User Online: 1 | Timeout: 11:42Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schulneubau gerät in Zeitnot
 
Anbau gegen den Willen der Lehrer?
Zwischenüberschrift:
Verwaltung überrascht mit neuem Vorschlag fürs Ratsgymnasium
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wenn Niedersachsen 2020 zum Abitur nach 13 Jahren zurückkehrt, müssen die Gymnasien in Osnabrück ausreichende Raumkapazitäten für die zusätzlichen Schüler haben. Am Ratsgymnasium droht die Zeit knapp zu werden: Der ursprünglich geplante Neubau am Rande des Schlossgartens ist von Stadtbaurat Frank Otte in der Prioritätenliste zurückgestuft worden. Er favorisiert stattdessen einen Anbau direkt am historischen Altbestand, um den engen Schulhof zu schonen und Geld zu sparen. Ein entsprechender Entwurf soll Anfang des neuen Jahres in die politischen Gremien gehen, die noch im Frühjahr darüber entscheiden müssen, damit der zusätzliche Jahrgang ab 2020 Platz hat. Das Kollegium des Ratsgymnasiums kann sich mit dem neuen Entwurf überhaupt nicht anfreunden.

Das Ratsgymnasium muss bis 2020 erweitert werden. Denn dann wird der 13. Jahrgang wieder eingeführt. Jetzt hat die Stadt auf den letzten Drücker neue Pläne für einen Anbau vorgelegt, die im Kollegium auf Missfallen stoßen. Und die Zeit wird knapp.

Osnabrück Während am Schulzentrum Sonnenhügel schon die ersten Baumaschinen anrollen, um für Platz für den zusätzlichen Jahrgang am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zu sorgen, hakt die dringend notwendige Erweiterung am Ratsgymnasium noch. Zwei Varianten waren zunächst im Gespräch, ein Solitärbau und ein Anbau an den Siebzigerjahre-Trakt. Im November stellte die Verwaltung plötzlich eine dritte Möglichkeit vor.

Diese Variante greift einen Vorschlag auf, der bei einem Ideenwettbewerb im Jahr 2002 für die damalige Erweiterung der Schule noch aus Denkmalschutzgründen abgelehnt worden war. Das Architekturbüro Otte und Topp hatte seinerzeit einen Anbau auf der Schulhofseite des historischen Altbautraktes des Ratsgymnasiums vorgeschlagen und dafür eine Anerkennung bekommen.

Der Entwurf kam nicht zum Zuge. Umgesetzt wurde der Siegerentwurf des Büros Ahrens und Pörtner, die jetzt die damalige Idee wieder aufgreifen. Wir haben auf Bitten der Verwaltung, über eine dritte Alternative nachzudenken, den Anbau vorgeschlagen″, so Wilhelm Pörtner. Mit dem Entwurf des damaligen Mitbewerbers habe das allerdings nichts zu tun.

Somit stehen derzeit drei Varianten zur Diskussion, wobei die Möglichkeit eines Anbaus an den Klassentrakt aufgrund der Baukosten und anderer Einschränkungen eigentlich schon vom Tisch schien. Variante zwei ein Solitärbau an der Grenze zum Schlosspark galt als Favorit. Im Mai hatten sich Ludger Rasche und Dirk König vom zuständigen Fachbereich Immobilien gegenüber unserer Zeitung für den Solitärbau ausgesprochen.

Nun hat Stadtbaurat Frank Otte eine andere Richtung eingeschlagen. Der frei stehende Erweiterungsbau würde wesentlich mehr Fläche verbrauchen, biete der Schulhof des Ratsgymnasiums schon jetzt zu wenig Raum.

Gedränge im Altbau

Das wird im Kollegium dem Vernehmen nach anders gesehen. Hier wird der Solitärbau vor allem bevorzugt, weil er das Schulleben entzerren würde. Die Kritiker des Anbaus führen ins Feld, dass sich mit dieser Lösung demnächst 150 bis 180 Schüler zusätzlich im Altbau drängeln und durch die Treppenhäuser geleitet werden müssten. Außerdem fürchten sie den Verlust der historischen Fassade von 1906 als eines identitätsstiftenden Moments des Osnabrücker Traditionsgymnasiums, das 1595 gegründet wurde.

Für Otte ist die Anbaulösung der wirtschaftlichste Weg zu neuen Klassenräumen. Gegenüber seinem alten Entwurf werde die Pörtner-Variante wesentlich weniger Altbaufläche überdecken, so Otte. Damals habe es noch die Freifläche am Wall gegeben, um das Rats zu erweitern, heute sei der Spielraum wesentlich enger. Das habe auch die Denkmalpflege in ihre Abwägung aufgenommen, zumal ein Solitärbau den Blick vom Schlosspark aus auf das historische Gebäude ebenfalls stark einschränken würde.

Das Büro Pörtner stellt sich eine Glasverbindung zwischen Alt- und Neubau vor, sodass die alte Fassade erhalten bleibt. Zwei Fenster sollen vergrößert werden, um den Übergang zwischen Alt und Neu zu gewährleisten. Ein Aufzug soll die Barrierefreiheit nicht nur für den Neu-, sondern auch für den Altbau sicherstellen.

Otte will die Pörtner-Variante im neuen Jahr durch die Ausschüsse bringen und dann zügig mit dem Bau beginnen. Er ist sich sicher, dass der Zeitplan eingehalten werden und der neue Jahrgang 13 zum Schuljahresbeginn 2020/ 21 die neuen Räume beziehen kann.

Unter Zeitdruck

Nach seinen Worten sollen die Planungen in den ersten Ausschusssitzungen des kommenden Jahres vorgestellt werden, wobei die nächste Sitzung des Schulausschusses am 21. Februar geplant ist, die nächste darauffolgende Ratssitzung am 12. März. Ein endgültiger Beschluss ist also frühestens in einem Vierteljahr möglich. Eine größere Gefahr für mögliche Verzögerungen sieht Osnabrücks Stadtbaurat in der knappen Verfügbarkeit von Bauunternehmen, die sich derzeit allesamt über volle Auftragsbücher freuen.

Während aus dem Kollegium die Anbauvariante kritisiert wird, hält sich Schulleiter Lothar Wehleit noch bedeckt. Es müssen jetzt die Einwände berücksichtigt werden. Die daraus hergeleiteten konkreten Vorschläge können wir dann weiter diskutieren.″

Bildtext:
An den Mittelteil des Ratsgymnasiums soll der Neubau angesetzt werden. Ein Teil der historischen Fassade würde damit verdeckt.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Erstaunlicher Sinneswandel

Wenn zum Schuljahr 2020/ 21 die Bauarbeiten am Ratsgymnasium abgeschlossen sein sollen, wird es langsam höchste Eisenbahn. Aber die Entscheidung, wie die Erweiterung denn nun aussehen soll, zieht sich wie Kaugummi.

Zugegebenermaßen ist die bauliche Situation am Rats nicht gerade einfach. Der verfügbare Platz für Erweiterungen wird immer knapper. Dass nun der Anbau an den historischen Teil der Schule angeflanscht werden soll, an dem über Jahre nicht einmal die Fenster verändert werden durften, ist verwunderlich.

Nun lässt sich über Geschmack und über den Wert historischer Bausubstanz streiten. Die Einwände derer, die tagtäglich in dem neuen Gebäude arbeiten müssen, sind aber nicht von der Hand zu weisen. 150 bis 180 neue Schüler müssen untergebracht werden. Das bringt viel Unruhe mit sich. Fraglich ist, ob diese Verdichtung im Altbautrakt noch verträglich ist. Den Solitärbau einfach so vom Tisch zu wischen kann also nicht die Lösung sein.

Erstaunlich ist, dass die Verwaltung noch im Mai den Solitärbau als geeignete Lösung gesehen hat. Das scheint nun Makulatur zu sein. Jetzt beginnt die Diskussion von vorn als wenn wir alle Zeit der Welt hätten.
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste