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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leben im Schuhkarton
Zwischenüberschrift:
Grüne wollen Minihaus-Siedlungen in Osnabrück ermöglichen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück braucht mehr Wohnraum. Die Verwaltung erachtet das Bauen in die Höhe als eine Möglichkeit. Doch auch einem entgegengesetzten neuen Wohntrend ist sie nicht abgeneigt. Und der heißt: Tiny Houses also winzige Häuser″.

Osnabrück Tiny Houses sind sehr kleine Wohngebäude mit zumeist nur zwischen 15 und 40 Quadratmetern, in der Regel auf Anhängern. Sie beschränken sich auf einen kleinen Wohnbereich, eine kleine Kochecke sowie einen Sanitärbereich. Sie sind in der Regel auf eine Person ausgelegt.

Die Grünen hatten das Thema im Juni vergangenen Jahres in den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt eingebracht. Sie beauftragten die Verwaltung, zu prüfen, inwieweit Tiny Houses für das Baugebiet Am Hirtenhaus am Finkenhügel, wo die Wagenburg steht, infrage kommen könnten und darüber hinaus. Denn der Trend aus den USA wird auch in Deutschland immer beliebter. Im Fichtelgebirge existiert bereits eine Tiny-House-Siedlung, die Stadt Basel sprach sich am Montag dafür aus, ein Areal für eine solche Siedlung zu suchen, berichtet die Badische Zeitung″. Immer mehr Hersteller produzieren die kleinen Eigenheime, etwa in Bad Bentheim, Hamm, Achim und Lehrte.

Wir brauchen ein vielfältiges Angebot″, sagt Grünen-Fraktionschef Volker Bajus im Gespräch mit unserer Redaktion. Tiny Houses erfreuten sich wachsender Beliebtheit und würden dem Anspruch Nicht immer größer, nicht immer mehr″ gerecht, sagt er. Sie zeigen, dass man auch mit wenig Fläche auskommen kann, und sie sind günstig.″ Tiny Houses kosten zumeist zwischen 25 000 und 80 000 Euro je nach Größe und Ausstattung.

Osnabrück Stadtplaner Franz Schürings schlägt in dieselbe Kerbe wie Bajus. Es gibt ja nicht nur ein Prinzip des Wohnens, es geht um Vielfalt.″ Tiny Houses seien eine spannende Wohnform″, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dem Baurecht unterlegen

Am 17. Januar informiert die Verwaltung den Stadtentwicklungsausschuss über ihre Sicht zu den winzigen Häusern. Die Antwort von Stadtplaner Franz Schürings auf die Anfrage der Grünen ist bereits in den Ratsunterlagen zu finden. Daraus geht hervor: Die Verwaltung ist der Idee der Grünen nicht abgeneigt, sieht aber auch Probleme.

So können die Minihäuser nicht einfach auf einer Wiese abgestellt und bewohnt werden. Selbst auf Rädern gelten sie nicht als Wohnwagen, sondern nach der Niedersächsischen Bauordnung als Gebäude. Entsprechend gilt das Baurecht. Daher können sie nur auf erschlossenen Grundstücken platziert werden. Diese müssen ans öffentliche Straßen-, Wasser-, Abwasser-, Wärme- und Stromnetz angeschlossen sein, obgleich es sich in vielen Tiny Houses dank Wassertanks und Solaranlage autark leben lässt.

Das Baurecht gelte auch für Gebäude auf Rädern, sagt Schürings. Das macht planungsrechtlich keinen Unterschied.″ Ob Anhänger oder nicht: Das sind dauerhafte, feststehende Gebäude″, erklärt er.

Vertikale Verdichtung

Immerhin: Ein Baugebiet, das für Tiny Houses infrage kommt, muss nicht besonders ausgewiesen werden. Einschränkung: In Baugebieten, die aus Gründen der Flächennutzung nur Reihen- und Doppelhäuser zulassen, dürfen keine Tiny Houses entstehen. Die Verwaltung kann wiederum spezielle Gebiete für Tiny Houses festschreiben. Dies ist aus Sicht der Verwaltung aber nicht empfehlenswert, da bisher nicht absehbar ist, wie sich ein solcher experimenteller Bautypus auf Dauer entwickeln wird″, heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage. Sinnvoller sei es, klassische Wohngebiete um Minihäuser zu ergänzen. Denn eine aus Tiny Houses bestehende Siedlung verbrauche zu viel Fläche für zu wenige Menschen. Daher sei das Bauen in die Höhe, die effizientere Wohnraumverdichtung.

Das würde ich so pauschal nicht stehen lassen wollen″, sagt Bajus. Ja, Tiny Houses böten sich aus optischen Gründen oder wegen des Stadtklimas nicht überall an. Die Grünen werden die Verwaltung dennoch auffordern, die Möglichkeit des Aufbaus von Tiny Houses für geeignete Gebiete geneigt″ zu prüfen, so Bajus.

Zumindest Schürings steht den Minihäusern durchaus wohlwollend gegenüber. Auf mancher Fläche eigne sich aber sicherlich eine dichtere Bauweise. Er habe auch noch keine Fläche konkret vor Augen, auf der sich eine Siedlung mit Minihäusern vorstellen könnte. Gäbe es eine solche, dauere es noch Jahre, bis dort die ersten Tiny Houses stünden, so Schürings. Bei bereits erschlossenen Gebieten könne es hingegen wesentlich schneller gehen. Wird es also künftig Minihäuser in Osnabrück geben? Können ja″, sagt Schüring. Ob sie es werden, dazu wage ich keine Prognose.″

Bildtext:
Ein Tiny House in den USA: Nach dem Willen der Grünen soll es auch in Osnabrück Bauland für Minihäuser geben. Diese sind in der Regel ab 25 000 Euro zu haben.
Foto:
imago/ ZUMA Press

Kommentar
Auf geht′s!

Die Grünen möchten, dass Singles und Minimalisten Flächen für Tiny Houses bekommen können. Die Verwaltung erachtet diese nicht als beste Lösung, um viel neuen Wohnraum zu schaffen, ist aber auch nicht abgeneigt. Gut so!

Denn eine pluralistische Gesellschaft verlangt unterschiedliche Wohnkonzepte. Und auch so mancher Alleinstehende hat den Traum vom Eigenheim, benötigt aber womöglich kein klassisches Einfamilienhaus oder hat nicht die finanziellen Möglichkeiten, ein massives Haus zu kaufen oder zu bauen. In Zeiten, in denen für immer mehr Menschen weniger mehr ist, können Tiny Houses dieser minimalistischen Lebensart Rechnung tragen. Warum auch sollen immer nur Familien in den Genuss von Bauland, Eigenheim und sogar Unterstützung durch den Staat kommen? Sie erhalten in Deutschland zahlreiche Vorzüge, die die Singlehaushalte mitfinanzieren. Das Argument der geringen Siedlungsdichte ist zwar ein durchaus schlagkräftiges; allerdings ist in der Realität nicht von einer explosionsartigen Nachfrage nach Flächen für die winzigen Häuser zu rechnen. Das bisschen Bauland tut niemandem weh.
Autor:
Jörg Sanders


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