User Online: 1 | Timeout: 11:58Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Ursachen des Verkehrskollapses
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu den Artikeln Handwerker regen sich über den Verkehr auf″ und Das sagt der Verkehrsexperte der Stadt dazu″ (Ausgabe vom 1. Dezember).

Der Begründung des von Ihnen [...] zitierten Verkehrsexperten der Stadt Osnabrück, Herrn Ralf Lieder, wonach der Längenzuwachs des Autos für die mangelnde Leistungsfähigkeit der Lichtsignalanlagen und damit für den innerstädtischen Verkehrskollaps ursächlich sei, muss ich vehement widersprechen.

Erstens ist die Begründung schon mathematisch grob falsch: Wenn die Autos denn tatsächlich seit den 70er-Jahren um 25 Prozent länger geworden sein sollten, müsste bei einer angenommen Pkw-Durchschnittslänge von vier Metern in den 70er-Jahren diese heute dann fünf Meter betragen [...]. Auf einem Nettostauraum von 20 Metern Länge hätten dann ohne Berücksichtigung der Abstände zwischen den Fahrzeugen (= Bruttostauraum) nur noch vier statt vorher fünf Pkw Platz. Das entspricht einer Reduzierung um 20 Prozent und nicht um 25 Prozent!

Zweitens ist die Annahme, dass die Pkw-Durchschnittslängen seit den 70er-Jahren dermaßen zugenommen hätten, stark übertrieben: Ein Kleinwagen wie zum Beispiel ein VW Golf ist von 3, 71 Metern auf 4, 26 Metern Länge (+ 15 Prozent) gewachsen, ein Mittelklassewagen wie Audi 100/ A6 von 4, 64 Meter auf 4, 92 Meter (+ 6 Prozent), ein Oberklassewagen wie Mercedes S-Klasse von 4, 96 Meter auf 5, 12 Meter (+ 3 Prozent). Also als Mittelwert bei Weitem keine 25 Prozent!

Drittens ergibt sich die Leistungsfähigkeit von Lichtsignalanlagen gemäß , RiLSA′ (Richtlinien für Lichtsignalanlagen) und marktüblichen EDV-Simulationsprogrammen für LSA-Leistungsfähigkeitsuntersuchungen gar nicht primär aus der Fahrzeuglänge, sondern insbesondere aus der Anzahl und der sogenannten , Fahrzeugfolgezeit′ (in der Regel 2, 0 Sekunden/ Pkw) der vor einer Ampel wartenden , Pkw-Einheiten′– und wie gut die Signalprogramme der spezifischen Hauptverkehrszeiten auf die jeweilige Knotenpunkts-Konfiguration [...] zugeschnitten sind.

Die wahren Ursachen für den Verkehrskollaps in Osnabrück sind doch andere: Wenn der Kfz-Bestand in Osnabrück allein in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent gestiegen ist, dann kann eine Verknappung des Verkehrsraumes [...] nicht die richtige verkehrsplanerische Antwort sein zumindest dann nicht, wenn für die über 70 000 Berufspendler [...] keine zuverlässigen, leistungsfähigen und attraktiven Alternativen im ÖPNV und Radverkehrssektor vorhanden sind!

Insbesondere darf man sich dann nicht über Staus [...] wundern, wenn die wichtigste innerstädtische Ost-West-Verkehrsader, nämlich die Achse Wittekindstraße Neumarkt Neuer Graben, für den Kfz gesperrt wird und der verdrängte Kfz-Verkehr sich unter anderem auf den ohnehin schon überlasteten Wallring verteilt. Zumal, wenn noch zahlreiche unkoordinierte Baustellen für zusätzliche Engpässe sorgen!

Wenn dann noch von Tempo 30 in Hauptverkehrsstraßen oder der Reduzierung von [...] Fahrstreifen [...] geträumt wird und hierbei pauschal auf den ÖPNV und den Radverkehr als angebliches verkehrsplanerisches Allheilmittel verwiesen wird, ohne konkrete Pläne [...] für eine nachhaltige Angebotsverbesserung dieser Verkehrssektoren vorweisen zu können, dann: Gute Nacht, Osnabrück träum weiter! [...]

Auch das Dilemma, sich für Luftreinhaltung versus Verkehrsfluss entscheiden zu müssen, ist keine stichhaltige Begründung. Die Luftreinhaltung ist in der Tat ein gravierendes, von der Politik zu lösendes Problem. Sich hierbei jedoch primär auf den Verursacher , Verkehr′ zu fokussieren der nur für rund 30 Prozent der Luftschadstoffe in der Stadt ursächlich ist [...] –, hilft nicht wirklich weiter. [...]″

Reimer Thiessen

Belm
Autor:
Reimer Thiessen


Anfang der Liste Ende der Liste