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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Bergbau geht, die Verantwortung bleibt
Zwischenüberschrift:
Nach dem Aus des Steinkohleabbaus in Ibbenbüren bleiben Kosten in Millionenhöhe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der industrielle Steinkohleabbau in Ibbenbüren ist zwar Geschichte, die Verantwortung für Bergbaufolgen jedoch bleibt. Die sogenannten Ewigkeitskosten muss die RAG-Stiftung schultern.

Osnabrück Plötzlich sackt die Erde ab: Am Essener Hauptbahnhof sorgte ein sogenannter Tagesbruch, eine alte Schachtöffnung nahe der Oberfläche, für massive Behinderungen im Zugverkehr. In Wattenscheid ließ ein schwarzes Loch″ Garagen und ein Auto absacken. Andere Krater tun sich unbemerkt in Wäldern auf. Das Erdreich in Nordrhein-Westfalen ist durch den jahrzehntelangen Bergbau durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

Rund 22 000 Bergschadensmeldungen bearbeitete und regulierte allein der Zechenkonzern RAG zuletzt jedes Jahr. Wie aus einer Großen Anfrage der Grünen an die Landesregierung hervorgeht, sind rund 600 Quadratkilometer Fläche des Bundeslandes von Altlasten des Bergbaus betroffen, verteilt auf 52 Prozent aller Kommunen. Zu jenen mit der höchsten Anzahl an Schächten gehört neben Spitzenreiter Bochum (2529 Schächte) auch Ibbenbüren mit 229 an der Zahl.

Diese Schächte zu sanieren und instand zu halten ist teuer. Wie viel die Altgesellschaften durchschnittlich in die Sanierung jedes Schachtes gesteckt haben und wie hoch die Rückstellungen für Maßnahmen sind, geben sie jedoch nicht an. Dafür jedoch die Zahl der Schächte in ihrem Zuständigkeitsbereich, die potenziell sanierungsbedürftig sind: bei der RAG sind es gut 4700, mehr als 860 von ihnen im Kreis Steinfurt, die meisten im Gebiet der Stadt Essen. Eon nennt die Zahl von 3400, die meisten in Bochum. Bei RWE sind es 1680 sanierungsbedürftige Schächte.

Tief in die Tasche greifen müssen jedoch nicht nur die Altgesellschaften, sondern auch der Steuerzahler. Denn wird kein Rechtsnachfolger einer Grube gefunden, wird die Bergbehörde NRW in die Pflicht genommen und sie ist auskunftsfreudiger, was ihre Investitionen angeht. 2569 Schächte fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landes NRW. Für die Sicherung hat das Land zwischen 2008 und 2016 durchschnittlich 128 778 Euro ausgegeben pro Schacht. Rund 130 Millionen Euro werden auf den Steuerzahler zukommen, allein für die heute schon bekannten rund 1000 einsturzgefährdeten Anlagen.

Die Sanierungen sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Hinzu kommen die sogenannten Ewigkeitskosten wie das Abpumpen des Grubenwassers unter Tage sowie in oberflächennahen Senken, damit das Grundwasser nicht verunreinigt wird, die Region nicht versinkt oder etwa der Essener Hauptbahnhof unter Wasser steht. Finanzieren wird dies die RAG Stiftung, die sich aus Kapital- und Dividendenerträgen finanziert. Rund 220 Millionen Euro pro Jahr hat sie veranschlagt. Dauerhaft.

Für ihre Aufgaben sieht sich die RAG gut gerüstet. Die Stiftung hat ihre Rückstellungen im vergangenen Jahr um 431 Millionen Euro auf 5, 27 Milliarden Euro erhöht und ihr Vermögen in den vergangenen zehn Jahren auf 17 Milliarden Euro verdreifacht. Es gibt jedoch auch Unwägbarkeiten: Die Stiftung ist vor allem abhängig von der Dividende des Chemiekonzerns Evonik, an dem sie 68 Prozent der Anteile hält. Noch trägt der Konzern den größten Teil des Gewinns bei und zahlte 2017 364 Millionen Euro Dividende an die Stiftung. Sie ist jedoch auch an der Wohnungsgesellschaft Vivawest beteiligt, die laut Stiftung zusammen mit diversen Kapitalanlagen mehr als 40 Prozent des Vermögens ausmacht.

Die bergbaubedingten Rückstellungen von RWE inklusive Braunkohle beliefen sich Ende September auf 2, 5 Milliarden Euro mehr als 200 Millionen mehr als noch Ende 2017. Wie viel davon allerdings für die Folgen des Steinkohlebergbaus und wie viel für den noch laufenden Braunkohleabbau kalkuliert sind, wird nicht offengelegt.

Bildtext:
Plötzlich tut sich die Erde auf, wie auf diesem Bild in Witten im Jahr 2014. Das Loch des Tagesbruches muss verfüllt werden. Die Kosten trägt der Eigentümer der Stollen.
Foto:
dpa/ Bernd Thissen
Autor:
Nina Kallmeier


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