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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Auch mit Klimaschutz wird Geld verdient
Zwischenüberschrift:
Aldi auf Nachhaltigkeitskurs: So macht es die neue Filiale an der Pagenstecherstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
40 Prozent weniger CO2 in sechs Jahren mit diesem Ziel wäre die Bundesrepublik Deutschland Star der Klimakonferenz in Kattowitz geworden. Was die Politik nicht schafft, nimmt der Discounter Aldi als Herausforderung. Und zeigt in der Filiale an der Pagenstecherstraße, wie es funktioniert.

Osnabrück Die Kälteanlagen schlucken den meisten Strom in einem Supermarkt. Tendenziell nimmt der Verbrauch sogar noch zu, weil neuere Filialen meist mit größeren Verkaufsflächen und mit mehr Kühlwandregalen ausgestattet werden für Molkereiprodukte, Fertignahrung, Gemüse und Getränke zum Mitnehmen. Ein Dilemma, aus dem sich dennoch ein Ausweg finden lasse, wie Marcela Nitschke von Aldi-Nord betont. Auf ihrer Visitenkarte steht Managerin Corporate Responsibility, was so viel wie Unternehmensverantwortung heißt.

Mit effizienten Kühlanlagen, die Kohlendioxid als Kältemittel nutzen, sinke der Energieverbrauch trotz der zusätzlichen Fläche, versichert die Nachhaltigkeitsexpertin. Nicht nur das: Für die im April 2018 eröffnete Aldi-Filiale an der Pagenstecherstraße wurde auf die sonst übliche Gasheizung verzichtet. Marcela Nitschke triumphiert: Wir heizen mit Abwärme! Die warme Luft ist das Abfallprodukt aus der Kühlung.

Heiße Luft fällt auch jedes Mal an, wenn im Supermarkt Brötchen gebacken werden. Die Abluft aus dem Backofen würde sich naturgemäß gut zum Heizen eignen, doch davon haben die Aldi-Strategen Abstand genommen. Das riecht zu sehr nach Brötchen″, bedauert die junge Managerin.

Strom für Backofen und Beleuchtung, Kühl- und Lüftungsgeräte liefert die Sonne. Jedenfalls zum Teil. Auf dem Dach der neuen Filialen lässt Aldi Solarzellen installieren. An der Pagenstecherstraße leisten die Module je nach Sonnenstand und Temperatur bis zu 128 Kilowatt. Nach vorläufigen Berechnungen werden im Jahresschnitt 71 Prozent davon selbst verbraucht. Damit reduziere sich der Strombedarf aus dem Netz erheblich, sagt Marcela Nitschke: Ungefähr die Hälfte kaufen wir dazu″.

Als Managerin für die unternehmerische Verantwortung kann sie sich auf den Nachhaltigkeitsbericht von Aldi-Nord berufen, der den Mitarbeitern ein klares Ziel vorgibt: Bis 2021 soll der CO2 - Ausstoß um 40 Prozent niedriger sein als 2015. Und das gilt nicht nur für die 2300 Filialen in Deutschland, sondern für alle 4800 in Europa. Ebenso für sämtliche Logistikzentren und Verwaltungsgebäude.

Um den guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, sollen sämtliche Standorte Schritt für Schritt nach den energetischen Erkenntnissen modernisiert werden, also nach den Standards, wie sie schon an der Pagenstecherstraße verwirklicht wurden. Dabei geht es allerdings nicht nur um Energieeinsparung, zum Konzept gehört auch eine freundliche Einkaufsatmosphäre mit entsprechender Helligkeit.

Bei der Energieeffizienz wird aber hier und dort auch Neues ausprobiert. In einem Aldi-Markt leistet zum Beispiel ein Eisspeicher Dienst, wie Marcela Nitschke berichtet. Überschüssiger Solarstrom wird nicht ins Netz eingespeist, sondern in die Kälteanlage gesteckt. Wenn sich das bewährt, sollen auch andere Standorte damit ausgestattet werden.

Den Verantwortlichen bei Aldi ist klar, dass 40 Prozent CO2 - bzw. Energieeinsparung nicht allein durch moderne Technik erreicht werden können. Deshalb gehört auch die Einbindung der Beschäftigten zum Konzept.

Sobald eine Filiale schließt, sagt Pressesprecher Manuel Sentker, sollen sie die Kühlwandrollos herunterlassen, um Kühlverluste gering zu halten. Und für die Nacharbeit wird die Beleuchtung auf zwei Drittel heruntergeregelt.

Um den Klimaschutz überall im Betrieb konsequent umzusetzen, soll er als betriebswirtschaftliche Größe in die Kalkulation eingehen. Deshalb ist geplant, einen internen Preis pro Tonne CO2 festzulegen. Dieser Preis soll bei allen emissionsrelevanten Investitionsentscheidungen Anwendung finden″, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht von Aldi-Nord.

Unternehmenssprecher Manuel Sentker räumt ein, dass sich Investitionen in Fotovoltaikanlagen und moderne Kühlsysteme nicht innerhalb weniger Jahre amortisieren. Mit dem integrierten Preis für CO2 reduziere sich dieser Zeitraum aber. Und dabei gelte es auch zu berücksichtigen, dass die durchschnittliche Lebensdauer einer Filiale 16 Jahren betrage. Unter dem Strich verdient Aldi also Geld mit dem Klimaschutz.

Bildtext:
Das Supermarktdach als Kraftwerk: Den Strom, der hier erzeugt wird, verbraucht die Aldi-Filiale an der Pagenstecherstraße zu 70 Prozent selbst vor allem für die Kühlgeräte.
Kühlgeräte verbrauchen den größten Stromanteil. Deshalb setze Aldi auf effiziente Aggregate, sagt Marcela Nitschke.
Foto:
André Havergo

Fotovoltaik für Unternehmen
Die Stadt Osnabrück will kleine und mittlere Unternehmen gewinnen, Fotovoltaikanlagen zur Eigenstromerzeugung einzusetzen. In einem Schreiben an 450 Gewerbebetriebe bietet der Fachbereich Umwelt und Klimaschutz an, eine vom Land bezahlte Beratung (Solarcheck) in Anspruch zu nehmen. Zurzeit gibt es in Osnabrück etwa 1250 Solarstromanlagen mit einem Anschlusswert von 21 Megawatt. Rechnerisch würde der erzeugte Strom ausreichen, um 4800 Durchschnittshaushalte zu versorgen. Um die Ziele des Masterplans Klimaschutz zu erreichen, müsste jedoch das Fünfzehnfache installiert sein, rechnet Fachbereichsleiter Detlef Gerdts vor. Weitere Informationen gibt es unter www.osnabrueck.de/ solardachpotenzial.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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