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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt hat keine Strategie gegen Armut
Zwischenüberschrift:
Osnabrück will nun für 80 000 Euro jährlich einen Sozialplaner einstellen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Armutsprobleme gibt es in Osnabrück so einige: Hunderte Rentner müssen aufstocken, die Zahl der Langzeitarbeitslosen bleibt auf hohem Niveau, Sozialwohnungen sind Mangelware. Was es nicht gibt, ist ein Sozialplaner, der sich überlegt, wie die Stadt mehr soziale Gerechtigkeit schaffen kann.

Osnabrück So einer (oder eine) soll nun kommen. Bislang hat nämlich niemand im Stadthaus so recht den Überblick das zumindest darf man annehmen, wenn man Wolfgang Beckermann, Vorstand für Soziales, Bildung und Kultur, Glauben schenkt. Zu sozialpolitischen Fragestellungen sind wir derzeit nicht wirklich sprachfähig″, sagt er. Für 80 000 Euro jährlich schafft die Stadt daher nun eine neue Personalstelle, dazu hat der Rat im vergangenen Jahr einstimmig sein Okay gegeben.

Weitblick fehlt

Zwar kümmert sich die Stadt bereits: um Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung, um Flüchtlinge, Hartz-IV-Empfänger und Wohnungslose. Satte 300 Millionen Euro verwaltet der Fachbereich Soziales und verteilt das Geld gemäß den staatlichen Vorgaben. Wir sind tätig im Sinne der Erbringung von Leistungen″, sagt Beckermann. Darüber hinaus müssen wir aber auch vorausschauend handeln und planen.″

Er wolle nicht falsch verstanden werden, betont der Sozialdezernent: Wir haben eine gute Sozialverwaltung, aber es gibt eine Strategielücke″, sagt Beckermann. So müsse beispielsweise die Frage, ob es genügend bezahlbaren Wohnraum in Osnabrück gibt, auch als soziale Frage betrachtet werden. Und″, betont Beckermann, wir müssen uns viel stärker um das Thema Altersarmut kümmern und um das Thema Pflege.″ Auch beim Thema Inklusion müsse die Stadt klären, wie sie sich da künftig aufstellen wolle.

In anderen Bereichen seines Dezernats, zum Beispiel im Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien oder bei der Schulentwicklungsplanung, sehe es besser aus. Nur im Fachbereich Soziales, Integration und Bürgerengagement, da machen wir keine Planung″, so Beckermann, der seinen Vorstandsposten vor zwei Jahren angetreten ist. Für eine Stadt unserer Größenordnung ist das ungewöhnlich.″

Dabei gibt es sogar Datenmaterial. 2018 erschien zum dritten Mal ein Sozialmonitoring. Die Statistiker der Stadt berechneten darin einen Wert, mit dem sich die soziale Ungleichheit in bestimmten Quartieren in Zahlen fassen und berechnen lässt, wie sie sich in den vergangenen sechs Jahren entwickelt hat. Am schlechtesten schnitten Teile der Stadtteile Schinkel, Eversburg und Dodesheide ab. Es gibt vor Ort einzelne Einrichtungen wie etwa das Heinz-Fitschen-Haus im Schinkel oder den Quartierstreff Dodesheide, deren Angebote sich vor allem an Kinder, Jugendliche und Familien richten.

Das Beispiel Schinkel

Schinkel ist 2018 in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt″ aufgenommen worden, dort wird nun im Kleinen analysiert, wie die Situation der Menschen vor Ort über bauliche Verschönerungen hinaus mit Hilfsangeboten und Netzwerken verbessert werden kann. Davon wird aber nur der Stadtteil profitieren. Im Rosenplatzquartier, das 2001 bis 2016 in demselben Förderprogramm war, lief es so.

Der neue Sozialplaner soll die diversen Armuts-, Inklusions- oder Integrationsprobleme künftig gesamtstädtisch betrachten, erkennen, woran es mangelt, und ermitteln, welche Hilfsangebote sinnvoll wären. Die Stellenausschreibung ist laut Beckermann in Arbeit.

Bildtext:
Facetten der Bedürftigkeit: Zur Osnabrücker Tafel kommen täglich Hunderte Kunden, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen, geflüchtete finden keine Mietwohnung, und die Zahl der Obdachlosen steigt.
Fotos:
Archiv/ Ebener, Gründel

Armut in Osnabrück in Zahlen
Fast jedes vierte Kind unter 15 Jahren in Osnabrück (23, 7 Prozent) lebt in Familien mit Hartz-IV-Bezug und kann damit als arm gelten.

Die Quote der Hartz-IV-Bezieher ist mit knapp elf Prozent höher als bundesweit, da sind es neun Prozent.

Altersarmut ist ebenfalls ein Thema in Osnabrück knapp 2000 Rentner sind auf staatliche Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Kommentar
Stillstand

Tafel, Familienzentren, Beratungsstellen: Hilfsangebote für Menschen in schwierigen Lebenssituationen gibt es in Osnabrück viele.

Am deutlichsten wird das immer bei einem Besuch der Bahnhofsmission. Am Eingangstor zur Stadt können ihre Mitarbeiter wie die Spinne im Netz auf ein breites Netzwerk zurückgreifen, wenn es darum geht, Menschen in Not an die passenden Einrichtungen zu verweisen. Dieses gut funktionierende Netzwerk ist etwas, worauf Osnabrück stolz sein kann.

Braucht es da tatsächlich einen Sozialplaner, eine weitere hoch bezahlte Stelle in der Stadtverwaltung? Vielleicht ist das tatsächlich so. Denn die Quote der Kinder, die in Armut leben, die Zahl der Langzeitarbeitslosen und der Betroffenen von Altersarmut bleibt seit Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Da bewegt sich gar nichts. Insbesondere arme Familien fallen oft durchs Raster, da Angebote wie die Kindermahlzeit, die gesunde Mittagessen für symbolische 50 Cent anbietet, nur einen Bruchteil der Betroffenen erreichen. Und Menschen in Altersarmut droht die Isolation.

Wenn es noch Stellschrauben gibt, um diese Gruppen aufzufangen, sollte die Stadt sie finden und anziehen.
Autor:
Sandra Dorn


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