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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Sünderin stieg aufs Auto um
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf die Osnabrück-Visiten deutscher Kinoprominenz aufs Korn nahm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Schauspieler fast zum Anfassen: Was einem Millionenpublikum heute als Promotion für neue Kinofilme via Bildschirm in die Wohnzimmer flimmert, hatte in den 1950er-Jahren eine persönlichere Note nicht immer zum Gefallen des Osnabrücker Karikaturisten Fritz Wolf.

Osnabrück Hildegard Knef und Hans Albers präsentierten sich nach seiner Meinung nicht nur von ihrer besten Seite.

Die Begeisterung der Menschenmenge kennt keine Grenzen: Die Knef sehen und dann sterben″, ereifert sich ein Anhänger der populären Schauspielerin, die 1951 in der Rolle der Prostituierten Marina mit ihrem Film Die Sünderin″ einen handfesten Filmskandal verursacht hatte. Das Thema generell, aber auch ein kurzer, heute gänzlich unspektakulärer Kameraschwenk über Knefs barbusigen Oberkörper rief damals Moralapostel jeglicher Couleur bis hin zu Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling auf den Plan. Sie wetterten lautstark gegen den Verfall von Sitte und Anstand und klagten gegen den Streifen durch die Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht, das jedoch im Dezember 1954 das geforderte Verbot ablehnte.

Trotz der immensen öffentlichen Kritik machten sich im Januar 1954 fünfhundert Osnabrücker Fans auf den Weg zum Hauptbahnhof, um der Filmdiva bei ihrer Anreise zu einem Werbeauftritt in der Hasestadt einen überschwänglichen Empfang zu bereiten. Willkommen in Osnabrück″ ist auf dem Transparent zu lesen, doch der prominente Gast ließ auf sich warten. Die herablassende Frage Was machst du denn hier, Opa?″, deutet an, dass in den Augen Fritz Wolfs insbesondere Herren in der Blüte ihrer Jahre der Begegnung mit Hildegard Knef entgegenschmachteten. Tippte die wartende Menge zunächst auf eine Verspätung des angekündigten D-Zuges, so hatte die Knef″ ihre Pläne wohl in Erwartung öffentlichen Aufsehens kurzerhand geändert und war mit dem Auto angereist. Fritz Wolf zeichnete sie folgerichtig auf der Kühlerhaube ihrer Limousine in leicht lasziver Haltung, unterstrichen durch die frivol glimmende Zigarette zwischen den Fingern ihrer rechten Hand.

Dabei befand sich die Sünderin″ in guter Gesellschaft, denn auch Hans Albers hatte seine Fangemeinde elf Monate zuvor entgegen allen Prognosen durch die Anreise auf der Straße ausgebremst. Damals sahen ihm frei nach Fritz Wolf vor allem die wartenden Damen diesen Fauxpas nach. Während eine von ihnen mit dem selbstbewussten Kommentar Ich kenne Hans persönlich″ ihre Geduld unterstreicht, versucht eine andere, jegliche männliche Kritik an der vermeintlichen Unpünktlichkeit des Mimen mit der lautstarken Ansage Flegel!!″ im Keim zu ersticken. Welchen Kultstatus der blonde Hans″ bei Publikum wie Produzenten gleichermaßen besaß, zeigt seine Filmografie der frühen 50er-Jahre: Zwischen 1950 und 1953 spielte er in gleich sechs Filmen eine Hauptrolle.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Karikatur-Ausschnitt aus der Osnabrücker Wochenschau″ von 1954.
Nein, nicht Adenauer wurde sehnlichst erwartet, sondern Schauspieler Hans Albers (1953).

Fritz Wolf
Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag eine Karikaturen-Serie. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2018 ist im Forum am Dom die Ausstellung Friede den Menschen auf Erden! mit (nicht nur) weihnachtlichen Karikaturen von Fritz Wolf und Gerhard Mester zu sehen, die auch die Themen Flucht und Asyl aufgreift. Im Begleitheft (4, 80 Euro) sind die im Text angesprochenen Zeichnungen abgedruckt allerdings ohne die Folge von 1952. Einen Ausblick ins neue Jahr bietet der Fritz-Wolf-Kalender 2019, der im Forum am Dom, im Buchhandel und den Geschäftsstellen der NOZ für 18, 90 Euro erhältlich ist.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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