißt sie Staatliche Ingenieurakademie für Gartenbau″, nachdem das Land die volle Trägerschaft übernommen hat, und geht schließlich 1971 in der neu gegründeten Fachhochschule (FH) Osnabrück auf. 2010 ändert auch die FH selbst ihren Namen und heißt seitdem Hochschule Osnabrück. Die Traditionen von Gartenbau und Landbau werden heute in der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur″ (AuL) fortgeführt.

Bildtexte:
Die Höhere Gartenbauschule Haste um 1958. Die Brunnenfigur hat der Osnabrücker Bildhauer Georg Hörnschemeyer geschaffen.
Die Baum-Zwillinge haben kräftig zugelegt, sonst ist fast alles beim Alten geblieben.
Die vier gleichförmigen Trakte der Gartenbauschule, von Nordosten aus gesehen. Im Hintergrund verläuft die Straße Am Krümpel.
Die Höhere Landbauschule (HLO, links) und die Höhere Gartenbauschule (HGO, rechts) teilen sich 1953 den Vorhof. Heute sitzt im HLO-Gebäude die Fakultätsleitung.
Fotos:
Kurt Löckmann, aus: Osnabrück Altes und Neues Bauen, Stuttgart 1958, J. Dierks, Archiv NOZ
Autor:
Joachim Dierks


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