User Online: 1 | Timeout: 14:09Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gefängnisstrafe war in Wahrheit ein Todesurteil
Zwischenüberschrift:
Der Osnabrücker Wilhelm Franz Niemann geriet als Homosexueller in die Fänge des NS-Regimes
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Er war Arbeiter und lebte in der Osnabrücker Altstadt. Wilhelm Franz Niemann war 1896 als Sohn katholischer Eltern auf die Welt gekommen. Die Familie mit neun Kindern lebte zunächst an der Goldstraße, dann an der Osningstraße. Als Erwachsener zog Wilhelm Franz Niemann schließlich in die Marienstraße. Dort wurde in diesem Sommer auch ein Stolperstein für ihn verlegt vor dem Haus Nummer 11, in dem sich heute das Fotoatelier Lichtenberg befindet.

Wie Wilhelm Franz Niemann lebte und was genau ihm Schwierigkeiten mit der Justiz einbrachte, ist nicht bekannt. Fest steht, dass er im September 1937 wegen einer homosexuellen Handlung verurteilt wurde. Ein Jahr Gefängnis lautete der Richterspruch er sollte gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein.

Hintergrund war die Anwendung des Paragrafen 175 während der Zeit des Nationalsozialismus. Homosexuelle galten als entartet″. Bereits begehrliche Blicke″ von Mann zu Mann reichten für eine Strafverfolgung.

Adolf Hitlers Regime bezeichnete Homosexuelle als Volksfeinde″. Bei der Verfolgung schwankten die Nationalsozialisten zwischen Versuchen zur Umerziehung und Vernichtung. Sie erfassten etwa 100 000 Männer auf rosa Listen″, verurteilten rund die Hälfte von ihnen und verschleppten 10 000 bis 15 000 in Konzentrationslager, wo vermutlich wiederum die Hälfte ums Leben kam. Viele Homosexuelle wurden auch in Psychiatrien eingeliefert oder auf Anordnung von Gerichten kastriert. Und: Nationalsozialistische Ärzte experimentierten auch mit diesen Opfern des Regimes und oft war der Tod der Patienten″ eingeplant. Überliefert ist außerdem, dass sich ein Teil der Verfolgten selbst gar nicht als homosexuell identifizierte.

Wilhelm Franz Niemann kam nach Verbüßung seiner Gefängnisstrafe nicht wieder frei. Als sogenannter Schutzhäftling″ wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen verschleppt, das sich östlich der österreichischen Stadt Linz befand.

Wie Lisa Böhne vom Initiativkreis Stolpersteine bei ihren Recherchen feststellte, sind weitere Stationen seines Leidenswegs nicht genau dokumentiert, wohl aber, dass der Osnabrücker 1944 in das Schloss Hartheim in Alkoven in Oberösterreich gebracht wurde. Die Nationalsozialisten hatten es zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert.

Zu ihrer Rassenideologie gehörte die Vernichtung lebensunwerten Lebens″. Zwischen 1940 und 1944 wurden nach Schätzungen von Historikern etwa 30 000 Menschen auf Schloss Hartheim ermordet psychisch Kranke, körperlich und geistig Behinderte sowie Häftlinge aus Konzentrationslagern.

Einer von ihnen war der Osnabrücker Wilhelm Franz Niemann. Er kam dort im Juli 1944 ums Leben im Alter von 47 Jahren. Aus einer Gefängnisstrafe wegen homosexueller Handlung″ war ein Todesurteil geworden.

Bildtexte:
MARIENSTRASSE 11: Hier lebte Wilhelm Franz Niemann, bevor er 1937 in die Fänge der Nationalsozialisten geriet. 1944 wurde er ermordet.
Schloss Hartheim wurde von den Nationalsozialisten als Tötungsanstalt missbraucht.
Fotos:
David Ebener, imago/ Volker Preußer

Stolpersteine
Messingplatten in Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den ehemaligen Wohnungen oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Roma, Deserteure sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen, einer psychischen Erkrankung, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung verfolgt und schließlich ermordet wurden.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben außer in Deutschland unter anderem auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, in der Ukraine und in den Niederlanden.

In Osnabrück werden die Gedenksteine seit 2007 verlegt. Inzwischen befinden sich im Stadtgebiet 290 Stolpersteine. Pate des Gedenksteins an der Marienstraße 11 in Osnabrück für Wilhelm Franz Niemann ist das Schul-Aufklärungsprojekt Schlau″, deren ehrenamtliche Akteure Workshops unter anderem über Homosexualität anbieten.
Autor:
Jann Weber


Anfang der Liste Ende der Liste