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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Risiken und Nebenwirkungen bei der Theatersanierung
Zwischenüberschrift:
Ingenieure von Partnerschaft Deutschland erklären Details zu ihrem Gutachten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Berlin Im Aufzug zum Büro von David Lehnert versteckt sich die glänzende Metallwand noch hinter groben Brettern, und über dem Teppich in den Bürofluren in der fünften Etage liegt eine dicke schwarze Folie vor Baustaub und Bauschmutz. Denn in dem Bürokomplex gegenüber dem S-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin wird noch munter renoviert. Die Beraterfirma Partnerschaft Deutschland ist dennoch bereits eingezogen, weshalb Umzugskartons in Lehnerts Büro darauf warten, ausgepackt zu werden. Wie bei seinen rund 180 Kollegen im Berliner Büro von Partnerschaft Deutschland liegt sein Arbeitsplatz derzeit auf einer Baustelle; Lehnerts Kollege Tim Heinemann erklärt warum: Ein Wasserrohrbruch hat die fein austarierte Planungstheorie an der rauen Wirklichkeit zerschellen lassen. Und da so etwas öfter passiert, haben die beiden für das Gutachten zur Sanierung des Theaters Osnabrück einen Abschnitt verfasst, der genau solche Fälle behandelt; Risikoanalyse″ ist er überschrieben. Ein Wasserrohrbruch wäre vermutlich höhere Gewalt″ und ist in einer Tabelle unter der Überschrift Phasenübergreifende und sonstige Risiken″ aufgelistet.

Risiken einzukalkulieren gehört zum kleinen Planungseinmaleins bei einem Bauvorhaben wie der Sanierung eines ganzen Theaters. Höhere Gewalt zählt dazu, aber auch die Insolvenz eines Handwerksbetriebs kann den Zeitplan durcheinanderbringen, und natürlich gefährden hausgemachte Risiken wie fehlerhafte Planung oder fehlerhafte Kalkulation den Ablauf eines Bauvorhabens. Um die Folgen abzufedern, haben Lehnert und Heinemann im Falle der Generalsanierung des Theaters am Domhof einen Puffer von rund 18 Millionen Euro in die Kostenkalkulation eingerechnet.

PD Berater der öffentlichen Hand GmbH″ nennt sich das Unternehmen, das die beiden beschäftigt. Ihre Aufgabe: Kommunen beraten, die aufwendige Bauprojekte realisieren wollen. Kulturdezernent Wolfgang Beckermann hat die Idee, PD zu beauftragen, eine erste Kalkulation über die Kosten einer Theatersanierung zu ermitteln. Dabei versteht sich PD als Dienstleister im besten Sinn, der keine eigenen Interessen verfolgen muss, weil er über Steuern finanziert wird. Deshalb musste die Stadt nichts für das Gutachten bezahlen: Das Bundesfinanzministerium hat Beckermanns Antrag auf ein Gutachten bewilligt und es zu hundert Prozent gefördert.

In ihrer Studie hat PD drei Varianten durchgerechnet: die Sanierung, den Neubau und die Beibehaltung des Ist-Zustandes″, bei der lediglich anfallende Reparaturen ausgeführt werden. Lehnert und Heinemann konnten sich dabei auf Vorarbeiten des Theaters stützen. Aber auch die eigene Kompetenz ist in das Gutachten eingeflossen. Wir sind Bauingenieure″, sagt Lehnert, das heißt, die beiden können einschätzen, wie aussagekräftig einige Daten sind. Allerdings: Vieles in dem Gutachten stützt sich auf Hypothesen″, sagt Lehnert.

So wurde für die Neubauvariante das gleiche Flächenprogramm wie im Theater am Domhof″ angenommen. Um die Vergleichbarkeit herzustellen, wurden Kosten für die nötigen Parkplätze und das nötige Grundstück nicht ermittelt die Kosten kämen zu den ermittelten 100 Millionen Euro dazu. Aber auch die Generalsanierung beinhaltet einige Unbekannte. So kalkulieren Lehnert und Heinemann für das neue Probenzentrum 4, 4 Millionen Euro allerdings ohne Grundstück. Das haben wir nicht eingerechnet, weil das wie ein Blick in die Glaskugel wäre″, sagt Lehnert. Einige Posten beruhen auf Erfahrungen und Schätzungen, die genaue Kosten könnten erst im Zuge der genauen Planung ermittelt werden, sagen die Ingenieure.

Diese Phase der Planung setzt allerdings einen entsprechenden Stadtratsbeschluss voraus. Der könnte in der nächsten Ratssitzung am 12. März gefasst werden, aber derzeit befinden wir uns noch auf Planungsstufe null″, sagt Kulturdezernent Wolfgang Beckermann. Lehnert und Heinemann aber haben eine erste Diskussionsgrundlage geschaffen. Und sie sind sich sicher, so großzügig kalkuliert zu haben, dass die konkreten Summen vielleicht sogar niedriger ausfallen als angenommen.

Bildtext:
ORTSTERMIN: Das Theater Osnabrück zeigt auf Führungen hinter die Kulissen, wo der Sanierungsbedarf besonders deutlich wird.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Ralf Döring


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