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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Immer einen Tick besser sein als die Ketten″
Zwischenüberschrift:
Wie sich ein Hotelier gegen die Bettenschwemme in Osnabrück wappnet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ein kleines Hotel stemmt sich gegen die Übermacht der Hotelketten. Harald und Cristina Helmers, Inhaber des Domhotels, glauben an die Zukunft individuell geführter Häuser. Sie investieren in neue Zimmer, während gleichzeitig Hotelneubauten aus dem Boden schießen. Woher nehmen sie den Optimismus?

Osnabrück Der Osnabrücker Hotelmarkt wächst explosionsartig. In den vergangenen drei Jahren sind das Arcona Living (108 Zimmer) an der Stadthalle, das Ibis Budget (148) und das B& B (100) am Hauptbahnhof ans Netz gegangen. Nicht weit entfernt und fast fertig ist das Holiday Inn am Alando Palais, das sich mit seinen 158 Zimmern an ein anspruchsvolleres Publikum richtet.

Am Neumarkt beginnt 2019 der Bau von zwei Hotels: Die Hamburger Hotelgruppe Centro zieht unter der Marke Boutique Hotels mit 80 Zimmern in den sogenannten Zauberwürfel vor dem Neumarkt-Carré ein, am Standort der früheren Sportarena entsteht ein NinetyNine-Hotel (131 Zimmer). Und in der Johannisstraße weicht das frühere Sinn-Leffers-Haus einem Hotelneubau.

Droht dem Beherbergungsgewerbe an der Hase ein ruinöser Wettbewerb? Harald und Cristina Helmers (beide 55), Inhaber des Domhotels an der Kleinen Domsfreiheit, sind entschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Wir jammern nicht″, sagt Harald Helmers, wir können uns in einer Nische behaupten.″ Die Nische ist nach seinen Worten das Private und Individuelle″. Und außerdem die zentrale Lage neben dem Dom. Chef und Chefin selbst stehen an der Rezeption und für Fragen der Gäste zur Verfügung. Das Domhotel wählten Gäste, die eine persönliche Betreuung schätzen, sagt Helmers. Und das seien meist Gäste so ab 60″.

Die Individualität ist zugleich ein Nachteil. Denn vor allem das jüngere Publikum orientiert sich bei der Wahl seiner Herberge gern an bekannten Namen. Wo Ibis draufsteht, ist immer Ibis drin: Die Standards sind von Flensburg bis München an allen Standorten gleich. Negative Überraschungen sind somit ausgeschlossen. Wir müssen immer einen Tick besser sein als die Ketten″, weiß Helmers.

Er ist schon etwas überrascht″, dass der Standort Osnabrück bei den Hotelketten so nachgefragt ist. Auch ihm haben Hotel-Konzerne schon Kaufangebote unterbreitet. Ich weiß nicht, was die in Osnabrück sehen, was wir Alteingesessenen nicht sehen.″

2017 hat das Ehepaar Helmers 10 der insgesamt 35 Zimmer neu eingerichtet. Jetzt folgen die nächsten 13 Zimmer, die renoviert und komplett neu möbliert werden. Um jüngeres Publikum ins Domhotel zu locken, müsse auch das Design jung und frisch sein, sagt Helmers. Früher wurden die Zimmer im Rhythmus von etwa zehn Jahren runderneuert, heute sei nach fünf bis sechs Jahren ein Umbau fällig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die gebrauchten Hotelmöbel holen Helfer des SKM in diesen Tagen für die Wohnungslosenhilfe ab.

Kerngeschäft im Domhotel sind die Geschäftsreisen. 70 bis 80 Prozent der Übernachtungen entfallen auf Gäste, die sich aus beruflichen Gründen in der Stadt aufhalten. Die Wirtschaft brummt, das spürt auch das Gastgewerbe.

Harald Helmers würde sich aber wünschen, dass Osnabrück auch bei den Privatreisen und im Wochenendgeschäft zulegt. In den Monaten April, Mai und September sei die Zimmernachfrage an den Wochenenden immer besonders stark, weil dann die Grüppchen und Kegelclubs unterwegs sind, unter anderem zur Maiwoche.

Wichtig wäre, dass es der Stadt gelänge, auch in den schwachen Reisemonaten Magnete zu schaffen, um Touristen an die Hase zu locken. Leider habe Osnabrück die Chance verstreichen lassen, am Güterbahnhof eine Eventhalle zu bauen. Das hätte der Stadt gutgetan″, glaubt Helmers.

Eine zweite Baustelle sieht der Hotelier im Restaurant-Angebot in der Innenstadt. Ja, auch er habe den Restaurantbetrieb eingestellt, räumt Helmers ein. Umso wichtiger ist es ihm, dass seine Gäste in der Nähe des Hotels gute Restaurants finden. In der Adventszeit, so Helmers, sei es nahezu unmöglich gewesen, spontan eine Tisch in einem Speiselokal zu bekommen. Systemgastronomie wachse derweil stark. Was fehle, sei das klassische, mittelständische Restaurant″.

Helmers′ Großmutter hatte nach dem Krieg das Trümmergrundstück im Herzen der Stadt gekauft und dort eine Gaststätte aufgebaut. 1965 übernahm sein Vater Siegfried das Gasthaus, in dem einst viele Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz in der Innenstadt hatten, ihr Mittagessen einnahmen. Im Jahr 2000 stiegen schließlich Harald und Cristina Helmers in dritter Generation in das Unternehmen ein.

Harald Helmers ist zuversichtlich, dass er und seine Frau das Haus zukunftsfähig aufstellen, die 15 Arbeitsplätze langfristig sichern und das Geschäft in einigen Jahren in andere Hände übergeben können. Der wachsenden Konkurrenz zum Trotz. Nur eines könnte wirklich mal zum Problem für die ganze Branche werden, meint Helmers: der gerade in der Gastronomie und Hotelerie derzeit allgegenwärtige Personalmangel.

Bildtext:
Aus dem Domhotel werden gebrauchte Möbel getragen und zur Sammelstelle des SKM gebracht nicht etwa, weil das Hotel schließt, sondern weil es sich fit für die Zukunft machen will.
HOTELIERS AUS LEIDENSCHAFT: Harald und Cristina Hellmers vor ihrem Domhotel.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Mit dem Mut der Verzweiflung

Es ist mutig, dass sich die Inhaber des Domhotels der Konkurrenz stellen wollen und investieren. Angesichts der Ausgangssituation stellt sich allerdings die Frage, ob es sich um den Mut der Verzweiflung handelt. Denn zwei Entwicklungen sprechen gegen kleine Häuser wie das Domhotel:

Da ist zum einen die viel beschworene Bettenschwemme in Osnabrück. Vom Kuchen der rund 482 000 Gästeübernachtungen jährlich wollen große Hotelketten ein Stück abhaben. Zwar steigt die Zahl der Übernachtungen seit Jahren. Für die kleinen, inhabergeführten Hotels dürften unterm Strich aber weniger übrig bleiben.

Zum Zweiten buchen immer mehr Gäste ihren Urlaub über das Internet. Heute sind es fast 40 Prozent, ab 2020 dürfte es die Mehrheit sein, so die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Davon profitieren Hotelketten mit ihrem Ruf, ihrem professionellen Auftritt und attraktiven Rabatten. Kleine Hotels leben dagegen oft von der Weiterempfehlung von Gast zu Gast oder über das Reisebüro.

Es ist den Betreibern des Domhotels zu wünschen, dass sie es trotzdem schaffen, ihr Osnabrücker Original am Leben zu erhalten. Sie bringen sich als Persönlichkeiten in den Betrieb ein, das kann den Unterschied ausmachen zu den anonymen Hotelketten. Sicher gibt es Gäste, die das zu schätzen wissen.
Autor:
Wilfried Hinrichs, Louisa Riepe


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