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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Neue Vorwürfe gegen Vonovia
 
Mieterverein: So trickst Vonovia Mieter aus
 
Wie Vonovia auf die Vorwürfe des Mietervereins Osnabrück reagiert
Zwischenüberschrift:
Geschäftsführer Carsten Wanzelius: Viele können sich diese Mieterhöhungen nicht leisten und ziehen weg
 
„Wir wollen den Mietern ein schönes Zuhause bieten″
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Der Mieterverein erhebt neue schwere Vorwürfe gegen Vonovia. Geschäftsführer Carsten Wanzelius spricht von Schimmel in Mietwohnungen und weist auf überhöhte Betriebskostenabrechnungen hin. Vonovia-Mieter am Kalkhügel müssten sehr viel für eine Baumschau″ bezahlen.

Der Geschäftsführer des Mietervereins für Osnabrück und Umgebung, Carsten Wanzelius, beschreibt im Interview, wie Osnabrücks größter Wohnungsvermieter Vonovia über Mieterhöhungen nach Sanierungen und zweifelhafte Betriebskostenabrechnungen das Äußerste aus den Objekten herausholt″.

Vor einem Jahr kündigte Vonovia-Regionalgeschäftsführer Ulrich Schiller an, 15 Millionen Euro in 685 Vonovia-Wohnungen in der Dodesheide zu investieren. Er sagte: Es geht nicht darum, möglichst viel Mieten aus den Objekten herauszupressen.″ Wie kommentieren Sie, dass Mieten dort nach energetischen Sanierungen dennoch um bis zu fast 50 Prozent erhöht wurden?

Ich fürchte, dass das im Ergebnis dazu führen wird, dass viele Mieter tatsächlich wegziehen müssen, weil sie sich das nicht mehr leisten können. Auch wenn hier berücksichtigt worden ist, nicht die Maximalmieten herauszuholen, so wird doch so viel auf die Mieter umgelegt, dass sie sich das nicht mehr leisten können. Fakt ist, dass die Häuser nach den Sanierungen nicht auf dem neuesten Stand sind und die Mieten dort nach den Sanierungen deutlich über dem Niveau des Mietspiegels der Stadt Osnabrück liegen. Insofern wird aus meiner Sicht sehr wohl das Äußerste aus den Objekten herausgeholt, denn noch höhere Mieten wären für diese Wohnungen in Osnabrück nach meiner Wahrnehmung nicht zu erzielen.

Mit welchen Vorwürfen wurden Sie von Mietern am Limberg konfrontiert?

Ich wurde damit konfrontiert, dass die Häuser selber enorme Mängel aufweisen und auch zuvor schon besessen haben. Die ehemaligen Briten-Häuser in der Dodesheide sind sehr bekannt für Mängel wie Schimmelpilz. Viele dieser Gebäude sind auf dem Stand der 50er-Jahre und hätten eigentlich grundsaniert werden müssen. Ich höre von vielen unserer Mitglieder, dass das nicht stattgefunden hat. Diese Häuser sind nicht vorher innen saniert, sondern nur außen saniert worden. Es findet eine äußere Kaschierung statt. Es wird energetisch von außen saniert, aber innen findet keine Sanierung in dem Ausmaß statt, wie es eigentlich sein müsste.

Werfen Sie Vonovia vor, dass es sich bei den energetischen Sanierungen der Häuser eigentlich um kaschierte Instandhaltungsmaßnahmen handelt und die Kosten somit gar nicht auf die Mieter umgelegt werden dürften?

Ich glaube in jedem Fall, dass der Instandsetzungsanteil, der hier eigentlich zu berücksichtigen ist, deutlich höher liegt als der Anteil, der von Vonovia als energetische Modernisierung berechnet wird. Vonovia berechnet auf Basis der mir vorliegenden Unterlagen ungefähr 17 Prozent Instandsetzungsanteil auf die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme. Tatsächlich sind erheblich höhere Anteile zu berücksichtigen. Bei einigen Gebäuden kann das dazu führen, dass der zu berücksichtigende Instandsetzungsanteil deutlich die energetische Sanierung übersteigt. Da nur die Kosten für energetische Sanierung auf die Mieter umgelegt werden dürfen, ist die Mieterhöhung in diesem Maße bei den mir vorliegenden Fällen ungerechtfertigt.

Spiegel online″ berichtete, dass Vonovia seine Mieter mit zweifelhaften Methoden über die Nebenkosten schröpft″. Kennen Sie auch zweifelhafte Betriebskostenabrechnungen?

Der Deutsche Mieterbund gibt den Bundesbetriebskostenspiegel heraus, der zur Überprüfung der einzelnen Betriebskosten herangezogen wird. Da lässt sich eindeutig feststellen, dass die Vonovia die Kosten weit übertrifft, die eigentlich im Bundesschnitt bezahlt werden. Bei den kalten Betriebskosten rennen die Kosten bei der Vonovia davon. Bei Vonovia-Mietern am Kalkhügel, die der Mieterverein betreut, sind diese Kosten doppelt so hoch wie im Bundesschnitt.

Können Sie am Beispiel der Mieter am Kalkhügel beschreiben, welche konkreten Kosten deutlich überhöht sind?

Vonovia bildet nach unserer Einschätzung die größtmöglichen Nutzergruppen-Wirtschaftseinheiten und nicht die eigentlich zusammengehörigen. Das führt dazu, dass Vonovia fast den gesamten Kalkhügel als Wirtschaftseinheit zusammengefasst hat, obwohl die Vonovia-Häuser durch viele Häuser, die nicht der Vonovia gehören, voneinander getrennt sind. So müssen die Mieter in den Hochhäusern am Kalkhügel für die Pflege von Hecken und Bäumen mitbezahlen, die weit entfernt unten an der Sutthauser Straße liegen. Besonders kurios ist die sogenannte Baumschau″, die Vonovia als Betriebskosten aufführt. Dabei geht es offenbar um die Überprüfung der Bäume, die eventuell durch Sturm beschädigt worden sind. Die Kosten dafür werden von Vonovia im Jahr auf über 20 000 Euro beziffert und auf alle Vonovia-Mieter am Kalkhügel umgelegt. Das ist ein derart hoher Betrag, dass ich da ernsthafte Zweifel habe, ob das gerechtfertigt ist. Aktuell fordert der Mieterverein Osnabrück die Vonovia auf, diese Kosten detailliert zu erläutern.

Am Mittwoch ab 19 Uhr überträgt noz.de im Livestream eine Podiumsdiskussion mit Vonovia-Regionalgeschäftsführer Ulrich Schiller, Mieterverein-Geschäftsfürer Carsten Wanzelius und anderen Gästen.

Bildtext:
Erhebt schwere Vorwürfe gegen Osnabrücks größten Wohnungsvermieter Vonovia: der Geschäftsführer des Mietervereins für Osnabrück und Umgebung, Carsten Wanzelius.
Foto:
David Ebener

Osnabrück Osnabrücks größter Wohnungsvermieter Vonovia reagiert gelassen auf die Vorwürfe des Mietervereins zu Schimmel in Mietwohnungen, ungerechtfertigten Mieterhöhungen nach Sanierungen und falschen Betriebskostenabrechnungen. Wir modernisieren nicht, um die Mieter zu ärgern, sondern wollen ihnen langfristig ein schönes Zuhause bieten″, kommentierte Vonovia-Konzernsprecher Max Niklas Gille. Zum Vorwurf des Mieterverein-Geschäftsführers Carsten Wanzelius, dass Mieterhöhungen bei Vonovia-Mietern, die er betreue, ungerechtfertigt sind″, sagte Konzernsprecher Gille knapp: Eine klare Trennung zwischen Modernisierungen und Instandhaltungen ist uns wichtig.″ Vonovia führe Instandhaltungen regelmäßig durch. Bei Mieterhöhungen gehen wir auf die Mieter zu. Sollte jemand das Gefühl haben, eine Mieterhöhung nicht leisten zu können, suchen wir das Gespräch und finden gemeinsam eine Einigung.″

Auch bei Nebenkosten sei Nachvollziehbarkeit wichtig. Gille ging nicht auf konkrete Vorwürfe ein, sagte nur: Wir rechnen nur ab, was auch tatsächlich geleistet wurde. Sollten Fehler passieren, werden diese umgehend korrigiert.″ Vonovia freue sich auf den weiteren Austausch mit dem Mieterverein.

Kommentar
Erste Schritte in die richtige Richtung

Der öffentliche Druck mag dazu beigetragen haben: Osnabrücks größter Wohnungsvermieter Vonovia bewegt sich in die richtige Richtung.

Nachdem unsere Redaktion vor einem Monat öffentlich gemacht hat, dass Vonovia die Mieten für Yvonne Fischer sowie Heike Schierenbeck nach energetischen Sanierungen um fast 50 Prozent erhöht hat, sprechen Vonovia-Quartiersmanager nun endlich mit ihnen, damit sie kleinere und günstigere Wohnungen in der Dodesheide bekommen. Vorher hatte Vonovia die Anfragen ignoriert. Auch für den 81-jährigen Rollstuhlfahrer Dietrich Fürstenberg aus Osnabrück-Eversburg baute Vonovia ein neues Gartenhaus, weil ein für die Modernisierung aufgebautes Gerüst den Zugang zu seinem Elektromobil versperrte.

Nun kündigt Vonovia wegen Mieterprotesten an, die energetischen Investitionen in Deutschland um 40 Prozent zu kürzen. Auch das ist eine gute Nachricht, denn dadurch wird das Geschäftsmodell, Wohnungen energetisch zu sanieren, um Mieterhöhungen von bis zu 50 Prozent zu erreichen und die eigene Rendite zu steigern, stark eingedämmt.
Autor:
Jean-Charles Fays


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